Drunter über drüber: Das Rätsel der verdrehten Alpen

Drunter über drüber: Das Rätsel der verdrehten Alpen

vor 1 Monat
Noch im 18. Jahrhundert galten die Alpen nicht nur als bedrohlich, sondern auch als überaus rätselhaft. Bald stellte sich heraus: In der heutigen Tektonikarena Sardona sind die Berge verdreht – alte Gesteine liegen über jungen. Wie kann das sein?
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Im AstroGeo Podcast erzählen sich die Wissenschaftsjournalisten Franziskia Konitzer und Karl Urban regelmäßig Geschichten, die ihnen entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert – oder die sie in den Tiefen und Untiefen des Universum...

Beschreibung

vor 1 Monat
Im 18. Jahrhundert galten die Alpen vielen als schrecklich und ihre
Überquerung als Qual, die man, wenn überhaupt, schnell hinter sich
brachte. Selbst auf die frühen Geologen wirkten die hohen Berge und
ihre Gesteine gleichermaßen unangenehm und unübersichtlich. Was
bedeuteten die geschichteten, gestapelten und gefalteten Gesteine?
Wie waren sie in ihre heutige Lage gelangt? Wieso ist dort ein
solches Gebirge entstanden? Karl beginnt eine mehrteilige Reise
durch die Geschichte der Alpenforschung. In dieser ersten Folge
geht es um eine natürliche Arena, die heute Tektonikarena Sardona
heißt. Sie liegt zwischen den Schweizer Kantonen Glarus und
Graubünden und ist mittlerweile weltberühmt. Es ist eine Gegend,
die Forschern schon vor über 200 Jahren aufgefallen war. Denn dort
gibt es etwas, das in der Natur eigentlich unmöglich zu sein
schien: Alte Gesteine liegen auf neuen. Der Berg steht quasi
verkehrt herum – und das verlangte eine Erklärung. Die Arena mitten
in den Alpen ist etwas Besonderes, denn hier offenbart sich der
geologische Bauplan des Gebirges. Bis dieser Plan entschlüsselt
werden konnte, mussten die Forscher die Berge über ein Jahrhundert
lang durchstreifen, ihre Messungen in Karten eintragen und die
ermittelten Daten dann zum großen Ganzen zusammenfügen. Dabei
mussten sie auch Hürden überwinden. Denn nicht nur das Gestein hat
seine Eigenheiten, sondern auch das Ego der beteiligten Forscher,
was die Lösung des Rätsels über Jahrzehnte zurückhielt. Erst im
Jahr 1903 einigte man sich – und es ergab sich zum ersten Mal ein
schlüssiges Bild: Demnach wurden Gesteine nicht nur verformt oder
gefaltet. Vor allem wurden sie in sogenannten Decken übereinander
geschoben. Die Architektur der Alpen und vieler anderer Gebirge war
verstanden – und auch die Schichtenfolge im Osten der Schweiz
erhielt ihren heutigen Namen und ihren Weltruhm: die Glarner
Hauptüberschiebung. Eine maßstäbliche Kopie findet sich heute im
Museum of Natural History in New York. Seit 2008 gehört die
Bergkette zum Weltnaturerbe der UNESCO. Episodenbild: CC-BY-SA 4.0
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Com_FC35-0002-082
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