Stoizismus und Tod: Die letzten Prüfungen großer Philosophen

Stoizismus und Tod: Die letzten Prüfungen großer Philosophen

[S2-E04]: Stoizismus und Tod: Die letzten Prüfungen großer Philosophen Stoizismus und Tod sind kein ästhetisches Thema. Sie sind der härteste Realitätstest für jede Philosophie: Was bleibt von Vernunft, Tugend und innerer Freiheit, wenn eine Welt aus Mach
24 Minuten

Beschreibung

vor 1 Woche

[S2-E04]: Stoizismus und Tod: Die letzten Prüfungen
großer Philosophen


Stoizismus und Tod sind kein ästhetisches Thema. Sie sind der
härteste Realitätstest für jede Philosophie: Was bleibt von
Vernunft, Tugend und innerer Freiheit, wenn eine Welt aus Macht,
Willkür und Angst dir die Luft nimmt.


In dieser Folge gehe ich in die Antike und arbeite drei
Todesgeschichten durch, die bis heute als Maßstab gelten:
Sokrates, Lucius Annaeus Seneca und Cato der Jüngere (Cato von
Utica). Ich spreche darüber, wie diese großen Denker in einer
historischen Realität lebten, die mit deiner Welt kaum
vergleichbar ist.


Sokrates steht am Anfang: im athenischen Gefängnis, der
Schierlingsbecher vor ihm, die Schüler am Rand der Fassung.
Platon beschreibt diese letzten Stunden als Prüfung der
Wahrheitstreue. Epiktet greift Sokrates später auf, weil hier
sichtbar wird, was Stoiker „Unverletzbarkeit“ nennen: Äußere
Gewalt trifft den Körper, nicht den Wert eines Charakters.


Seneca führt dich nach Rom an den Hof Neros. Der Stoiker, der
Berater, der Erzieher, am Ende selbst zur Zielscheibe geworden.
Tacitus erzählt dieses Sterben mit einer Präzision, die fast wie
ein Protokoll wirkt. Wir schauen uns an, wie Seneca aus dem
letzten Moment eine letzte Lehrstunde macht: über Furcht, über
Autonomie, über den Preis eines Lebens in Machtnähe.


Cato ist die radikalste Figur in dieser Folge. Kein
Beruf-Philosoph, doch in der stoischen Erinnerung eine Ikone.
Plutarch schildert Utica als Bühne eines politischen Endspiels:
Cato liest Platon, ringt um Freiheit, setzt eine Grenze, die er
nicht verhandelt. Hier wird Stoizismus politisch, moralisch,
unerbittlich.


Am Ende bleibt eine einzige Frage: Welche Prinzipien trägst du
wirklich, wenn es teuer wird? 


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FACHÄRZTIN ODER EINEM FACHARZT ZU HOLEN – DU BIST NICHT ALLEIN!️️


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Literatur- und Quellenangaben


Antike Quellen:


Platon: Apologie des Sokrates und
Phaidon. – Beschreibung des Prozesses und Tod des
Sokrates. Zitate: Apol. 30c (Unverletzbarkeit des Gerechten);
Phaidon 118a (letzte Worte des Sokrates: “Kriton, wir schulden
Asklepios einen Hahn…”). Griechisch-Deutsch z. B. in: Platon,
Sämtliche Dialoge, Übers. Friedrich Schleiermacher u.a.,
Bd. 1, 8. Aufl., Hamburg 1994.


Xenophon: Erinnerungen an Sokrates
(Memorabilia) 1,1, sowie Apologie des Sokrates. – Weitere
Darstellung von Sokrates’ Prinzipien und seiner Furchtlosigkeit
vor dem Tod.


Epiktet: Discours (Ἐπικτήτου Διατριβαί),
Buch I, Kap. 1 und 2. – Der Stoiker Epiktet
(1./2. Jh. n. Chr.) diskutiert Sokrates, Thrasea und
Helvidius als Beispiele stoischer Standhaftigkeit. Zitate:
“Anytus und Meletus können mich töten, aber nicht
verletzen” (nach Epiktet in Anlehnung an Apologie 30c);
Ausspruch Thraseas und Erwiderung des Musonius Rufus: “Lieber
heute getötet als morgen verbannt”; Dialog Kaiser–Helvidius.
– Griechisch/Deutsch in: Epiktet, Handbuchchen und
Diatriben, Übers. und Hg. Hans Schöne, Stuttgart 1993.


Seneca: Epistulae Morales ad Lucilium
(Briefe an Lucilius) und Dialogi (bes. De
Providentia und De Constantia Sapientis). – Senecas
eigene Philosophie zum Umgang mit dem Tod und Schicksalsschlägen.
Wichtig: De Providentia 2,9-11: Aufzählung von Prüfungen
der Weisen (Mucius, Regulus, Sokrates mit Gift, Cato mit
Tod etc.). – Zitat (lat.): “venenum in Socrate,
mortem in Catone…* at ille venenum laetus et libens
hausit**”* (Seneca: Prov. 2,9 und 2,13). Deutsche
Übersetzung in: Seneca, Dialoge, Übers. Otto Apelt,
Leipzig 1934.


Tacitus: Annales XV und XVI. –
Geschichtswerk über die Kaiserzeit, enthalten detaillierte
Berichte über Senecas Tod (Annalen 15,60–64) und
Thrasea Paetus’ Anklage (Ann. 16,21–24).
Tacitus’ Annalen brechen leider kurz vor Thraseas eigentlichem
Tod ab (Ann. 16,35). – Außerdem Historiae (Historien)
Buch IV: Enthielt den Bericht über Helvidius Priscus
und Vespasian, ist aber nur fragmentarisch erhalten;
Teile sind durch spätere Autoren (Dio, Sueton) ergänzt.


Plutarch: Βίος Κατώνος (Vita Catonis
Uticensis) in Parallelbiographien. – Leben des Cato,
besonders Kapitel 67–70 mit ausführlicher Schilderung des
Todes von Cato in Utica. Zitate: Ausspruch
“Surely I have no need of sword… by holding breath and a blow
against the wall I can die.” im griech. Original und dt.
Übers. (Plut. Cato Min. 68) sowie gesamte dramatische
Sequenz der Selbsttötung. – Übersetzung deutsch in: Plutarch,
Heroes und Politiker, Übers. Konrat Ziegler, München 1961.


Diogenes Laertios: Vitae philosophorum
(Leben und Meinungen berühmter Philosophen), Buch VII
(Zeno und die Stoiker), Abschn. 175–177. – Bericht
über Kleanthes. Enthält Anekdoten aus seinem
Leben und insbesondere die Notiz über Kleanthes’ Freitod
durch Fasten: “auf ärztliches Anraten zwei Tage
gefastet, genesen, dann entschieden weiter zu fasten und so
gestorben”. – Dt. Übers. in: Diogenes Laertius, Leben und
Meinungen berühmter Philosophen, Übers. O. Apelt, Leipzig
1921.


Sueton: De vita Caesarum – Divus
Vespasianus 15. – Kaiserbiographie, Kapitel 15 erwähnt
Helvidius Priscus’ Konflikt mit Vespasian:
“Helvidius allein begrüßte ihn bei der Rückkehr in den Senat
nur mit dem Namen Vespasian… zunächst Duldung, dann Verbannung
und Hinrichtungsbefehl; Vespasian wollte ihn retten, aber durch
falsche Meldung war Helvidius schon getötet.”. Dt. in:
Sueton, Kaiserbiographien, Übers. A. Flashar,
Stuttgart 1997.


Cassius Dio: Römische Geschichte —
Fragment 65. – Beschreibt ebenfalls Tod des Helvidius
Priscus unter Vespasian (in byzantinischen Auszügen überliefert),
ähnlich Sueton: Helvidius’ provozierendes Verhalten und seine
Hinrichtung „ohne Verhör“.


Valerius Maximus: Facta et dicta
memorabilia V,1 ext. 3. – Sammelwerk 1. Jh.
n. Chr., hier Exempla stoischer Freitode: u.a. Zenon und
Kleanthes, die freiwillig den Tod suchten, als die Zeit
gekommen war (kurze Erwähnung).


Martial: Epigramm 1, “Cato, von dir
reden wir…” – Der Dichter Martial (1. Jh. n. Chr.)
spielt mehrmals auf Catos Tod an als Symbol für Freiheit (z.B.
Epigr. 1, 32, 1, 112).


Plinius der Jüngere: Epistulae 3,16
und 7,19. – Briefe Plinius’, die sich auf Arria die
Ältere (Schwiegermutter Thraseas) beziehen,
einschließlich ihrer berühmten Worte “Paete, non dolet”.
Plinius 3,16 liefert auch Details über Arria die Jüngere und
Thrasea: Arria wollte Thrasea begleiten, Thrasea fragte sie, ob
sie wünsche, dass ihre Tochter Fannia einst dasselbe tue; Arria
d.J. antwortete: “Ja, wenn sie so lange und glücklich mit dir
gelebt hat wie ich mit Paetus.” – was die Anwesenden bestürzt
habe. Diese Anekdote beleuchtet Thraseas und Arrias Haltung. Dt.
Übers. in: Plinius d.J., Briefe, übers. v. H. Kasten,
München 1968.


Moderne Literatur (Auswahl):


The Cambridge Companion to the Stoics, hrsg. von
Brad Inwood. Cambridge Univ. Press, 2003. – Umfassende
Einführung. Insb. Kap. 14 (M. Griffin: Seneca),
Kap. 15 (M. Colish: Stoische Opposition unter den
Kaisern). Hintergrund zu Senecas Philosophie und zur sog.
“Stoischen Opposition” unter Nero und Vespasian.


Pierre Hadot: Philosophie als Lebensform
(Orig.: Philosophie – Mode de Vie). München,
3. Aufl. 2011. – Analysen zu antiken Philosophenschulen als
Lebensschulen. Hadot betont das memento mori und die
Einübung des Todes bei Stoikern und Platonikern.
Siehe bes. Kap. 2 (Übung des Todes) und Kap. 8 (Innere
Freiheit). Auch: Die innere Burg: Einführung in die
Gedankenwelt Marc Aurels, München 2000, die Marc Aurels
stoische Gesinnung darstellt.


A. A. Long & D. N. Sedley: The
Hellenistic Philosophers. Cambridge 1987. – Standardwerk mit
Quellentexten, enthält u.a. Fragmente zu stoischer Ethik, Suizid,
Pflichtenlehre. Hilfreich zum Verständnis der stoischen
Haltung zu Tod und Selbstmord (Stoiker hielten Freitod
für gerechtfertigt, wenn ein “vernünftiger Grund” vorliegt –
eulogon apothanein).


Miriam Griffin: Seneca: A Philosopher in
Politics. Oxford, 1976. – Klassische Studie zu Senecas Leben,
insbesondere seine Rolle am Hof Neros und Widersprüche zwischen
Lehre und Leben. Kap. 12 analysiert Senecas
Tod als bewusstes Rollenvorbild für die Nachwelt
(Tacitus’ Absicht, Seneca als Stoiker sterben zu lassen).


John Sellars: Stoicism. Routledge,
2. Aufl. 2014. – Gute Einführung. Enthält auch Passagen zur
Geschichte der Stoa in Rom, u.a. zur Figur des
Cato als Stoiker-Idol und den Stoikern unter Nero
(Thrasea, Helvidius).


Donald Robertson: Stoicism and the Art of
Happiness. London, 2013. – Populärwissenschaftlich, aber
informativ. Robertson bespricht im historischen Anhang ebenfalls
Sokrates, Cato, Seneca etc. und zieht Linien zur
modernen Psychologie. Kapitel “Stoic Heroes” porträtiert
Cato und anderen als Modelle für Resilienz.


James Romm: Dying Every Day – Seneca at the
Court of Nero. New York, 2014. – Biographische Darstellung,
die besonders den Konflikt zwischen Senecas Philosophie und
seiner politischen Rolle beleuchtet. Das Schlusskapitel
beschreibt Senecas Todesnacht lebendig auf Basis
Tacitus.


Anthony A. Barrett: Caligula: The
Corruption of Power. Routledge, 3. Aufl. 2015. – Enthält
ein Kapitel über Stoiker und Opposition, wo
Thrasea und Helvidius’ Fälle eingeordnet werden in die Politik
der frühen Kaiserzeit.


Catherine Edwards: Death in Ancient Rome.
Yale Univ. Press, 2007. – Kulturgeschichtliche Untersuchung zum
Thema Sterben. Enthält Abschnitte über philosophische
Tode (z.B. Sokrates, Seneca) und wie diese
Vorbildfunktion hatten. Siehe S. 50–55 (Sokrates-Rezeption)
und S. 189–195 (Senecas Inszenierung).


William Stoeger (Hrsg.): Philosophy as a Way
of Life: Ancients and Moderns – Essays in Honor of Pierre
Hadot. Wiley-Blackwell, 2013. – Darin ein Beitrag über
Hadots Interpretation von Marcus Aurelius und stoischem
Sterben.


Brad Inwood: Reading Seneca: Stoic Philosophy
at Rome. Oxford, 2005. – Kap. 5 “Consolationes”
behandelt Senecas Trostschriften, indirekt auch seine Perspektive
auf den Tod. Kap. 11 “Seneca and the Self” diskutiert
Senecas Vorbereitung auf den eigenen Tod.


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