Warum chatten Sie mit Maschinen in der Fabrik, Herr Krattenmacher?

Warum chatten Sie mit Maschinen in der Fabrik, Herr Krattenmacher?

Der Geschäftsführer des Familienunternehmens SEW Eurodrive erzählt, wie ihn junge Mitarbeiter überzeugt haben
46 Minuten

Beschreibung

vor 6 Tagen
Künstliche Intelligenz bedeutet für viele Menschen derzeit: In
allen Lebenslagen ein großes Sprachmodell wie Chat GPT oder Gemini
befragen zu können. In einigen Berufen, etwa unter Programmierern
oder Rechtsanwälten, gehört KI bereits heute zum Handwerkszeug.
Wenig gesprochen wird aber noch über den Einsatz von Künstlicher
Intelligenz in der industriellen Produktion. Dies ändert sich
derzeit, und damit verbinden sich große Hoffnungen für den Standort
Deutschland. Doch kann die Warenproduktion in Ländern mit hohen
Lohn- und Energiekosten mit Hilfe von KI wirklich deutlich
wettbewerbsfähiger werden? Was unter industrieller KI zu verstehen
ist und welches Produktivitätspotenzial sich damit bergen lässt
diskutieren wir in dieser Folge mit Dr. Hans Krattenbacher,
Geschäftsführer Innovation Mechatronik von SEW Eurodive. Als
promovierter Elektrotechniker arbeitet er seit einem Viertel
Jahrhundert für das Familienunternehmen, das vor allem als
Hersteller von Antrieben, sogenannten Getriebemotoren, bekannt ist.
Mit einem Umsatz von mehr als vier Milliarden Euro und rund 23.000
Mitarbeiter gehört SEW Eurodrive zu den vielen in der
Öffentlichkeit wenig bekannten Anbietern deutscher
Automatisierungstechnik, die Fabriken in aller Welt am Laufen hält.
Für Krattenmacher hat ist Künstliche Intelligenz der Akkuschrauber
der Datentechnik, sie beschleunigt bislang vom Menschen
durchgeführte Tätigkeiten deutlich. Das habe sich kürzlich anhand
eines internen Projektes gezeigt, als es um die Inbetriebnahme
eines Umrichters gegangen sei. Junge Mitarbeiter programmierten
einen Chatbot und schafften es, das Gerät innerhalb einer
Viertelstunde ans Laufen zu bringen – selbst ein mit der Materie
vertrauter Fachmann bräuchte dafür länger. Konsequent angewendet
könne Künstliche Intelligenz die Produktivität produzierender
Unternehmen um mehr als zehn Prozent steigern, so Krattenmacher. Es
ginge aber auch darum, das gegenwärtige Niveau angesichts des
drohenden Fachkräftemangels in die Industrie überhaupt zu halten.
Menschenleere, nur von Robotern in Gang gehaltene Fabriken hält
Krattenmacher aber nur in Sonderfällen für machbar. Der Physiker,
sich ehrenamtlich im Branchenverband ZVEI eingagiert, mahnt zur
Eile. Zwar habe Deutschland im Maschinen- und Anlagenbau sowie der
zugehörigen Automatisierungstechnik noch immer einen technischen
Vorsprung und durchaus solides Know-how hinsichtlich Künstlicher
Intelligenz. „Wenn wir aber noch 20 Jahre weiter darüber
diskutieren, was richtig wäre, dann werden wir diese Dominanz und
diesen Wettbewerbsvorteil einfach verlieren.“
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