Podcaster
Episoden
27.02.2026
36 Minuten
Es gibt Bücher, die nicht durch literarische Eleganz oder
wissenschaftliche Präzision bestechen, sondern durch die
beklemmende Nähe, aus der heraus sie sprechen. „Gespräche mit
Hitler“ von Hermann Rauschning, 1939 veröffentlicht, ist ein
solches Werk. Es erhebt keinen Anspruch auf historische
Vollständigkeit oder archivalische Beweiskraft – und doch
fasziniert und verstört es bis heute.
Rauschning, ehemaliger politischer Mitstreiter Hitlers,
behauptet, den Diktator nicht nur beobachtet, sondern in privaten
Gesprächen erlebt zu haben. Sein Buch ist kein klassisches
Geschichtswerk, sondern ein intimes Zeugnis – ein Versuch, das
Denken eines der zerstörerischsten Menschen des 20. Jahrhunderts
jenseits von Propaganda und öffentlicher Inszenierung zu
verstehen. Doch genau diese Nähe wirft Fragen auf: Was bedeutet
es, Hitler zuzuhören? Wo liegt die Grenze zwischen historischem
Dokument und der Gefahr, das Böse durch bloße Reproduktion zu
normalisieren?
In dieser Podcast-Folge beleuchten wir Rauschnings Werk als
kulturelles Dokument einer Zeit, in der die Gewaltbereitschaft
des NS-Regimes bereits sichtbar war, ihre volle Dimension aber
noch nicht absehbar. Wir fragen: Wie entsteht das Bild eines
radikalisierten Ideologen, der Zerstörung nicht als Mittel,
sondern als Ziel begreift? Und was sagt uns das über die
Verantwortung des Zuhörers – damals wie heute?
Ein Podcast über die Macht der Worte, die Spannung zwischen Nähe
und Distanz, und die ethische Herausforderung, die jedes Zeugnis
über das Böse an uns stellt.
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20.02.2026
32 Minuten
Warum noch ein Roman über den Zweiten Weltkrieg? Christoph Fromm,
Autor des am 5. März erscheinenden Werks „Hitler – Prophet der
Finsternis“, spricht im Podcast über diese Frage. Wie nähert man
sich einer Figur wie Adolf Hitler literarisch an, ohne zu
verharmlosen oder ins Klischee abzurutschen? Fromm erzählt, was
ihn dazu bewegt hat, den Diktator nicht nur als Politiker,
sondern auch als Mystiker und Esoteriker zu porträtieren – eine
Perspektive, die Literatur und Geschichtswissenschaft bisher kaum
beleuchtet haben.
Im Gespräch geht es um historische Authentizität und die Balance
zwischen Fiktion und Realität: Wie schafft man es, fiktive
Charaktere so in das reale Geschehen einzubetten, dass sie
glaubwürdig wirken? Warum rückt ausgerechnet die Figur des Darda
ins Zentrum des Romans, und welche Rolle spielt die jüdische
Überlebende Lena Jost im Gefüge der Handlung? Fromm erklärt, wie
die ungewöhnliche Form seines Romans entstanden ist und welche
literarischen Vorbilder – von Kafka bis zur Gegenwart – ihn
inspiriert haben.
Doch der Roman wirft auch drängende Fragen auf: Darf Literatur
heute noch schonungslos sein? Wie gehen wir heute mit der
NS-Vergangenheit um, und welche Botschaften soll ein Buch wie
dieses bei den Leser:innen hinterlassen? Ein tiefgründiges,
kontroverses und vor allem sehr persönliches Gespräch über die
Macht der Literatur, die Verantwortung von Autor:innen und die
ewige Aktualität der Geschichte.
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13.02.2026
39 Minuten
Sein oder Nichtsein erzählt von Schauspielern, Verkleidungen und
wechselnden Identitäten. Von Menschen, die gezwungen sind, Rollen
anzunehmen, um zu überleben. Der Film bewegt sich konsequent im
Spannungsfeld zwischen Farce und Ernst: Er macht die Täter
lächerlich, ohne das Grauen auszublenden, und stellt seinem
Publikum eine bis heute unbequeme Frage – darf man über Nazis
lachen, und warum könnte dieses Lachen sogar notwendig sein?
Der Humor in Lubitschs Film ist dabei alles andere als harmlos.
Er wirkt nicht befreiend, sondern wie ein präzises, scharf
geschliffenes Werkzeug. Rhythmus, Timing und Andeutung spielen
eine zentrale Rolle; oft ist das Ungesagte ebenso bedeutend wie
das offen Ausgesprochene. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem
Film seine politische Schärfe.
Diese Episode blickt auf Sein oder Nichtsein nicht nur als
Kriegskomödie, sondern als Film über Identität als Spiel, über
Macht als Inszenierung und über die Frage, wie Kunst auf
politische Extreme reagieren kann. Besonders eindrücklich ist
dabei der historische Kontext: Lubitsch stellt seine provokante
Frage nicht aus sicherer Distanz, sondern mitten im Zweiten
Weltkrieg – zu einem Zeitpunkt, als Verfolgung, Deportation und
Gewalt längst Realität waren.
Das Lachen, das der Film erzeugt, bleibt daher fragil. Es
entsteht aus Spannung und Bedrohung und trägt stets die
Möglichkeit des Umschlags in sich. Genau darin liegt die
Provokation von Sein oder Nichtsein: Der Film fordert dazu auf,
Humor nicht als Flucht zu begreifen, sondern als bewusste Haltung
– und das eigene Lachen auf seine politische Bedeutung hin zu
befragen.
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06.02.2026
41 Minuten
Charlie Chaplin zählt zu den einflussreichsten Künstlern des 20.
Jahrhunderts. Für ihn war Komik niemals bloße Unterhaltung oder
Flucht aus der Realität, sondern ein Mittel, die Absurdität,
Brutalität und Ungerechtigkeit der Welt sichtbar zu machen – und
sie zugleich erträglich zu halten. Lachen bedeutete für Chaplin
keine Verharmlosung, sondern konnte entlarven, bloßstellen und
Machtstrukturen erschüttern.
Besonders deutlich wird diese Haltung in den 1930er- und frühen
1940er-Jahren. Während Chaplin in Hollywood zu einer globalen
Ikone wurde, stieg in Deutschland Adolf Hitler zur Macht auf –
ein Mann, dessen äußere Erscheinung und Gestik eine irritierende
Nähe zu Chaplins berühmter Leinwandfigur aufwiesen. Was zunächst
Anlass für Spott und Karikaturen bot, entwickelte sich mit dem
Fortschreiten der Geschichte zu einer beunruhigenden
Konstellation.
Beide waren Produkte derselben Epoche, einer Zeit, in der Film,
Fotografie und Massenmedien begannen, politische Realität zu
formen. Beide verstanden die Macht von Bildern, Gesten und
Inszenierung – doch sie nutzten sie für gegensätzliche Zwecke.
Während Chaplin das Lachen zur Humanisierung einsetzte und den
Einzelnen sichtbar machte, nutzte Hitler Inszenierung zur
Entmenschlichung und zur Mobilisierung von Hass und Gewalt.
Diese Episode erzählt keine bloße historische Kuriosität, sondern
stellt eine grundlegende Frage: Welche Verantwortung trägt Kunst
in Zeiten politischer Extreme? Und kann Satire dem absolut Bösen
etwas entgegensetzen – oder stößt sie an ihre Grenzen?
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30.01.2026
28 Minuten
Yukio Mishima gehört zu den schillerndsten und zugleich
widersprüchlichsten Figuren der japanischen Nachkriegszeit. Als
literarisches Ausnahmetalent schuf er Werke von großer
sprachlicher Schönheit, während er sich zugleich als radikaler
Nationalist öffentlich inszenierte – bis hin zu einem Tod, der
sein Bild bis heute prägt. Sein Leben war geprägt von einer
permanenten Spannung zwischen Kunst und Tat, zwischen
ästhetischer Vorstellungskraft und politischem Handeln. Von
frühen Erfolgen als Schriftsteller über eine nahezu obsessive
Beschäftigung mit Körperdisziplin bis hin zu seinem
ritualisierten Selbstmord nach einem gescheiterten Putschversuch
folgte Mishima unbeirrbar seiner Idee einer Einheit von Geist,
Körper und Nation.
Diese Folge zeichnet das Porträt eines Künstlers nach, der
Literatur und Leben bewusst miteinander verschmolz – und in
seinem Tod den letzten, radikalen Ausdruck seiner Ästhetik sah.
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Über diesen Podcast
Christoph Fromm, Autor des Historienromans ”Stalingrad - Die
Einsamkeit vor dem Sterben” spricht in diesem wöchentlichen Podcast
über Themen rund um das Dritte Reich: Idealismus, Fanatismus und
bedeutende Persönlichkeiten des Dritten Reiches, sowie die
schrecklichen Folgen des Krieges, die teils bis heute spürbar sind.
Bei Fragen oder Anregungen schreibt uns gerne auf Instagram
(@primero_verlag) oder per Mail an primero@primeroverlag.de. Helft
uns, den Podcast weiterhin für euch zu produzieren!
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