Schimpansen fressen ihre Jungen.... manchmal

Schimpansen fressen ihre Jungen.... manchmal

vor 5 Tagen
29 Minuten
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Beschreibung

vor 5 Tagen
1. Das Erbe von Jane Goodall und der Wandel des Chimpansen-Bildes

Das Gespräch beginnt mit einer Reflexion über die historische
Bedeutung von Gombe. Ursprünglich prägte Jane Goodall das Bild
der Schimpansen als fürsorgliche, fast „bessere“ Wesen. Mütter
investieren fünf Jahre in die Aufzucht eines Kindes, unterstützt
durch die gesamte Familie. Doch nach etwa 15 bis 20 Jahren
Forschung revidierte Goodall dieses Bild: Schimpansen haben,
genau wie Menschen, eine dunkle, gewalttätige Seite.
2. Infantizid bei Schimpansen: Motive und Muster

Das Phänomen der Kindstötung (Infantizid) bei Schimpansen ist
kein Zeichen von „Wahnsinn“, sondern folgt biologischen Mustern:




Weibliche Konkurrenz: Schimpansen-Gesellschaften sind
patrilinear (Männer bleiben in ihrer Geburtsgruppe, Frauen
wandern aus). Wenn eine neue Frau in ein Territorium
einwandert, konkurriert sie mit den ansässigen Weibchen um
Nahrung und Raum. Um die Konkurrentin zu vertreiben oder
ihren Fortpflanzungserfolg zu verhindern, greifen ansässige
Weibchen deren Junge an und töten sie teils sogar, um sie zu
fressen.




Territorialkriege: Männliche Schimpansen verteidigen ihre
Grenzen aggressiv. Bei Zusammenstößen mit Nachbargruppen
werden die Jungen der Konkurrenten gezielt getötet, um das
gegnerische Territorium langfristig zu schwächen.




Selektive Tötung durch Männchen: Männchen töten gelegentlich
Jungen innerhalb der eigenen Gruppe, wenn sie (vermutlich
über den Geruch oder den Zeitpunkt der Zeugung) erkennen,
dass das Kind nicht von ihnen stammt.


3. Paviane: Ein gegensätzliches Sozialmodell

Im Gegensatz zu Schimpansen leben Paviane in matrilinear
geprägten Gruppen (Frauen bleiben zusammen, Männer wandern aus).
Hier ist der Infantizid primär eine männliche
Fortpflanzungsstrategie:




Ein neu eingewandertes Männchen versucht, die Hierarchie zu
erklimmen. Um die Weibchen schneller wieder empfängnisbereit
zu machen, tötet er deren (nicht von ihm gezeugte) Jungen.




Dies geschieht oft instinktiv in den ersten sechs Monaten
nach der Einwanderung.


4. Intelligenz, Instinkt und die Tragik der Fürsorge

Collins betont, dass Primaten nicht nur instinktgetrieben,
sondern hochintelligent sind. Dies führt zu paradoxen
Situationen:




Geiselnahme: Pavianmännchen nutzen Jungen als Schutzschilde
gegen Rivalen, da Angriffe auf Babys tabuisiert sind. Dabei
nehmen sie den Tod des Kindes in Kauf.




Übersteigerte Fürsorge: Die Schimpansen-Mutter „Gremlin“
verursachte versehentlich den Tod ihres Enkelkindes, weil sie
es aus einem extremen (vielleicht missverstandenen)
Schutzinstinkt vor einer Mörderin rettete, es dann aber der
Mutter nicht zurückgab, bis es verhungerte.




Fazit: Die Forschung in Gombe zeigt, dass das Sozialverhalten von
Primaten eine komplexe Mischung aus tiefer Fürsorge und brutaler
strategischer Gewalt ist – eine Erkenntnis, die Jane Goodall zu
dem Schluss kommen ließ, dass Schimpansen uns „genau gleich“
sind.
 
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