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Beschreibung
vor 2 Monaten
Warum gehen Menschen demonstrieren, und können Demonstrationen
wirklich etwas gegen den Rechtsruck und die daraus erwachsende
Gefährdung unserer Demokratie ausrichten? Das sind die Fragen,
mit denen sich Dr. Nina-Kathrin Wienkoop täglich
auseinandersetzt. Als Politikwissenschaftlerin an der Hochschule
für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und Vorstandsmitglied
des Instituts für Protest und Bewegungsforschung (ipb) beobachtet
sie Demonstrationen nicht nur, sondern analysiert sie und befragt
systematisch Demonstrierende, so auch bei den „Demos gegen
rechts", die medial große Aufmerksamkeit erhalten haben. Wie sich
ihre Arbeit in diesem Kontext konkret gestaltet, welche
Erkenntnisse sie dabei gewinnt und warum sie seitdem als
Privatperson häufig nur noch ohne Schild an Demonstrationen
teilnimmt, erzählt sie in dieser Episode.
Ihren akademischen Weg begann Nina mit einem Bachelorstudium in
Ethnologie und Politikwissenschaften in Göttingen und einem
anschließenden Master in Politischer Wissenschaft und Regierung
an der Freien Universität Berlin. Hier kam sie im Rahmen der
Friedens- und Konfliktforschung das erste Mal mit dem Thema
Gruppendynamiken in Berührung: Wie entstehen diese, wer setzt
sich durch, wer organisiert sich, wer bleibt still? Diese Fragen
wurden schließlich die Grundlage für das, was in Ninas Promotion
folgte: Für ihre Dissertation an der Leuphana Universität
Lüneburg untersuchte sie, wie Protestbewegungen in Ländern, in
denen demokratische Institutionen unter Druck geraten, als
Schutzschild gegen die Aushöhlung der Demokratie wirken können.
Konkret analysierte sie, was passiert, wenn Präsident:innen
versuchen, nach Ablauf ihrer in der Verfassung festgesetzten
Amtszeit weiter zu regieren, und welche Rolle
zivilgesellschaftliche Mobilisierung dabei spielt, das zu
verhindern. Für die Feldforschung reiste sie nach Westafrika,
nach Burkina Faso und in den Senegal, lernte, in einem ganz neuen
kulturellen Kontext zu forschen und auch die eigene Rolle als
Wissenschaftlerin immer wieder kritisch zu hinterfragen. Diese
Erfahrungen, berichtet sie, haben sie bis heute geprägt und haben
ihr Verständnis von der eigenen Arbeit grundlegend beeinflusst.
Die Promotion selbst, die sie 2020 abschloss, beschreibt Nina als
einen Weg, der sich Stück für Stück ergeben hat und nie
vollständig vorgezeichnet war. Als Erstakademikerin gab es für
sie von Anfang an eine klare innere Verbindung zwischen Bildung
und der Freiheit, persönlich zu wachsen, sich entfalten und auf
unterschiedlichste Arten einbringen zu dürfen. Diese Grundhaltung
ließ sie auch ungewöhnliche berufliche Wege in Betracht ziehen:
Den Entschluss, zu promovieren, fasste sie nicht aus dem inneren
Wunsch, Professorin zu werden, sondern weil ihr eine Kollegin
gezeigt hatte, dass nach einer Promotion ganz unterschiedliche
Wege denkbar sind, um sich beruflich zu verwirklichen und
zugleich einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben zu
leisten. Diese Erkenntnis beschreibt Nina als einen der
prägendsten Momente ihrer Zeit an der Universität.
Hört rein und erfahrt die Antworten auf folgende Fragen: Wie
läuft eine Demonstrant:innenbefragung in der Praxis ab? Warum
plädiert Dr. Nina-Kathrin Wienkoop dafür, dass Streiten nicht das
Gegenteil von Demokratie ist, sondern ihr Kern? Und was können
wir selbst tun, wenn wir von der Politik müde sind und den
Eindruck haben, als einzelne:r Wähler:in wenig bewirken zu
können?
Viel Spaß beim Hören!
Moderiert wird diese Episode von: Helena Minner
Das Interview fand statt im Februar 2025
Hier geht es zu Links und weiterführenden Informationen:
https://studium-und-dann.com/?p=16565
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