Warzen, HPV und grüner Tee?
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vor 3 Wochen
Das humane Papillomvirus: Ein omnipräsenter
Überlebenskünstler
Das humane Papillomvirus (HPV) ist ein hüllenloses
Doppelstrang-DNA-Virus, das im Tierreich weit verbreitet ist,
wobei die humanen Typen ausschließlich von Mensch zu Mensch
übertragen werden. Es gilt als omnipräsent, da nahezu jeder
Mensch Träger dieser Viren ist, die sich in den Haarfollikeln
oder im Genitalbereich ansiedeln. Trotz seiner einfachen Struktur
ist das Virus extrem resistent gegenüber Umwelteinflüssen und
kann sogar in Schwimmbecken oder auf öffentlichen Toiletten
überdauern.
Pathogenese und Onkogenität
Die einzige Zielzelle des Virus ist der Keratinozyt. Über
kleinste Mikrorisse in der Haut oder Schleimhaut gelangt das
Virus in die Basalmembran, wo es sich teilende Zellen für seine
eigene Replikation nutzt. Von den über 200 bekannten Typen werden
klinisch insbesondere die kutane von der Schleimhaut-assoziierten
Gruppe sowie benigne von onkogenen Typen unterschieden.
Besondere medizinische Relevanz haben die Hochrisiko-Typen wie
HPV 16, das in über 50 % der Zervixkarzinome nachgewiesen wird.
Die virale Onkogenität beruht auf den Proteinen E6 und E7, die in
das Wirtsgenom integrieren und die Zellzykluskontrolle (unter
anderem über P53) stören. Neben dem Gebärmutterhalskrebs ist HPV
ursächlich für eine Vielzahl anderer Tumoren, darunter Anal-,
Vulva-, Penis- und Kopf-Hals-Karzinome.
Diagnostik und Therapie
Während die klinische Diagnose von Warzen oder Kondylomen meist
eindeutig ist, bietet die PCR-Typisierung eine hochsensible
Methode zum Nachweis onkogener Typen, sollte jedoch gezielt
eingesetzt werden, um unnötige Verunsicherung bei Patienten ohne
klinischen Befund zu vermeiden.
In der Therapie gibt es neben destruktiven Verfahren
(Kryotherapie, Laser) einen innovativen Ansatz mittels
Grüntee-Extrakt (Polyphenone/Katechine). Dieser Wirkstoff ist
hocheffizient, da er mehrere Schritte der viralen Infektion und
Replikation unterbindet sowie den programmierten Zelltod
(Apoptose) infizierter Zellen fördert, wobei er nahezu keine
Nebenwirkungen zeigt. Bei gewöhnlichen Hautwarzen, insbesondere
bei Kindern, ist aufgrund der hohen Spontanheilungsrate oft eine
zurückhaltende Strategie („First do no harm“) ratsam.
Prävention
Die Impfung gegen den Krebs Die prophylaktische 9-fach-Impfung
gilt als entscheidender Durchbruch, da sie effektiv vor den
wichtigsten onkogenen Typen sowie vor Kondylomen schützt. Länder
wie Australien demonstrieren, dass eine flächendeckende Impfung
von Mädchen und Jungen die Rate an Zervixkarzinomen und
Genitalwarzen massiv senken kann. Professor Stockfleth betont
abschließend die Bedeutung der klinischen Sorgfalt: Da viele
Patienten sich „schmutzig“ fühlen, ist eine offene Kommunikation
und gründliche körperliche Untersuchung („Durch die Hose stellt
man keine Diagnose“) unerlässlich, um die Erkrankung zu
entmystifizieren.
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