Beschreibung

vor 5 Tagen

Prof. Johannes Griss und ich besprechen Haarausfall, der weit
mehr als nur ein kosmetisches Ärgernis ist. Er rührt an den Kern
des subjektiven Gesundheitsempfindens, wie eine
Studie zeigt, in der 46 % der befragten Krebspatientinnen den
Haarverlust als traumatischer empfanden als ihre Mastektomie.


Dank der modernen Trichoskopie, die heute als
Goldstandard der Diagnostik gilt und die klassische Histologie
oft übertrifft, lassen sich Erkrankungen wie die Alopecia
Areata oder vernarbende Formen wie der Lichen
Planopilaris meist unkompliziert identifizieren. Ob
„Ausrufezeichenhaare“ bei Autoimmunprozessen oder variierende
Haardurchmesser bei der androgenetischen Alopezie, die Kopfhaut
verrät unter der Lupe oft mehr als eine Biopsie.


Dabei ist die funktionelle Rolle von Haaren, etwa der Schutz der
Augen durch Wimpern und Brauen vor Staub und Infektionen,
medizinisch hochrelevant und darf bei der Anamnese nicht
unterschätzt werden.


In der Therapie weht ein frischer Wind: Während das telogene
Effluvium nach Stressereignissen wie einer Covid-Infektion von
selbst wieder nachwächst, bieten bei schweren Fällen von Alopecia
Areata moderne JAK-Inhibitoren völlig neue
Perspektiven mit Ansprechraten von rund 40 bis 60 %. Doch
High-Tech ist nicht alles; auch „Oldies“ wie
Low-Dose-Minoxidil oder Metotrexat zeigen in der
Praxis beeindruckende Erfolge bei deutlich geringeren Kosten.


Am Anfang steht jedoch immer das Shared Decision
Making, denn da Haarausfall keinen zwingenden
medizinischen Behandlungsbedarf hat, muss jede Therapie
individuell auf den Leidensdruck und die Lebensplanung der
Patienten abgestimmt werden.


Weitere Folgen unter: www.wayfinder.at oder www.DermaTV.at

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