Takt & taktlos: American Nightmares
Hannah Schmidt und Axel Brüggemann debattieren die aktuellen Themen
der Klassik
40 Minuten
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 1 Woche
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Takt und Taktlos“
debattieren die Musikjournalisten Hanna Schmidt und Axel Brügemann
über die zunehmende Spannung zwischen Kunst und politischer
Realität. Im Zentrum der Diskussion stehen das kommende Lucerne
Festival, provokante Bühneninszenierungen sowie die schwindende
Unabhängigkeit des Kulturjournalismus. Für Aufsehen sorgt die
Entscheidung des neuen Intendanten des Lucerne Festivals, Sebastian
Nordmann, seine erste Saison unter das Motto „American Dreams“ zu
stellen. Die Podcaster kritisieren diese Wahl angesichts der
politischen Lage in den USA unter Donald Trump als „naiv“ und
potenziell nostalgisches „Wokewashing“. Besonders die Aussage
Nordmanns, das Thema nicht politisch diskutieren zu wollen, stößt
auf Unverständnis. Angesichts katastrophaler Bedingungen für die
freie Kunst in den USA sei ein unpolitischer Umgang mit dem
„amerikanischen Traum“ eine „sozialdarwinistische Lüge“. Die
Debatte beleuchtet zudem, wie die Realität die Kunst einholt. In
Hamburg feierte die Oper „Monsters Paradise“ von Olga Neuwirth und
Elfriede Jelinek Premiere, die einen Trump-ähnlichen Herrscher als
„Riesenbaby“ karikiert. Während Schmidt darin eine Kunst sieht, die
sich bereits in die Dystopie ergeben hat, diskutiert Brügemann über
die Plakativität solcher Werke. Noch drastischer verlief die
Premiere des Stücks „Katharina oder von der Schönheit Faschisten zu
töten“ am Schauspielhaus Bochum. Dort kam es zu Tumulten und
Handgreiflichkeiten, als Zuschauer versuchten, einen Schauspieler,
der einen 15-minütigen Faschisten-Monolog hielt, von der Bühne zu
zerren. Die Podcaster werten dies als Zeichen einer Gesellschaft,
in der die Grenze zwischen künstlerischer Rolle und Realität
verschwimmt, da das Bedürfnis nach antifaschistischem Widerstand im
Alltag kaum noch Ventile finde. Stille der Hochkultur und Krise des
Journalismus Brügemann kritisiert zudem die „Vakuumstille“ vieler
Klassikstars gegenüber autoritären Entwicklungen. Während
Rockgrößen wie Bruce Springsteen politisch Stellung bezögen,
herrsche in der Hochkultur oft eine Art „innere Emigration“ vor.
Parallel dazu wird die Prekarität des Klassikjournalismus
thematisiert. Es gebe eine problematische Vermischung von
unabhängiger Berichterstattung und bezahlter PR-Arbeit, da viele
Journalisten mittlerweile direkt auf der Gehaltsliste großer Häuser
oder Festivals stünden. Trotz der Abwanderung des Diskurses in
soziale Nischen und PR-getriebene Formate zeigen sich die Autoren
vorsichtig optimistisch, dass der kritische Diskurs in der „Nische“
überleben wird. [Hier den Newsletter von BackstageClassical
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debattieren die Musikjournalisten Hanna Schmidt und Axel Brügemann
über die zunehmende Spannung zwischen Kunst und politischer
Realität. Im Zentrum der Diskussion stehen das kommende Lucerne
Festival, provokante Bühneninszenierungen sowie die schwindende
Unabhängigkeit des Kulturjournalismus. Für Aufsehen sorgt die
Entscheidung des neuen Intendanten des Lucerne Festivals, Sebastian
Nordmann, seine erste Saison unter das Motto „American Dreams“ zu
stellen. Die Podcaster kritisieren diese Wahl angesichts der
politischen Lage in den USA unter Donald Trump als „naiv“ und
potenziell nostalgisches „Wokewashing“. Besonders die Aussage
Nordmanns, das Thema nicht politisch diskutieren zu wollen, stößt
auf Unverständnis. Angesichts katastrophaler Bedingungen für die
freie Kunst in den USA sei ein unpolitischer Umgang mit dem
„amerikanischen Traum“ eine „sozialdarwinistische Lüge“. Die
Debatte beleuchtet zudem, wie die Realität die Kunst einholt. In
Hamburg feierte die Oper „Monsters Paradise“ von Olga Neuwirth und
Elfriede Jelinek Premiere, die einen Trump-ähnlichen Herrscher als
„Riesenbaby“ karikiert. Während Schmidt darin eine Kunst sieht, die
sich bereits in die Dystopie ergeben hat, diskutiert Brügemann über
die Plakativität solcher Werke. Noch drastischer verlief die
Premiere des Stücks „Katharina oder von der Schönheit Faschisten zu
töten“ am Schauspielhaus Bochum. Dort kam es zu Tumulten und
Handgreiflichkeiten, als Zuschauer versuchten, einen Schauspieler,
der einen 15-minütigen Faschisten-Monolog hielt, von der Bühne zu
zerren. Die Podcaster werten dies als Zeichen einer Gesellschaft,
in der die Grenze zwischen künstlerischer Rolle und Realität
verschwimmt, da das Bedürfnis nach antifaschistischem Widerstand im
Alltag kaum noch Ventile finde. Stille der Hochkultur und Krise des
Journalismus Brügemann kritisiert zudem die „Vakuumstille“ vieler
Klassikstars gegenüber autoritären Entwicklungen. Während
Rockgrößen wie Bruce Springsteen politisch Stellung bezögen,
herrsche in der Hochkultur oft eine Art „innere Emigration“ vor.
Parallel dazu wird die Prekarität des Klassikjournalismus
thematisiert. Es gebe eine problematische Vermischung von
unabhängiger Berichterstattung und bezahlter PR-Arbeit, da viele
Journalisten mittlerweile direkt auf der Gehaltsliste großer Häuser
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