AstroGeo - Geschichten aus Astronomie und Geologie
Im AstroGeo Podcast erzählen sich die Wissenschaftsjournalisten Franziskia Konitzer und Karl Urban regelmäßig Geschichten, die ihnen entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert – oder die sie in den Tiefen und Untiefen des Universum...
Podcaster
Episoden
08.01.2026
1 Stunde 23 Minuten
Nicht viele Sterne können von sich behaupten, beinahe unser
Verständnis vom Universum kaputt gemacht zu haben – aber ein Stern
mit der Bezeichnung HD 140283 hätte es fast geschafft: Im Jahr 2000
schätzten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sein Alter auf
16 Milliarden Jahre. Und damit wäre dieser so unscheinbare Stern
älter als das Universum selbst Er liegt in rund 190 Lichtjahren
Entfernung im Sternbild Waage und ist von der Erde aus zwar nicht
mit dem bloßen Auge, aber doch immerhin schon mit einem Fernglas
sichtbar. Seinen Spitznamen als „Methusalem-Stern“ hat er sich
damit mehr als verdient. In den darauffolgenden Jahren korrigierten
neue Messungen und Studien dieses Alter glücklicherweise nach
unten. Inzwischen gilt HD 140283 zwar immer noch als alt, aber
nicht mehr als älter als das Universum selbst. Trotz seines stolzen
Alters ist eines wissenschaftlich sicher: Der Methusalem-Stern ist
keiner von den allerersten Sternen, die es in unserem Universum je
gegeben hat – doch auf die haben sie es abgesehen. Forschende
bezeichnen jene ersten Sterne im Universum auch als Sterne der
Population III. Es sind die Sterne, die nach dem Urknall als erstes
Licht ins Dunkel brachten. Damals, vor Milliarden von Jahren, gab
es im Universum vor allem Wasserstoff und Helium. Erst die ersten
Sterne haben jene massereicheren Elemente hergestellt, die wir
heute kennen und schätzen – und ohne die es uns nicht geben würde:
Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, und noch schwerere Elemente
bis hin zum Eisen. Somit ist zwar vollkommen klar, dass es diese
ersten Sterne gegeben haben muss. Und doch haben Forschende noch
nie einen solchen Stern beobachtet, trotz Jahrzehnten der
intensiven Suche. In dieser Folge erzählt Franzi von dieser Suche
nach den Sternen der Population III, die Licht ins Universum
gebracht haben – eine Suche, für die Forschende versuchen, mit dem
James Webb-Weltraumteleskop so weit in die Vergangenheit zu blicken
wie möglich. Aber auch unsere eigene Milchstraße bleibt ein
möglicher Fundort für die wahren Methusalem-Sterne.
Mehr
17.12.2025
1 Stunde 24 Minuten
In dieser Folge widmen sich Franzi und Karl dem Feedback zu den
letzten Geschichten im AstroGeo Podcast. Besonders schön war eine
E-Mail von einer österreichischen Alm, mit Milchstraße, Satelliten
und kindlichem Staunen über das „Mittendrinsein“ im Weltall. Danach
geht es zurück zu den Schwarzen Löchern und der Frage, warum eine
Astronautin am Ereignishorizont von außen so wirkt, als sei sie
eingefroren. Daneben geht es um Singularitäten, Gravitation und der
Frage, was wir wirklich „sehen“, wenn wir die neuen Bilder
Schwarzer Löcher betrachten. Ausführlich wird über den Mars
gesprochen: dessen dünne Atmosphäre, reale und mögliche Fluggeräte,
die chemische Zusammensetzung und historische Irrtümer. Zuletzt
geht es um die Besiedlung des Roten Planeten: Karl zweifelt am
vermeintlich wirtschaftlichen Geschäftsmodell von SpaceX, das
nebenbei diverse dramatische Folgen das Gemeinwohl auf der Erde
hat, darunter zunehmend mehr Aluminium in der Atmosphäre, ein
übervoller Erdorbit, das über Gebühr genutzte Frequenzspektrum oder
die „Bestreifung“ astronomischer Beobachtungen – und das sogar für
Weltraumteleskope wie Hubble. Es geht also um die fehlende
Nachhaltigkeit von SpaceX – aber noch mehr: Karl erzählt vom Buch
„A City on Mars“, das von der menschlichen Fortpflanzung jenseits
der Erde handelt, die bis heute zahlreiche biologische und damit
auch ethische Fragen aufwirft. Auch zu Franzis Folge über das Ende
des Universums gibt es Fragen: Es geht um Big Rip, Big Crunch, Big
Freeze oder ob der Urknall eigentlich durch die bekannten
Naturgesetze ausgelöst wurde. Es geht auch darum, ob im Podcast
abseitige wissenschaftliche Hypothesen vorgestellt werden sollten –
und wo Franzi und Karl ihre Rolle als Journalisten sehen – und wo
nicht. Bild vom Burger-Menü Karl beantwortet Fragen zu Sodom und
Gomorra und dem vermeintlichen Luftzerplatzer eines Meteoriten in
der Bronzezeit: Hörende erzählen vom real existierenden Peer Review
oder ihre Erfahrung mit Bibeltexten. Zuletzt geht es um Feuersteine
und Donnerkeile, eine besonders isländische Lieblingskarte aus dem
Kartenspiel Magic und wie man AstroGeo ganz ohne Feedbackfolgen
hören kann (über diesen Spezialfeed). Episodenbild: Public Domain:
John Martin (1852); ESO; NASA/JPL-Caltech/MSSS/Simeon Schmauß
Mehr
04.12.2025
1 Minute
Diese Folge ist ein Türchen der #WissPodWeihnacht: Des
Adventskalenders von Wissenschaftspodcasts.de. Alle Folgen des
Kalenders gibt es hier:
https://wissenschaftspodcasts.de/adventskalender2025/ Während der
Bronzezeit stand im Nordwesten des heutigen Jordaniens eine
mächtige Stadt: Dicke Stadtmauern, eine mehrstöckiger Palast und
ein 30 Meter hoher Wachturm sind nachgewiesen – doch diese Stadt
sollte untergehen. Wie genau sie zerstört wurde, darüber wurde in
den letzten Jahren ein wissenschaftlicher Disput geführt. Karl
erzählt in dieser Folge von der Ausgrabungsstelle Tell el-Hammam:
Der Ort liegt 14 Kilometer nordöstlich des Toten Meeres im
Jordantal. Hier siedelten Menschen schon zur Zeit der Römer, aber
auch lange davor, über Tausende von Jahren wurden dort Städte
aufgebaut und gingen wieder zugrunde. Im September 2021
veröffentlichte ein Team aus Archäologen, Geologen, Metallurgen und
Materialwissenschaftlern im Fachmagazin Scientific Reports eine
Studie, die zeigen sollte: Die Stadt sei in der Bronzezeit vor rund
3670 Jahren geradezu zertrümmert worden. Heiße Winde seien vom
Himmel über die Stadt gekommen, hätten vier Meter breite Lehmziegel
zerbröselt, Dachziegel geschmolzen und den Schutt samt dem Hausrat
ihrer Bewohner über ein großes Areal verteilt. Schuld daran seien
keine kriegerischen Auseinandersetzungen oder irdische
Naturkatastrophen gewesen - sondern ein Meteorit aus dem All der
über dem Toten Meer detoniert war und eine heiße Druckwelle
ausgesandt hatte. Die wissenschaftliche Arbeit korrespondiert mit
einer Erzählung aus dem Alten Testament, die bis heute
sprichwörtlich ist: Sodom und Gomorra mussten untergehen, weil der
biblische Gott dort unhaltbare Zustände vorfand. Aber war das
bronzezeitliche Tell el-Hammam wirklich eine Art Vorbild für das
Sodom aus dem Buch Genesis des Alten Testaments – und wie gut sind
die Argumente in der Studie? Sie waren überhaupt nicht gut, wie
sich kürzlich zeigte: Im April 2025 wurde die Studie von Scientific
Reports zurückgezogen. Externe Forschende hatten manipulierte
Fotos, falsch eingeordnete historische Vorbilder und Modelle
gefunden. Es lag klar wissenschaftliches Fehlverhalten vor, das den
Richtlinien des Journals widersprach. Aber was steckt dahinter?
Einen Hinweis geben die ursprünglichen Autoren selbst: Für die
Grabung in Jordanien hatte ein Teil des Teams Gelder gemeinsam mit
evangelikalen US-Gruppen gesammelt, die sich ihrerseits der
Unfehlbarkeit der christlichen heiligen Schriften verschrieben
haben. Es sind Vertreter des Kreationismus der alten Erde: Sie
erkennen zwar naturwissenschaftliche Erkenntnisse an, etwa das
Alter der Erde von 4,5 Milliarden Jahren. Doch gleichzeitig müssen
wissenschaftliche Erkenntnisse für sie kompatibel mit der Bibel
sein.
Mehr
19.11.2025
1 Stunde 18 Minuten
Zumindest darüber sind sich Forschende mehr oder weniger einig:
Unser Universum gibt es nicht schon seit ewigen Zeiten – sondern es
hat vor rund 13,8 Milliarden Jahren mit dem Urknall begonnen.
Seitdem dehnt sich das Universum aus, es wird immer größer und
kühlt sich immer weiter ab. Aber wie geht die Geschichte des
Universums eigentlich weiter, und vor allem: Wie hört diese
Geschichte auf? Wenn das Universum einen Anfang hat, sollte es dann
nicht auch ein Ende geben? Zur allseitigen Beruhigung sei
geschrieben, dass jegliche Enden des Universums in so unvorstellbar
weiter Zukunft liegen, dass sie keinerlei Auswirkungen auf das
Leben auf der Erde haben. Wir Menschen sind davon nicht betroffen.
Analog zum Begriff des Urknalls, auf Englisch „Big Bang“, werden
vor allem drei verschiedene potenzielle Schicksale für unser
Universum diskutiert: Da wäre der „Big Crunch“, bei dem das
Universum in einer Art kosmischer Symmetrie am Ende wieder in sich
zusammenstürzt – eine Art umgekehrter Urknall. Bei einem „Big Rip“
hingegen würde das genaue Gegenteil eintreten und das Universum
würde sich so schnell ausdehnen, dass es letztendlich zerreißt –
seinen gesamten Inhalt eingeschlossen. Der „Big Freeze“ hingegen
bezeichnet den Kältetod des Universums: Im expandierenden Universum
würden einfach nach und nach die Lichter ausgehen, Galaxien wären
in so weiter Ferne, dass jede Sterneninsel für sich allein durchs
All driftet und das Universum würde immer größer, kälter und leerer
werden. Bis irgendwann gar nichts mehr passiert – und auch nie
wieder passieren wird. In dieser Folge des AstroGeo-Podcasts
erzählt Franzi vom ultimativen Schicksal unseres Universums, was
mit ihm am Ende der Zeit passiert – und was die mysteriöse Dunkle
Energie damit zu tun hat, die derzeit dafür sorgt, dass sich das
Universum beschleunigt ausdehnt.
Mehr
05.11.2025
1 Stunde 13 Minuten
Am 15. Juli 1965 kommt es in den Räumen des Jet Propulsion
Laboratory der NASA in Kalifornien zu einem Showdown: Drei Männer
betrachten eine der ersten Aufnahmen der Marsoberfläche, welche die
Raumsonde Mariner 4 nur wenige Stunde zuvor beim Vorbeiflieg aus
der Nähe gemacht hatte. Ein Foto vom Mars – eigentlich ein
großartiger Erfolg für die Wissenschaft! Und doch war jene Aufnahme
eine riesige Enttäuschung – denn ein Bild sagt mehr als tausend
Worte, und jenes Bild der Marsoberfläche sagte den NASA-Vertretern:
Der Mars ist ganz anders als gedacht – und vor allem ist er kalt
und tot. Das Bild zeigte, dass es wohl kein weit verbreitetes Leben
auf dem Mars gibt, was vor allem mit seiner Atmosphäre
zusammenhängt. In dieser Folge erzählt Karl eine kleine Geschichte
der Mars-Atmosphäre. Die Astronomen der Antike sahen beim Mars
zunächst nicht mehr als einen rötlichen Wandelstern, der in
Schleifen übers Firmament läuft. Und während auch die ersten
Astronomen der Neuzeit nur wenige Details des Planeten in Erfahrung
bringen konnten, so waren sie doch überzeugt: Der Mars ist eine
belebte Welt, die der Erde ähneln sollte. Doch bis ins 20.
Jahrhundert hinein wussten Forscherinnen und Forscher lediglich:
Die Tage auf dem Mars sind vergleichbar lang wie auf der Erde (24
Stunden und 37 Minuten), der Planet besitzt vermutlich Polkappen
und Jahreszeiten. Der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli
hatte im 19. Jahrhunderte lange Linien beschrieben, die er canali
nannte und die folgende Generationen über die Möglichkeit einer
marsianischen Zivilisation spekulieren ließen. Doch die
Voraussetzung für solches Leben auf dem Mars wäre, dass diese
Außerirdischen Luft zum atmen hätten. Die Aufnahmen der NASA-Sonde
Mariner 4 aus dem Jahr 1965 bereitete all diesen Mutmaßungen ein
abruptes Ende: Auf ihnen erschien der Rote Planet als tote, kalte
und tiefgefrorene Welt mit einer extrem dünnen Atmosphäre. Dass in
der kaum vorhandenen Marsluft dennoch etwas passiert, wurde zwar
früh erkannt, war aber nie genauer untersucht worden. Marsianische
Wolken bestehen aus Eiskristallen und waren eher ein Störfaktor für
Kameras, die eigentlich Krater, Canyons oder Flusstäler der festen
Oberfläche fotografieren sollten. Erst 2018 gibt ein spanischer
Doktorand Anlass, die Marswolken genauer zu untersuchen. Jorge
Hérnandez-Bernal findet am Riesenvulkan Arsia Mons eine extrem
lange Wolke, die über die letzten Jahrzehnte immer zu einer
bestimmten Jahreszeit wiederkehrt. Diese Entdeckung von
Hérnandez-Bernal motivierte ein Team um Daniela Tirsch vom Institut
für Weltraumforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt genauer nachzusehen. Die europäische Raumsonde Mars
Express hatte seit 2003 tausende Bilder gemacht. Und damit gelang
etwas, was sich die NASA-Mitarbeitenden aus dem Jahr 1965 kaum
hätten vorstellen können: der allererste Wolkenatlas einer
außerirdischen Welt.
Mehr
Über diesen Podcast
Im AstroGeo Podcast erzählen sich die Wissenschaftsjournalisten
Franziskia Konitzer und Karl Urban regelmäßig Geschichten, die
ihnen entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens
eingeflüstert – oder die sie in den Tiefen und Untiefen des
Universums aufgestöbert haben. Es sind wahre Geschichten aus
Astronomie und Astrophysik, Geologie und Geowissenschaften.
Kommentare (0)