AstroGeo - Geschichten aus Astronomie und Geologie
Im AstroGeo Podcast erzählen sich die Wissenschaftsjournalisten Franziskia Konitzer und Karl Urban regelmäßig Geschichten, die ihnen entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert – oder die sie in den Tiefen und Untiefen des Universum...
Podcaster
Episoden
05.02.2026
1 Stunde 5 Minuten
In dieser Folge widmen sich Franzi und Karl dem Feedback zu den
letzten beiden Geschichten im AstroGeo Podcast. Besonders gefallen
hat ihnen die E-Mail einer Hörerin, deren Fantasie so sehr angeregt
wurde, dass sie sich nun als Teil „eines unwahrscheinlich kleinen
und zufälligen Teil eines riesigen und unfassbaren Zusammenhangs“
sieht. Herzlich willkommen in der Welt von AstroGeo! Karl spricht
über die korrekte Terminologie rund um Meteoroiden, Meteore,
Meteoriten und Boliden. Das ist nämlich ein wenig mühsam: Ein
Meteoroid ist ein kleinerer Gesteins- oder Eisbrocken auf einer
Sonnenumlaufbahn. Tritt er in die Erdatmosphäre ein, wird er zum
Meteor – gerne auch Sternschnuppe genannt. Und schaffen es
Bruchstücke bis zur Erdoberfläche, heißen sie schließlich
Meteoriten. Auch geht es nochmal darum, auf welchen Größenskalen
die Ausdehnung des Universums stattfindet – ob nur jenseits von
Galaxien oder auch auf dem Maßstab von Sternen, Planeten oder
Atomen. Dann geht es zurück in der Zeit, zu den ersten Sternen im
Universum. Sie sind irgendwo da draußen, aber gefunden hat sie noch
niemand. Franzi taucht dafür in die Prozesse ab, bei denen Sterne
neue Elemente erbrüten: die Kernfusion von masseärmeren zu
-reicheren Elementen. Genau jene massereicheren Elemente, von
Astronominnen und Astronomen auch unter dem Sammelbegriff „Metalle“
abgehakt, sollte es nämlich in den sogenannten Sternen der
Population III überhaupt nicht geben. Zur Entstehung des Mondes gab
es eine lebhafte Diskussion. Es ging erst einmal um den Befund
selbst: Wie sicher ist es, dass ein marsgroßer Planet namens Theia
mit der Protoerde zusammenstieß? Es geht um mögliche Szenarien für
die Zeit danach, zum Beispiel, dass sich erst zwei Monde gebildet
haben, die schließlich auch zusammenstießen und den heutigen
Erdmond formten. Karl erklärt auch die Europium-Anomalie, die als
wichtiges Argument für den großen Einschlag gilt: Über den Gehalt
des Seltenen Erd-Elements in den Mond-Hochländern und den
vulkanischen Mare-Ebenen lässt sich belegen, dass der Mond schon
vor der Bildung der großen Einschlagbecken über einen globalen
Magmaozean verfügt haben muss. Abschließend gibt es allgemeines
Feedback zur Nutzung des Podcasts (nicht nur, aber auch zum
Einschlafen), zu Wissen und Unwissen bei astrophysikalischern
Modellen voller Dunkler Materie und Dunkler Energie sowie zum
Einsatz KI-generierter Transkripte bei AstroGeo. Episodenbild:
Quelle: ESO/M. Kornmesser / CC-BY-SA 4.0 Rolf Hempel / Wikimedia
Commons
Mehr
22.01.2026
1 Stunde 11 Minuten
Im Juni 1986 erlebten Planetenforscher einen Heureka-Moment. Denn
sie waren zum ersten Mal einig, wie die Erde zu ihrem ungebührlich
großen Mond gekommen ist. Diese Erklärung gilt bis heute als das
wahrscheinlichste Szenario: Kurz nach der Entstehung der Erde vor
rund 4,5 Milliarden Jahren stieß ein marsgroßer Planet mit der
Protoerde zusammen. Aus dem verdampften Gestein, das dabei ins All
geschleudert wurde, bildete sich wenig später der Mond. Karl
erzählt in dieser Folge, wie es zu diesem Heureka-Moment kam – denn
nur wenige Jahre zuvor war die Forschungswelt noch hochgradig
zerstritten, was die Entstehung des Mondes anging. Mindestens eine
Handvoll Hypothesen war im Rennen. Man diskutierte, ob der Mond
sich von der Erde durch allzu große Fliehkraft abgespalten hatte
oder ob er friedlich an der Seite der Erde aus dem Urnebel
gewachsen war. Andere glaubten an ein eingefangenes Objekt aus der
kosmischen Nachbarschaft – oder sogar an eine natürliche, nukleare
Explosion tief im Erdinneren nahe dem Erdkern. Schon in den 1940er
Jahren war dem kanadischen Geologen Reginald Daly aufgefallen, dass
die mittlere Dichte des Mondes recht genau der Dichte des
Erdmantels entspricht. Aber erst die astronautischen Mondlandungen
des Apollo-Programms und die Proben verschiedener Raumsonden
brachten ab 1969 Gewissheit: Erdmantel und Mond müssen aus dem
gleichen Urmaterial entstanden sein. Gleichzeitig besitzt der Mond
nur einen winzigen Eisenkern. Alles zusammen wirkte wie ein Sieb
für die diversen Modelle der Mondentstehung. Übrig blieb am Ende
nur der große Einschlag. Trotz der klaren Hinweise bleiben bis
heute einige Fragen offen. Zum Beispiel ist weiter unklar, warum
zwar der Fingerabdruck der Sauerstoff-Isotope in Erdmantel und Mond
sehr gut übereinstimmen – immerhin das häufigste Element von Erde
und Mond – aber einige Spurenstoffe teilweise radikal abweichen.
Dazu gehört der Anteil von Eisen und anderen Metallen, aber auch
von flüchtigen Stoffe wie Wasser oder Kohlendioxid. Herausfordernd
für die heutige Forschung ist vor allem das Wachstum des Mondes
direkt nach dem großen Einschlag, bei dem es ziemlich heiß
hergegangen sein muss.
Mehr
08.01.2026
1 Stunde 23 Minuten
Nicht viele Sterne können von sich behaupten, beinahe unser
Verständnis vom Universum kaputt gemacht zu haben – aber ein Stern
mit der Bezeichnung HD 140283 hätte es fast geschafft: Im Jahr 2000
schätzten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sein Alter auf
16 Milliarden Jahre. Und damit wäre dieser so unscheinbare Stern
älter als das Universum selbst Er liegt in rund 190 Lichtjahren
Entfernung im Sternbild Waage und ist von der Erde aus zwar nicht
mit dem bloßen Auge, aber doch immerhin schon mit einem Fernglas
sichtbar. Seinen Spitznamen als „Methusalem-Stern“ hat er sich
damit mehr als verdient. In den darauffolgenden Jahren korrigierten
neue Messungen und Studien dieses Alter glücklicherweise nach
unten. Inzwischen gilt HD 140283 zwar immer noch als alt, aber
nicht mehr als älter als das Universum selbst. Trotz seines stolzen
Alters ist eines wissenschaftlich sicher: Der Methusalem-Stern ist
keiner von den allerersten Sternen, die es in unserem Universum je
gegeben hat – doch auf die haben sie es abgesehen. Forschende
bezeichnen jene ersten Sterne im Universum auch als Sterne der
Population III. Es sind die Sterne, die nach dem Urknall als erstes
Licht ins Dunkel brachten. Damals, vor Milliarden von Jahren, gab
es im Universum vor allem Wasserstoff und Helium. Erst die ersten
Sterne haben jene massereicheren Elemente hergestellt, die wir
heute kennen und schätzen – und ohne die es uns nicht geben würde:
Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, und noch schwerere Elemente
bis hin zum Eisen. Somit ist zwar vollkommen klar, dass es diese
ersten Sterne gegeben haben muss. Und doch haben Forschende noch
nie einen solchen Stern beobachtet, trotz Jahrzehnten der
intensiven Suche. In dieser Folge erzählt Franzi von dieser Suche
nach den Sternen der Population III, die Licht ins Universum
gebracht haben – eine Suche, für die Forschende versuchen, mit dem
James Webb-Weltraumteleskop so weit in die Vergangenheit zu blicken
wie möglich. Aber auch unsere eigene Milchstraße bleibt ein
möglicher Fundort für die wahren Methusalem-Sterne.
Mehr
17.12.2025
1 Stunde 24 Minuten
In dieser Folge widmen sich Franzi und Karl dem Feedback zu den
letzten Geschichten im AstroGeo Podcast. Besonders schön war eine
E-Mail von einer österreichischen Alm, mit Milchstraße, Satelliten
und kindlichem Staunen über das „Mittendrinsein“ im Weltall. Danach
geht es zurück zu den Schwarzen Löchern und der Frage, warum eine
Astronautin am Ereignishorizont von außen so wirkt, als sei sie
eingefroren. Daneben geht es um Singularitäten, Gravitation und der
Frage, was wir wirklich „sehen“, wenn wir die neuen Bilder
Schwarzer Löcher betrachten. Ausführlich wird über den Mars
gesprochen: dessen dünne Atmosphäre, reale und mögliche Fluggeräte,
die chemische Zusammensetzung und historische Irrtümer. Zuletzt
geht es um die Besiedlung des Roten Planeten: Karl zweifelt am
vermeintlich wirtschaftlichen Geschäftsmodell von SpaceX, das
nebenbei diverse dramatische Folgen das Gemeinwohl auf der Erde
hat, darunter zunehmend mehr Aluminium in der Atmosphäre, ein
übervoller Erdorbit, das über Gebühr genutzte Frequenzspektrum oder
die „Bestreifung“ astronomischer Beobachtungen – und das sogar für
Weltraumteleskope wie Hubble. Es geht also um die fehlende
Nachhaltigkeit von SpaceX – aber noch mehr: Karl erzählt vom Buch
„A City on Mars“, das von der menschlichen Fortpflanzung jenseits
der Erde handelt, die bis heute zahlreiche biologische und damit
auch ethische Fragen aufwirft. Auch zu Franzis Folge über das Ende
des Universums gibt es Fragen: Es geht um Big Rip, Big Crunch, Big
Freeze oder ob der Urknall eigentlich durch die bekannten
Naturgesetze ausgelöst wurde. Es geht auch darum, ob im Podcast
abseitige wissenschaftliche Hypothesen vorgestellt werden sollten –
und wo Franzi und Karl ihre Rolle als Journalisten sehen – und wo
nicht. Bild vom Burger-Menü Karl beantwortet Fragen zu Sodom und
Gomorra und dem vermeintlichen Luftzerplatzer eines Meteoriten in
der Bronzezeit: Hörende erzählen vom real existierenden Peer Review
oder ihre Erfahrung mit Bibeltexten. Zuletzt geht es um Feuersteine
und Donnerkeile, eine besonders isländische Lieblingskarte aus dem
Kartenspiel Magic und wie man AstroGeo ganz ohne Feedbackfolgen
hören kann (über diesen Spezialfeed). Episodenbild: Public Domain:
John Martin (1852); ESO; NASA/JPL-Caltech/MSSS/Simeon Schmauß
Mehr
04.12.2025
1 Minute
Diese Folge ist ein Türchen der #WissPodWeihnacht: Des
Adventskalenders von Wissenschaftspodcasts.de. Alle Folgen des
Kalenders gibt es hier:
https://wissenschaftspodcasts.de/adventskalender2025/ Während der
Bronzezeit stand im Nordwesten des heutigen Jordaniens eine
mächtige Stadt: Dicke Stadtmauern, eine mehrstöckiger Palast und
ein 30 Meter hoher Wachturm sind nachgewiesen – doch diese Stadt
sollte untergehen. Wie genau sie zerstört wurde, darüber wurde in
den letzten Jahren ein wissenschaftlicher Disput geführt. Karl
erzählt in dieser Folge von der Ausgrabungsstelle Tell el-Hammam:
Der Ort liegt 14 Kilometer nordöstlich des Toten Meeres im
Jordantal. Hier siedelten Menschen schon zur Zeit der Römer, aber
auch lange davor, über Tausende von Jahren wurden dort Städte
aufgebaut und gingen wieder zugrunde. Im September 2021
veröffentlichte ein Team aus Archäologen, Geologen, Metallurgen und
Materialwissenschaftlern im Fachmagazin Scientific Reports eine
Studie, die zeigen sollte: Die Stadt sei in der Bronzezeit vor rund
3670 Jahren geradezu zertrümmert worden. Heiße Winde seien vom
Himmel über die Stadt gekommen, hätten vier Meter breite Lehmziegel
zerbröselt, Dachziegel geschmolzen und den Schutt samt dem Hausrat
ihrer Bewohner über ein großes Areal verteilt. Schuld daran seien
keine kriegerischen Auseinandersetzungen oder irdische
Naturkatastrophen gewesen - sondern ein Meteorit aus dem All der
über dem Toten Meer detoniert war und eine heiße Druckwelle
ausgesandt hatte. Die wissenschaftliche Arbeit korrespondiert mit
einer Erzählung aus dem Alten Testament, die bis heute
sprichwörtlich ist: Sodom und Gomorra mussten untergehen, weil der
biblische Gott dort unhaltbare Zustände vorfand. Aber war das
bronzezeitliche Tell el-Hammam wirklich eine Art Vorbild für das
Sodom aus dem Buch Genesis des Alten Testaments – und wie gut sind
die Argumente in der Studie? Sie waren überhaupt nicht gut, wie
sich kürzlich zeigte: Im April 2025 wurde die Studie von Scientific
Reports zurückgezogen. Externe Forschende hatten manipulierte
Fotos, falsch eingeordnete historische Vorbilder und Modelle
gefunden. Es lag klar wissenschaftliches Fehlverhalten vor, das den
Richtlinien des Journals widersprach. Aber was steckt dahinter?
Einen Hinweis geben die ursprünglichen Autoren selbst: Für die
Grabung in Jordanien hatte ein Teil des Teams Gelder gemeinsam mit
evangelikalen US-Gruppen gesammelt, die sich ihrerseits der
Unfehlbarkeit der christlichen heiligen Schriften verschrieben
haben. Es sind Vertreter des Kreationismus der alten Erde: Sie
erkennen zwar naturwissenschaftliche Erkenntnisse an, etwa das
Alter der Erde von 4,5 Milliarden Jahren. Doch gleichzeitig müssen
wissenschaftliche Erkenntnisse für sie kompatibel mit der Bibel
sein.
Mehr
Über diesen Podcast
Im AstroGeo Podcast erzählen sich die Wissenschaftsjournalisten
Franziskia Konitzer und Karl Urban regelmäßig Geschichten, die
ihnen entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens
eingeflüstert – oder die sie in den Tiefen und Untiefen des
Universums aufgestöbert haben. Es sind wahre Geschichten aus
Astronomie und Astrophysik, Geologie und Geowissenschaften.
Kommentare (0)