Podcaster
Episoden
19.02.2026
1 Stunde 4 Minuten
Prof. Johannes Griss und ich besprechen Haarausfall, der weit
mehr als nur ein kosmetisches Ärgernis ist. Er rührt an den Kern
des subjektiven Gesundheitsempfindens, wie eine
Studie zeigt, in der 46 % der befragten Krebspatientinnen den
Haarverlust als traumatischer empfanden als ihre Mastektomie.
Dank der modernen Trichoskopie, die heute als
Goldstandard der Diagnostik gilt und die klassische Histologie
oft übertrifft, lassen sich Erkrankungen wie die Alopecia
Areata oder vernarbende Formen wie der Lichen
Planopilaris meist unkompliziert identifizieren. Ob
„Ausrufezeichenhaare“ bei Autoimmunprozessen oder variierende
Haardurchmesser bei der androgenetischen Alopezie, die Kopfhaut
verrät unter der Lupe oft mehr als eine Biopsie.
Dabei ist die funktionelle Rolle von Haaren, etwa der Schutz der
Augen durch Wimpern und Brauen vor Staub und Infektionen,
medizinisch hochrelevant und darf bei der Anamnese nicht
unterschätzt werden.
In der Therapie weht ein frischer Wind: Während das telogene
Effluvium nach Stressereignissen wie einer Covid-Infektion von
selbst wieder nachwächst, bieten bei schweren Fällen von Alopecia
Areata moderne JAK-Inhibitoren völlig neue
Perspektiven mit Ansprechraten von rund 40 bis 60 %. Doch
High-Tech ist nicht alles; auch „Oldies“ wie
Low-Dose-Minoxidil oder Metotrexat zeigen in der
Praxis beeindruckende Erfolge bei deutlich geringeren Kosten.
Am Anfang steht jedoch immer das Shared Decision
Making, denn da Haarausfall keinen zwingenden
medizinischen Behandlungsbedarf hat, muss jede Therapie
individuell auf den Leidensdruck und die Lebensplanung der
Patienten abgestimmt werden.
Weitere Folgen unter: www.wayfinder.at oder www.DermaTV.at
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29.01.2026
47 Minuten
Das humane Papillomvirus: Ein omnipräsenter
Überlebenskünstler
Das humane Papillomvirus (HPV) ist ein hüllenloses
Doppelstrang-DNA-Virus, das im Tierreich weit verbreitet ist,
wobei die humanen Typen ausschließlich von Mensch zu Mensch
übertragen werden. Es gilt als omnipräsent, da nahezu jeder
Mensch Träger dieser Viren ist, die sich in den Haarfollikeln
oder im Genitalbereich ansiedeln. Trotz seiner einfachen Struktur
ist das Virus extrem resistent gegenüber Umwelteinflüssen und
kann sogar in Schwimmbecken oder auf öffentlichen Toiletten
überdauern.
Pathogenese und Onkogenität
Die einzige Zielzelle des Virus ist der Keratinozyt. Über
kleinste Mikrorisse in der Haut oder Schleimhaut gelangt das
Virus in die Basalmembran, wo es sich teilende Zellen für seine
eigene Replikation nutzt. Von den über 200 bekannten Typen werden
klinisch insbesondere die kutane von der Schleimhaut-assoziierten
Gruppe sowie benigne von onkogenen Typen unterschieden.
Besondere medizinische Relevanz haben die Hochrisiko-Typen wie
HPV 16, das in über 50 % der Zervixkarzinome nachgewiesen wird.
Die virale Onkogenität beruht auf den Proteinen E6 und E7, die in
das Wirtsgenom integrieren und die Zellzykluskontrolle (unter
anderem über P53) stören. Neben dem Gebärmutterhalskrebs ist HPV
ursächlich für eine Vielzahl anderer Tumoren, darunter Anal-,
Vulva-, Penis- und Kopf-Hals-Karzinome.
Diagnostik und Therapie
Während die klinische Diagnose von Warzen oder Kondylomen meist
eindeutig ist, bietet die PCR-Typisierung eine hochsensible
Methode zum Nachweis onkogener Typen, sollte jedoch gezielt
eingesetzt werden, um unnötige Verunsicherung bei Patienten ohne
klinischen Befund zu vermeiden.
In der Therapie gibt es neben destruktiven Verfahren
(Kryotherapie, Laser) einen innovativen Ansatz mittels
Grüntee-Extrakt (Polyphenone/Katechine). Dieser Wirkstoff ist
hocheffizient, da er mehrere Schritte der viralen Infektion und
Replikation unterbindet sowie den programmierten Zelltod
(Apoptose) infizierter Zellen fördert, wobei er nahezu keine
Nebenwirkungen zeigt. Bei gewöhnlichen Hautwarzen, insbesondere
bei Kindern, ist aufgrund der hohen Spontanheilungsrate oft eine
zurückhaltende Strategie („First do no harm“) ratsam.
Prävention
Die Impfung gegen den Krebs Die prophylaktische 9-fach-Impfung
gilt als entscheidender Durchbruch, da sie effektiv vor den
wichtigsten onkogenen Typen sowie vor Kondylomen schützt. Länder
wie Australien demonstrieren, dass eine flächendeckende Impfung
von Mädchen und Jungen die Rate an Zervixkarzinomen und
Genitalwarzen massiv senken kann. Professor Stockfleth betont
abschließend die Bedeutung der klinischen Sorgfalt: Da viele
Patienten sich „schmutzig“ fühlen, ist eine offene Kommunikation
und gründliche körperliche Untersuchung („Durch die Hose stellt
man keine Diagnose“) unerlässlich, um die Erkrankung zu
entmystifizieren.
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16.01.2026
1 Stunde 1 Minute
Interdisziplinäre Insights: Dermatologie und Rheumatologie im
DialogIn dieser Episode der Rheumatologe Prof. Kurt Redlich,
Leiter des Zentrums für Diagnostik und Therapie rheumatischer
Erkrankungen in Hietzing zum Gespräch beim Auflicht Podcast.
Wir diskutieren über die Überschneidungen und Zusammenarbeit
zwischen Dermatologie und Rheumatologie. Die Diskussion umfasst
unter anderem den Einsatz von bildgebenden Verfahren, Ultraschall
und verschiedene Diagnostikmethoden. Zudem werden aktuelle und
zukünftige Therapien, einschließlich Biologika und
JAK-Inhibitoren, sowie Red Flags für Überweisungen besprochen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Bedeutung der klinischen
Einschätzung und der interdisziplinären Zusammenarbeit zum Wohle
der Patienten.01:03 The Intersection of Dermatology and
Rheumatology03:04 Challenging Cases in Rheumatology12:20 The
Evolution of Psoriasis Treatment22:58 Advancements in Lupus
Therapy29:00 Future Directions in Rheumatology30:09 Introduction
to Tissue Resident Cells30:55 CAR-T Cell Therapies and Bivalent
Antibodies31:34 Case Study: Systemic Sclerosis Treatment33:06
Early Signs and Diagnosis of Systemic Sclerosis34:31 Diagnostic
Techniques in Rheumatology38:32 The Role of Imaging in Diagnosing
Rheumatic Diseases45:09 Ultrasound in Rheumatology49:23 JAK
Inhibitors in Rheumatoid Arthritis52:31 Red Flags and When to
Refer to a Rheumatologist57:07 Final Thoughts and Key Takeaways
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16.12.2025
50 Minuten
Dr. Christine Bangert im Interview zur Atopischen
Dermatitis (AD), in der Umgangssprache oft als
Neurodermitis bezeichnet. Die AD ist eine
chronisch-rezidivierende entzündliche Hauterkrankung, deren
Existenz bereits vor 2500 Jahren von Hippokrates beschrieben
wurde. Die Diagnose erfolgt klinisch anhand der Hanifin und Rajka
Kriterien, wobei der starke Juckreiz (Pruritus)
eines der Hauptkriterien darstellt. Die Ekzeme zeigen sich in
altersabhängiger Verteilung, wobei sie bei älteren Kindern
typischerweise in den großen Beugen (Kniekehlen, Ellenbeugen)
auftreten, während Erwachsene sie eher an Hals, Kopf oder Händen
entwickeln.
Pathophysiologisch ist die AD eine multifaktorielle Erkrankung,
die auf drei zentralen Säulen beruht: einer gestörten
Hautbarriere (Epidermis), einer Verschiebung der
Immunlage hin zur Typ-2-Immunität, und einer
Dysbiose des Mikrobioms. Diese Barrierestörung
wird bei vielen Patienten durch strukturelle Proteinmängel wie
die Filaggrinmutation begünstigt, wodurch Allergene und Mikroben
leichter eindringen und die Entzündung weiter anheizen können.
Die systemische Th2-Entzündung ist oft mit weiteren atopischen
Erkrankungen wie Asthma, allergischer Rhinitis oder
Nahrungsmittelallergien assoziiert.
Immunologisch stehen die Zytokine Interleukin-13 (IL-13) und
Interleukin-4 (IL-4) im Zentrum der Typ-2-Immunität, wobei IL-13
als Schlüsselzytokin fungiert, das sowohl die Entzündung als auch
die Fibrose (Lichenifikation) mitbeeinflusst. Speziell der
quälende Juckreiz wird durch das Zytokin IL-31 vermittelt. Die
gestörte Hautabwehr führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für
Infektionen: Akute Schübe sind durch eine Überwucherung mit dem
pathogenen Keim Staphylococcus aureus
gekennzeichnet, der durch seine Toxine die Typ-2-Immunreaktion
weiter verstärkt. Auch Viruserkrankungen, wie die schwere
Ekzema herpeticatum (durch Herpes Simplex),
stellen eine besondere Gefahr dar und müssen notfallmäßig
intravenös behandelt werden.
Die AD ist nicht auf die Haut beschränkt, sondern gilt als
systemische Erkrankung mit relevanten
Komorbiditäten, darunter neuropsychiatrische
Erkrankungen (erhöhtes Risiko für Depressionen und
Angststörungen) und kardiovaskuläre Risiken (z.B. ischämische
Herzerkrankungen). Als Triggerfaktoren gelten Stress (auch
positiver Stress) und starke Temperaturschwankungen. Experten
betonen, dass Diäten ohne eine nachgewiesene
Nahrungsmittelallergie nicht zielführend sind, da sie unnötigen
Stress verursachen, der die Krankheit wiederum verschlechtern
kann.
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26.11.2025
43 Minuten
Hidradenitis Suppurativa (HS, Acne Inversa)
Dr. Antonia Wiala-Winter und ich unterhalten uns zu einer
schweren chronischen Hauterkrankung mit enormem Leidensdruck: Der
Hidradenitis suppurativa.
Definition: Rein klinische Diagnose (keine
Biopsien/Labor nötig) mit drei Grundläsionen: entzündliche
Knoten, Abszesse und sezernierende Fisteln in inversen
Körperarealen (Achseln, Leisten, Genital, Gesäß), die innerhalb
von sechs Monaten rezidivieren. HS geht primär vom Haarfollikel
aus, nicht von Schweißdrüsen, und unterscheidet sich grundlegend
von der Akne vulgaris.
Pathogenese: Die HS ist KEINE
Infektionskrankheit. Mechanischer Stress in Hautfalten begünstigt
Mikrobenpenetration und follikuläre Hyperkeratose; verstärkt
durch Nikotinabusus. HS ist eine
Systemerkrankung mit genetischer Veranlagung und
Komorbiditäten wie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen,
Spondyloarthritis, PCOS und metabolischem Syndrom. Beeinflussbare
Risikofaktoren: Rauchen und Adipositas (proinflammatorische
Adipozyten, erhöhte Reibung).
Belastung: Diagnoseverzögerung etwa sieben
Jahre, massive Schmerzen, weitreichende sozioökonomische und
psychische Folgen (Krankenstandstage, Beziehungsprobleme,
sexuelle Dysfunktion).
Therapie: Entzündungshemmende, antibiotische
Therapie ist zentral. Bei Frauen (3:1-Verhältnis) mit
Zyklusabhängigkeit eröffnen sich weitere Therapieoptionen.
Aktuell gilt 50% Verbesserung als Erfolg. Frühzeitiger
Systemtherapie-Start ab moderater HS (IHS4 ≥ 4) empfohlen.
Fisteln erfordern oftmals eine chirurgische Entfernung. Wenn Sie
mehr zur Therapie wissen wollen gehen finden Sie eine
Spezialepisode auf www.wayfinder.at
Wichtigste Botschaft: „Da kann man nichts mehr
machen" ist obsolet – Therapie und Unterstützung
(Selbsthilfegruppen) sind immer möglich.
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Über diesen Podcast
Willkommen beim AUFLICHT-Podcast! Dr. Christian Posch spricht mit
ausgewiesenen Experten zu verschiedenen Themen der Dermatologie:
wissenschaftlich fundiert, unabhängig und praxisnahe. Von
Fachleuten, für Fachleute. Ob Dermatologe, Kinderärztin, Internist
oder Allgemeinmedizinerin - hier ist für alle interessierten
Medizinexperten etwas dabei. Nicht vergessen: Die Wissenschaft ist
stetig im Wandel. Daher immer alle Informationen auf Aktualität und
Kontext prüfen. Disclaimer für Patienten: Alle Angaben sind ohne
Gewähr und ersetzen den Arztbesuch nicht.
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