Waffenstillstand im Nahen Osten – Völkermord geht weiter | Von Hermann Ploppa

Waffenstillstand im Nahen Osten – Völkermord geht weiter | Von Hermann Ploppa

vor 5 Tagen
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Beschreibung

vor 5 Tagen

Nachdem US-Präsident Donald Trump zunächst die iranische
Zivilisation in einer einzigen Nacht für alle Zeiten vernichten
wollte, hat er dann doch lieber den geordneten Rückzug
angetreten. Für wie lange?


Ein Standpunkt von Hermann Ploppa.


Das war ein Drama.


Was wir in den letzten Tagen erlebt haben, ist nichts weniger als
eine Neuauflage der Kuba-Krise von 1962. Damals hatten die
Antipoden USA und Sowjetunion sehr hoch gepokert wegen
sowjetischer Marschflugkörper auf Kuba, nur wenige Kilometer
entfernt von Florida. Doch damals regierte auf beiden Seiten des
Kalten Kriegs eine Generation, die den Horror des Zweiten
Weltkriegs noch hautnah miterlebt hat. Dieser Horror war
Chruschtschow und Kennedy in Mark und Bein geschrieben. Beide
wollten so etwas nie wieder erleben. Die atomare Konfrontation
konnte vermieden werden. Die Welt zitterte und atmete sodann
erleichtert auf.


Doch ganz anders die aktuelle Zuspitzung im Krieg der USA gegen
den Iran. US-Präsident Donald Trump hatte sich in seiner
kriegerischen Rhetorik selber immer noch einmal überboten. Wenn
die iranischen Revolutionsgarden, diese „irren Bastarde“ wie er
sich ausdrückte, nicht sofort die Meerenge von Hormuz öffneten,
dann gäbe es mächtig Schläge. Im nächsten Tweet war dann schon
die Rede davon, „eine ganze Zivilisation werde heute Nacht
sterben und nie wieder auferstehen.“ Das wolle Trump zwar nicht,
das werde aber stattfinden, wenn die Iraner nicht bis 2 Uhr
nachts Mitteleuropäischer Sommerzeit die Straße von Hormuz wieder
freigeben würden. Dann wurde noch eine kryptische Aussage von
Vizepräsident JD Vance kolportiert. Man werde, so hieß es, „eine
ganz neue Waffe“ gegen den Iran einsetzen. Die Community
spekulierte, ob der junge Vizepräsident vielleicht sogar die
Atombombe meinen könnte.


Jetzt waren wir also wieder bei Kuba-Krise 2.0 angelangt. Das
Erschreckende daran: die Generation, die jetzt am Drücker sitzt,
hat selber noch nie einen Krieg miterlebt und ist zudem
ideologisch auf Apokalypse eingestellt (1). Und, was der absolute
Schocker ist, was kaum jemand weiß: der Präsident der USA ist
laut Verfassung dazu berechtigt, ganz alleine, ohne jede
Abstimmung mit irgendwelchen anderen Instanzen wie zum Beispiel
dem Parlament oder dem Obersten Gericht, die Atombombe zu zünden
(2).


Dafür trägt ein Helferlein einen Koffer immer mit, auf den der
Präsident jederzeit zugreifen kann. Der Präsident schnappt sich
diesen Koffer, den so genannten „nuclear football“, öffnet ihn
und authentifiziert sich mit einem Geheimcode. Der Befehl zum
Starten der Atombomben geht an das National Military Command
Center im Pentagon. Von dort geht der Startbefehl an die
ausführenden Waffengattungen. Zwei Militärangehörige müssen nun
exakt zur gleichen Zeit an zwei Schlössern mit zwei identischen
Schlüsseln die gleiche Drehung ausführen. Und nun kann der
atomare Knall losgehen. Bei der geistig-moralischen Ausstattung
des derzeit amtierenden Präsidenten kann man sich leider durchaus
vorstellen, dass Trump die atomare Kettenreaktion auslöst (3).


Und bereits viele Stunden vor Ablauf des Ultimatums begannen
israelische Streitkräfte, systematisch Brücken und Kraftwerke
sowie Basen der iranischen Revolutionsgarden zu bombardieren. Es
schien alles auf den großen Knall zuzustreben. Iranische Bürger
stellten sich als menschliche Schutzschilder auf die gefährdeten
Brücken und vor die Kraftwerke (4). Männer, Frauen, Kinder. Sie
alle mussten damit rechnen, von den skrupellosen Angreifern
zusammen mit den Brücken und Kraftwerken pulverisiert zu werden.
Die Lage war aus iranischer Sicht verzweifelt. Irans Präsident
Massud Peseschkian gab bekannt, dass sich vierzehn Millionen
Iraner bereit erklärten, ihr Leben für die Sache Irans zu opfern,
sprich: Selbstmordaktionen zu starten, um die Angreifer
aufzuhalten.


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