Folge 302: Lachen unter Vorbehalt – Ernst Lubitsch, Hitler und die gefährliche Eleganz von „Sein oder Nichtsein“ (1942)
39 Minuten
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Beschreibung
vor 2 Wochen
Sein oder Nichtsein erzählt von Schauspielern, Verkleidungen und
wechselnden Identitäten. Von Menschen, die gezwungen sind, Rollen
anzunehmen, um zu überleben. Der Film bewegt sich konsequent im
Spannungsfeld zwischen Farce und Ernst: Er macht die Täter
lächerlich, ohne das Grauen auszublenden, und stellt seinem
Publikum eine bis heute unbequeme Frage – darf man über Nazis
lachen, und warum könnte dieses Lachen sogar notwendig sein?
Der Humor in Lubitschs Film ist dabei alles andere als harmlos.
Er wirkt nicht befreiend, sondern wie ein präzises, scharf
geschliffenes Werkzeug. Rhythmus, Timing und Andeutung spielen
eine zentrale Rolle; oft ist das Ungesagte ebenso bedeutend wie
das offen Ausgesprochene. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem
Film seine politische Schärfe.
Diese Episode blickt auf Sein oder Nichtsein nicht nur als
Kriegskomödie, sondern als Film über Identität als Spiel, über
Macht als Inszenierung und über die Frage, wie Kunst auf
politische Extreme reagieren kann. Besonders eindrücklich ist
dabei der historische Kontext: Lubitsch stellt seine provokante
Frage nicht aus sicherer Distanz, sondern mitten im Zweiten
Weltkrieg – zu einem Zeitpunkt, als Verfolgung, Deportation und
Gewalt längst Realität waren.
Das Lachen, das der Film erzeugt, bleibt daher fragil. Es
entsteht aus Spannung und Bedrohung und trägt stets die
Möglichkeit des Umschlags in sich. Genau darin liegt die
Provokation von Sein oder Nichtsein: Der Film fordert dazu auf,
Humor nicht als Flucht zu begreifen, sondern als bewusste Haltung
– und das eigene Lachen auf seine politische Bedeutung hin zu
befragen.
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