Spielen oder gespielt werden | Von Peter Frey

Spielen oder gespielt werden | Von Peter Frey

vor 1 Tag
20 Minuten
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Beschreibung

vor 1 Tag

Kriegsspiele der neuesten Generation


Westliche Spionagenetzwerke in Videospielen


Ein Standpunkt von Peter Frey.


Seit Jahrzehnten werden Videospiele als reine Unterhaltung
abgetan — als Zeitvertreib für Jugendliche, der auf
Realitätsflucht beruht, aber auf einer milliardenschweren
Industrie basiert. Hinter farbenfrohen Grafiken und fesselndem
Gameplay verbirgt sich eine weitaus komplexere Realität.
Dieselben Spiele, die heute Millionen westlicher Haushalte
beschäftigen, sind zum integralen Bestandteil eines
ausgeklügelten Nachrichtendienstapparats geworden.


Was als Investition der Central Intelligence Agency (CIA), (des
US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes), zur Jahrtausendwende
begann, hat sich zu einem weitverzweigten System entwickelt, das
gewöhnliche Spieler in unwissende Datensammler verwandelt,
militärische Ressourcen über Spiele-Gemeinschaften rekrutiert und
die Art und Weise, wie Soldaten den Kampf wahrnehmen, grundlegend
verändert (a1).


Die langfristige Strategie der CIA


Die Geschichte beginnt im Jahr 1999, als die Central Intelligence
Agency (CIA) In-Q-Tel gründete, (ein Investmentunternehmen mit)
Risikokapitalfonds, die einem bestimmten Zweck dienten: zivile
Technologien zu identifizieren und in solche zu investieren, die
für nachrichtendienstliche Operationen umfunktioniert werden
könnten. Dies war keine geheime Initiative. In-Q-Tel wurde mit
dem ausdrücklichen Auftrag gegründet, die Lücke zwischen den
Innovationen des Silicon Valley und den operativen Anforderungen
in Langley zu schließen.


Im Jahre 2001 investierte In-Q-Tel Startkapital in Keyhole, einem
kleinem Unternehmen, das von dem an der Stanford University
ausgebildeten Ingenieur John Hanke gegründet worden war. Keyhole
entwickelte eine Technologie, die im Nachhinein betrachtet
selbstverständlich erscheint: einen interaktiven Globus aus
Satellitenbildern, der es den Nutzern ermöglichte, das Gelände
aus jedem beliebigen Blickwinkel zu betrachten.


Für die CIA, die sich 2003 auf die Invasion des Irak
vorbereitete, war diese Technologie damals jedoch revolutionär.
Während Satellitenbilder nur Aufnahmen aus der Vogelperspektive
lieferten, bot Keyhole etwas weitaus Wertvolleres: die
Möglichkeit, Gebäude aus der Bodenperspektive zu analysieren,
Zugangspunkte und Fluchtwege zu erkennen und städtisches Gelände
dreidimensional abzubilden. Die Technologie wurde umgehend für
die Einsatzplanung in Bagdad eingesetzt.


Als Google im Jahr 2004 Keyhole übernahm, wurde dessen
Technologie zu Google Earth. Hanke blieb bei Google und wurde mit
einem noch ehrgeizigeren Projekt betraut: Google Street View. Ab
2007 durchquerte eine Flotte von Fahrzeugen, die mit
360-Grad-Kameras ausgestattet waren, 60 Länder und fotografierte
Straßen, Stadtviertel und ganze Städte.
Was die Öffentlichkeit bis 2010 nicht wusste, war, dass diese
Fahrzeuge weit mehr taten, als nur Fotos zu machen. Sie sammelten
heimlich WLAN-Datenpakete – darunter Passwörter, E-Mails,
Krankenakten und den Inhalt von Webseiten – aus ungesicherten
Netzwerken in Millionen von Haushalten und Unternehmen in Europa,
Nordamerika und darüber hinaus.




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