Guten Morgen, Oper der Zukunft!

Guten Morgen, Oper der Zukunft!

vor 2 Wochen
Axel Brüggemann im Gespräch mit führenden Intendanten
31 Minuten
Podcast
Podcaster

Beschreibung

vor 2 Wochen
Die deutsche Opernlandschaft ringt nach neuen Modellen für die
Zukunft. Während einige Häuser Rekordauslastungen melden, kämpfen
andere mit maroder Bausubstanz, schrumpfenden Budgets und
Legitimationskrisen. Führende Intendanten wie Viktor Schoner,
Tobias Kratzer, Matthias Schulz oder Serge Dorny und Stefan Herheim
debattieren im Podcast von BackstageClassical die Neuausrichtung
des Genres – weg von der Von der »Bedeutungsbesoffenheit« hin zu
mehr gesellschaftlicher Relevanz. Die Bayerische Staatsoper in
München verzeichnet unter Serge Dorny eine Auslastung von 99
Prozent. Im Kontrast dazu zwingen leere Stadtkassen in Berlin und
Leipzig zu Einschnitten. Tarifsteigerungen und explodierende
Energiekosten verschärfen die Lage und werfen die Frage auf, wozu
die Gesellschaft in digitalen Krisenzeiten noch opulente
Opernmaschinerien brauche. Matthias Schulz, ehemals Intendant der
Berliner Staatsoper, nun am Opernhaus Zürich, denkt, dass alte
Selbstverständlichkeiten vorbei sind. »Die Budgets der Häuser
stehen sehr unter Druck«, sagte er, man müsse »sehr handfest
erklären, warum es uns braucht« und dürfe nicht
»bedeutungsbesoffen« agieren. Während in Berlin grundsätzlich
debattiert würde, herrsche in Zürich noch ein »extrem hoher
Konsens« über kulturelle Ankerpunkte. Milliardengrab oder
Standortfaktor?
Viele Nachkriegsbauten zerfallen; in Stuttgart wird
die Sanierung auf zwei Milliarden Euro kalkuliert. Intendant Viktor
Schoner verteidigt das: Ȇber Schloss Neuschwanstein diskutiert ja
auch keiner, ob man das renovieren oder erhalten soll.« Die Oper
sei ein Standortfaktor für Talente bei Bosch, Mercedes oder Allianz
und ein »Identifikationsort in der Downtown-Situation einer
bürgerlichen Stadt«. Vom „Krawalltheater“ zur Umarmung
Tobias
Kratzer, Intendant der Hamburgischen Staatsoper, denkt Oper
ganzheitlich – von Garderobe bis Pausensnack. »In dem Moment, wo
ich jetzt vom Regisseur zum Intendanten gewechselt bin, denke ich
diese Aspekte adäquat mit«, sagte er. »Die Zeiten des Krawalls um
des Krawalls willen sind vorbei«; das Publikum suche »Umarmung,
Trost und das Menschliche«. Schoner betont Provokantes wie Sancta
von Florentina Holzinger: »Wir müssen raus aus unserer Bubble und
gleichzeitig für Qualität und [...] L’art pour l’art kämpfen«.
Strukturelle Fesseln
Stefan Herheim am Theater an der Wien
kritisiert starre Abläufe: Das System ersticke die Kunst. Er
fordert Leidenschaft und künstlerisches Handeln sowie eine »größere
demokratische Idee für Oper als gemeinsames Projekt«. Nachwuchs und
Marketing
Aviel Cahn, designierter Intendant der Deutschen Oper
Berlin, sieht Bildungspflichten: »Früher gab es Lehrer und Schulen,
die das von selber konnten. Heute müssen wir das für die Schulen
machen.« Mehr Marketing sei nötig: »Man muss auch viel mehr ins
Marketing investieren, in die Kommunikation als früher.«
Zukunftsvision
Serge Dorny und Schulz setzen auf Ensembles mit
Stars wie Jonas Kaufmann als Identifikationsfiguren. Die Häuser
müssen sich als regionale Diskussionsorte behaupten. Der Vorhang
zur Zukunft der Oper sei erst aufgegangen, hieß es. [Hier den
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