Podcaster
Episoden
26.02.2026
40 Minuten
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Takt und Taktlos“
debattieren die Musikjournalisten Hanna Schmidt und Axel Brügemann
über die zunehmende Spannung zwischen Kunst und politischer
Realität. Im Zentrum der Diskussion stehen das kommende Lucerne
Festival, provokante Bühneninszenierungen sowie die schwindende
Unabhängigkeit des Kulturjournalismus. Für Aufsehen sorgt die
Entscheidung des neuen Intendanten des Lucerne Festivals, Sebastian
Nordmann, seine erste Saison unter das Motto „American Dreams“ zu
stellen. Die Podcaster kritisieren diese Wahl angesichts der
politischen Lage in den USA unter Donald Trump als „naiv“ und
potenziell nostalgisches „Wokewashing“. Besonders die Aussage
Nordmanns, das Thema nicht politisch diskutieren zu wollen, stößt
auf Unverständnis. Angesichts katastrophaler Bedingungen für die
freie Kunst in den USA sei ein unpolitischer Umgang mit dem
„amerikanischen Traum“ eine „sozialdarwinistische Lüge“. Die
Debatte beleuchtet zudem, wie die Realität die Kunst einholt. In
Hamburg feierte die Oper „Monsters Paradise“ von Olga Neuwirth und
Elfriede Jelinek Premiere, die einen Trump-ähnlichen Herrscher als
„Riesenbaby“ karikiert. Während Schmidt darin eine Kunst sieht, die
sich bereits in die Dystopie ergeben hat, diskutiert Brügemann über
die Plakativität solcher Werke. Noch drastischer verlief die
Premiere des Stücks „Katharina oder von der Schönheit Faschisten zu
töten“ am Schauspielhaus Bochum. Dort kam es zu Tumulten und
Handgreiflichkeiten, als Zuschauer versuchten, einen Schauspieler,
der einen 15-minütigen Faschisten-Monolog hielt, von der Bühne zu
zerren. Die Podcaster werten dies als Zeichen einer Gesellschaft,
in der die Grenze zwischen künstlerischer Rolle und Realität
verschwimmt, da das Bedürfnis nach antifaschistischem Widerstand im
Alltag kaum noch Ventile finde. Stille der Hochkultur und Krise des
Journalismus Brügemann kritisiert zudem die „Vakuumstille“ vieler
Klassikstars gegenüber autoritären Entwicklungen. Während
Rockgrößen wie Bruce Springsteen politisch Stellung bezögen,
herrsche in der Hochkultur oft eine Art „innere Emigration“ vor.
Parallel dazu wird die Prekarität des Klassikjournalismus
thematisiert. Es gebe eine problematische Vermischung von
unabhängiger Berichterstattung und bezahlter PR-Arbeit, da viele
Journalisten mittlerweile direkt auf der Gehaltsliste großer Häuser
oder Festivals stünden. Trotz der Abwanderung des Diskurses in
soziale Nischen und PR-getriebene Formate zeigen sich die Autoren
vorsichtig optimistisch, dass der kritische Diskurs in der „Nische“
überleben wird. [Hier den Newsletter von BackstageClassical
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12.02.2026
47 Minuten
Muss das Bild des Dirigenten Herbert von Karajan als Profiteur und
überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus revidiert werden? Im
aktuellen Podcast von BackstageClassical stellt der Historiker
Michael Wolffsohn sein neues Buch Genie und Gewissen vor, in dem er
Karajans Vergangenheit auf Basis neuer Archivfunde neu bewertet.
Wolffsohn kommt zu dem Schluss, dass Karajan zwar ein
»Formal-Nazi«, aber kein Gesinnungstäter gewesen sei. [Hier den
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05.02.2026
30 Minuten
Der deutsche Dirigent Alexander Liebreich wird neuer Chefdirigent
in Taipeh, in einer Stadt, die angesichts der Spannungen mit China
politisch im Fokus steht. Im Podcast-Gespräch mit
BackstageClassical äußert sich Liebreich kritisch zur deutschen
Kultur- und Bildungspolitik sowie zur internationalen Lage im
Musikbetrieb. Liebreich bemängelt den geringen Stellenwert der
Musikvermittlung in Deutschland. Im deutschen Bildungssystem fehle
ein »Selbstverständnis« für klassische Kultur, sagt er. Während
Musikunterricht in Ländern wie Polen oder in Asien
selbstverständlich sei, fällt er hierzulande häufig aus. Als
Beispiel nennt Liebreich ein Münchner Gymnasium, an dem Musik
zugunsten von Mathematik gekürzt wird. Die geplante Einführung
einer neuen Musikpädagogik-Kategorie beim Opus Klassik begrüßt er
grundsätzlich, warnt aber vor oberflächlichem
»Vermittlungsbranding«. Zur Situation bei den Salzburger
Festspielen, wo Intendant Markus Hinterhäuser zuletzt in die Kritik
geriet, vermutet Liebreich Kommunikationsprobleme. Nach langer Zeit
in Führungspositionen bestehe die Gefahr, Entscheidungen nicht mehr
ausreichend zu erläutern. Nach seinen Erfahrungen ist eine Amtszeit
von sieben bis acht Jahren oft eine kritische Grenze im
Kulturbetrieb. Mit Blick auf seine neue Aufgabe in Taiwan zeigt
sich Liebreich optimistisch. Taipeh sei ein moderner Kulturstandort
mit jungem Publikum und ehrgeizigen Projekten wie der geplanten
neuen Concert Hall, die 2028 fertiggestellt werden soll. Zugleich
spricht er über die unterschiedlichen kulturellen Rollen Chinas und
Russlands: Während Auftritte russischer Künstler in Europa derzeit
politisch heikel sind, treten westliche Spitzenorchester in China
weiterhin selbstverständlich auf. Auftritte in Russland lehnt
Liebreich derzeit ab, um keine falschen Signale zu senden. [Hier
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29.01.2026
30 Minuten
Die israelische Sopranistin Chen Reiss äußert sich im Podcast von
BackstageClassical besorgt über die weltpolitische Lage und die
zunehmende Politisierung der Kultur. In dem Gespräch mit Axel
Brüggemann zieht sie eine klare Trennung zwischen ihrer
persönlichen politischen Haltung und der Verantwortung von
Künstlern, hebt Deutschland als sicheren Zufluchtsort hervor und
kritisiert den Trend zu Konzertabsagen aus politischen Gründen.
Blick auf die Situation von Juden in Europa
Reiss bezeichnet die
aktuelle Ära als eine »absolut schreckliche Zeit«, die sich für sie
»wie das Ende der Welt« anfühlt. Als Jüdin ist sie durch die
Holocaust-Erzählungen ihrer Großeltern noch immer traumatisiert;
die Geschichte ist für sie durch Dokumente über in Auschwitz
ermordete Verwandte sehr real. Mit Blick auf die Gegenwart betont
sie jedoch: »Deutschland ist heutzutage der sicherste Ort für
Juden.« Scharfe Kritik übt Reiss an internationalen Institutionen
wie der UN und der BBC, die ihrer Ansicht nach die jüdische
Identität der Opfer des Holocaust verschleiern. Wenn die BBC
lediglich von sechs Millionen Menschen spricht, ohne zu erwähnen,
dass es sich um Juden handelt, sei man »einen Schritt davon
entfernt zu leugnen, dass Juden im Holocaust ermordet wurden«.
Reaktion auf die Israel-Absage von Zubin Mehta
Zur Entscheidung des
Dirigenten Zubin Mehta, aufgrund der israelischen Politik gegenüber
Gaza vorerst nicht nach Israel zurückzukehren, zeigt sich Reiss
zwiegespalten. Sie betont ihre Bewunderung für Mehta, erklärt
jedoch, dass sie selbst Benjamin Netanjahu nicht gewählt hat und
dessen Politik nicht unterstützt. Dennoch hinterfragt sie die
Wirkung solcher Boykotte: »Wen bestrafen wir eigentlich?«
Politische Führer würden sich nicht dafür interessieren, ob ein
klassischer Musiker auftritt oder nicht. Leidtragende seien das
Publikum und die Orchestermusiker. Reiss äußert den Wunsch, dass
Mehta nach Israel zurückkehrt, da er der Öffentlichkeit »so viele
Jahre Trost gespendet« hat: »Bitte, bitte, Zubin komm zurück, wir
brauchen Dich!« Blick auf Donald Trump und die USA
In Bezug auf die
USA und die Sorge vor einer politischen Vereinnahmung von
Kulturinstitutionen durch Donald Trump zeigt Reiss Verständnis für
Künstler wie Philip Glass, die ihre Werke von bestimmten Bühnen
zurückziehen. Sie warnt davor, dass die Politik »jeden Winkel des
kulturellen Lebens dominiert«. Dennoch will sie weiterhin in
Amerika auftreten, um »das Licht zu bringen« und Solidarität mit
jenen zu zeigen, die sich der Politik widersetzen. »Ich stehe dafür
ein, nicht auf Bühnen von Institutionen aufzutreten, deren Werte
nicht mit den eigenen übereinstimmen«, so Reiss. Sie verweist dabei
auf ein eigenes Beispiel aus Gent, wo sie einen Auftritt absagt,
nachdem die dortigen Institutionen ankündigen, israelische Künstler
nur unter der Bedingung einer Distanzierung vom Netanjahu-Regime
auftreten zu lassen. [Hier den Newsletter von BackstageClassical
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22.01.2026
37 Minuten
Gemeinsam mit dem Intendanten der Tonhalle Düsseldorf, Michael
Becker, bespricht Axel Brüggemann die aktuelle Situation der
Klassik: Von der Absage der Mannheimer Philharmoniker an Vadim
Repin bis zu den Plänen von SWR-Intendant Kai Gniffke, an der
Deutschen Radio Philharmonie zu sparen. Aber es geht natürlich auch
um den Aufbruchsgeist bei den Düsseldorfer Symphonikern, um den
Vorzeige-Dirigenten Adam Fischer, um rasante Abo-Steigerungen und
um ein herausforderndes Programm, das beim Publikum ankommt. Die
beiden sprechen außerdem über den 100. Geburtstag des einzigartigen
Konzerthauses, das einst ein Planetarium war. Und zum Geburtstag
seiner Tonhalle wünscht Becker sich eine Renovierung seines
»Klangraumes«. Ach ja, um die Deutsche Bahn und ihre Verspätungen
geht es natürlich auch! Im Podcast von BackstageClassical erklärt
Becker, dass gerade Radioorchester in den aktuellen Debatten
Antworten auf Ihre eigene Sinnhaftigkeit geben müssten. Er kehrt
begeistert von eine China-Tournee zurück und glaubt fest daran,
dass das Abonnement in der deutschen Kulturlandschaft eine Zukunft
hat. Außerdem erklärt Becker, wie man in Düsseldorf ein Programm
für alle Altersgruppen auf die Beine stellt. [Hier den Newsletter
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Über diesen Podcast
Der Podcast von BackstageClassical.com – Der Musikjournalist Axel
Brüggemann trifft in unregelmäßigen Abständen die Player der
klassischen Musik und redet, kurz oder lang, über Themen, die die
Welt der Musik bewegen: Oper, Konzert und Bühne.
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