Folge 304: „Dem Diktator zuhören“ ‒ Hermann Rauschning und die gefährliche Nähe zu Hitler

Folge 304: „Dem Diktator zuhören“ ‒ Hermann Rauschning und die gefährliche Nähe zu Hitler

36 Minuten

Beschreibung

vor 1 Tag

Es gibt Bücher, die nicht durch literarische Eleganz oder
wissenschaftliche Präzision bestec­hen, sondern durch die
beklemmende Nähe, aus der heraus sie sprechen. „Gespräche mit
Hitler“ von Hermann Rauschning, 1939 veröffentlicht, ist ein
solches Werk. Es erhebt keinen Anspruch auf historische
Vollständigkeit oder archivalische Beweiskraft – und doch
fasziniert und verstört es bis heute.


Rauschning, ehemaliger politischer Mitstreiter Hitlers,
behauptet, den Diktator nicht nur beobachtet, sondern in privaten
Gesprächen erlebt zu haben. Sein Buch ist kein klassisches
Geschichtswerk, sondern ein intimes Zeugnis – ein Versuch, das
Denken eines der zerstörerischsten Menschen des 20. Jahrhunderts
jenseits von Propaganda und öffentlicher Inszenierung zu
verstehen. Doch genau diese Nähe wirft Fragen auf: Was bedeutet
es, Hitler zuzuhören? Wo liegt die Grenze zwischen historischem
Dokument und der Gefahr, das Böse durch bloße Reproduktion zu
normalisieren?


In dieser Podcast-Folge beleuchten wir Rauschnings Werk als
kulturelles Dokument einer Zeit, in der die Gewaltbereitschaft
des NS-Regimes bereits sichtbar war, ihre volle Dimension aber
noch nicht absehbar. Wir fragen: Wie entsteht das Bild eines
radikalisierten Ideologen, der Zerstörung nicht als Mittel,
sondern als Ziel begreift? Und was sagt uns das über die
Verantwortung des Zuhörers – damals wie heute?


Ein Podcast über die Macht der Worte, die Spannung zwischen Nähe
und Distanz, und die ethische Herausforderung, die jedes Zeugnis
über das Böse an uns stellt.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...
15
15