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Beschreibung
vor 3 Tagen
Mit ungefähr 40 Jahren zum ersten Mal an einer Universität
sitzen, in einem Seminarraum voller fremder Menschen, mit Fragen
im Kopf wie: Schaffe ich das überhaupt? Heiko Praetz weiß,
wie sich dieser Moment anfühlt. Doch er erlebte auch, wie er
gleich in den ersten Vorlesungen eine Gruppe von Mitstudenten
fand, die seine Studienerfahrung zu einer unvergesslichen Zeit in
seinem Leben machten.
Heiko ist nicht den geraden Weg gegangen: Vor dem Studium standen
eine Zimmermannslehre, eine Ausbildung zum Sozialassistenten und
eine zum Erzieher. Den Zimmererberuf musste er mit Anfang zwanzig
wegen eines Sportunfalls aufgeben, was zu seiner Entscheidung
führte, in einen sozialen Beruf zu wechseln. Dieser Moment war,
wie er mittlerweile sagt, das vielleicht wichtigste Puzzlestück
seines Lebens. Heute ist er stellvertretende Bereichsleitung
Obdach und Asyl bei der Gemeinde Diakonie Lübeck e.V. und betreut
in diesem Kontext vor allem diverse Unterkünfte für geflüchtete
Menschen als auch wohnungslose Familien.
Hier begann er 2016 als Erzieher in einer Unterkunft für
geflüchtete Menschen zu arbeiten, kaum ein Jahr später wurde ihm
die Leitung angeboten. Er nahm sie an, merkte jedoch dabei
schnell, dass ihm das rechtliche Hintergrundwissen fehlte; die
Grundlage, um Gesetze zu verstehen, einordnen und für sein
Klientel nutzbar machen zu können. Das wurde der Ausgangspunkt
für sein Studium.
2019 beschloss Heiko, berufsbegleitend Soziale Arbeit an der
Leuphana Professional School zu studieren. Einmal im Monat,
freitags und samstags, fuhr er nach Lüneburg; dazu war er auch
einmal im Jahr für eine Blockwoche vor Ort. Um Vor- und
Nachbereitung der Veranstaltungen und Prüfungen kümmerte er sich
immer dann, wenn es sein voller Alltag zuließ, mit dem Rückhalt
seiner Familie, den er als großes Glück beschreibt. Vom Studium
besonders in Erinnerung geblieben ist Heiko seine Bachelorarbeit
über das Spannungsfeld zwischen ausländerrechtlichen Regelungen
und dem Kinderrecht zur Familienzusammenführung. Das Wissen
daraus nutzt er heute direkt: Ein neues Projekt für seinen
Arbeitgeber rund um unbegleitete minderjährige Ausländer hat er
komplett auf Basis dessen konzipiert, was er im Studium
erarbeitet hat.
Was Heiko in seinem Berufsalltag begeistert, ist das Gestalten
von Prozessen für Menschen mit unterschiedlichsten sozialen
Hintergründen, die Unterstützung suchen. Er möchte Brücken in die
Gesellschaft bauen, die den Hilfesuchenden eine eigenständige,
selbstbestimmte Teilhabe in dieser ermöglichen, nicht Integration
um den Preis der eigenen Identität, sondern Akkulturation.
Hört rein und erfahrt von Heiko, wie ein berufsbegleitendes
Studium funktionieren kann und was es dafür wirklich braucht.
Warum ist bei seiner Arbeit der Unterschied zwischen Integration
und Akkulturation in Bezug auf Asylsuchende so entscheidend? Und
was macht einen Menschen aus, der immer wieder aufsteht, trotz
Rückschlägen und Zweifeln?
Moderiert wird diese Episode von Helena Minner.
Hier geht es zu Links und weiterführenden Informationen:
https://studium-und-dann.com/?p=26738
Diese Folge ist Teil unseres Vorgängerformats „Karriere leupht“
der Leuphana Universität Lüneburg und wurde für die
Neuveröffentlichung gekürzt und bearbeitet.
Wir freuen uns jederzeit über eure Anregungen, Lob und auch
konstruktive Kritik! Nutzt dafür gern die Kommentarfunktion auf der
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