Minderjährige - Schutzlos im Netz?

Minderjährige - Schutzlos im Netz?

Mit Maria Christina Rost, Holger Bleich und Joerg Heidrich
1 Stunde 13 Minuten

Beschreibung

vor 2 Wochen
In Episode 153 der Auslegungssache sprechen Redakteur Holger Bleich
und heise-Justiziar Joerg Heidrich mit Maria Christina Rost, seit
2024 Landesbeauftragte für den Datenschutz in Sachsen-Anhalt, über
die wachsenden Risiken für Minderjährige im Netz. Rost hat das
Thema Kinderdatenschutz zu einem ihrer inhaltichen Schwerpunkte
gemacht. Im Zentrum der Diskussion in der Episode steht die
rechtliche und praktische Schutzlücke bei Umgang mit
Minderjährigen. Zwar sieht die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
in Deutschland vor, dass Kinder erst ab 16 Jahren wirksam selbst in
die Verarbeitung ihrer Daten einwilligen können. Große
Social-Media-Plattformen erlauben die Anmeldung jedoch oft schon ab
13 Jahren, basierend auf der Gesetzeslage in den USA. Diese
Diskrepanz führt dazu, dass unzählige Kinder und Jugendliche die
Dienste nutzen, ohne dass die in Deutschland geforderte Zustimmung
der Eltern eingeholt wird – ein Zustand, den die Aufsichtsbehörden
bisher kaum ahnden. Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs sind die
technischen Lösungen zur Altersverifikation. Die EU arbeitet an
einer digitalen Brieftasche (Wallet), die eine datensparsame
Altersbestätigung ermöglichen soll, allerdings nur für streng
reglementierte Angebote wie Glücksspiel, harte Pornografie und
Alkoholverkauf. Zur Altersaverfikation von Social-Media-Plattformen
genügen nach Ansicht der EU-Kommission Methoden, die auf
biometrischen KI-Analysen von Webcam-Gesichtsaufnahmen beruhen.
Rost äußert sich dazu eher skeptisch, da diese neue
Datenschutzrisiken schaffen. Bleich betont, dass technischer
Jugendschutz allein ohnehin nicht reicht. Er verweist auf die
EU-Kommission, die TikTok in einem vorläufigen Bericht
suchtfördernde Mechanismen wie Endlos-Scrollen und Autoplay
attestiert hat. Die Plattformen sammelten riesige Datenmengen von
Minderjährigen, profilierten und verwerteten sie weitgehend
unbehelligt. Hier müsse härter reguliert und vor allem schneller
durchgesetzt werden, fordert er. Rost setzt eher auf Prävention und
Medienkompetenz. In Sachsen-Anhalt hat sie gemeinsam mit dem
Lehrerfortbildungsinstitut einen ersten Datenschutz-Tag für
Lehrkräfte und Schulämter organisiert. Ihr Ziel: ein
"Datenführerschein" für Grundschulkinder, vergleichbar mit dem
Fahrradführerschein der Verkehrswacht. Ziel sei es, Datenschutz als
selbstverständlichen Teil der digitalen Bildung zu etablieren. Am
Ende formuliert Rost ihren Wunsch an die Datenschutzfee: eine
gemeinsame Plattform von Datenschutzbehörden und Medienanstalten,
die vorhandene Angebote bündelt und einen praxistauglichen
Führerschein für den digitalen Alltag entwickelt. Gleichzeitig
müsse die Aufsicht über die Plattformen spürbar verschärft werden.
Das Fazit der Runde: Medienkompetenz, technischer Schutz und
konsequente Regulierung müssen zusammenwirken – einzeln reicht
keiner dieser Ansätze aus.

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