Der aus Iran geflohene Anwalt - Surena Ettefagh
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Beschreibung
vor 5 Tagen
Wenn Ettefagh von seiner Kindheit spricht, klingt das nicht nach
nostalgischer Verklärung, sondern nach einer verlorenen Welt. Er
schildert den Iran seiner frühen Jahre als aufstrebendes,
modernes Land, als Gesellschaft mit Religionsfreiheit, mit
relativer Gleichstellung von Mann und Frau, mit Aufstiegschancen,
Bildung und einem starken Blick in die Zukunft. Seine Mutter
arbeitete im Landwirtschaftsministerium, er selbst war als Kind
in einer Kindertagesstätte untergebracht, die Familie lebte in
Teheran in einem urbanen und offenen Umfeld. Besonders
eindrücklich ist seine Erinnerung, dass seine Mutter im Minirock
zur Arbeit ging und dass er nach seiner Ankunft in Österreich
zunächst mehr Kopftücher sah als zuvor in Teheran. Solche Bilder
machen deutlich, wie fundamental der Bruch von 1979 in seiner
Wahrnehmung gewesen sein muss.
Ettefagh beschreibt den Iran vor der Revolution nicht bloß als
politisches System, sondern als Zivilisation mit einem tiefen
historischen Bewusstsein. Immer wieder verweist er auf die lange
Kontinuität persischer Kultur, auf Kyros den Großen, auf
religiöse Toleranz, auf den Schutz von Minderheiten und auf den
Vielvölkercharakter des Landes. Der Iran, so seine Sicht, sei nie
nur islamisch gewesen, sondern immer auch persisch, vielsprachig,
vielreligiös, kulturell komplex. Gerade deshalb empfindet er das
heutige Regime offenbar nicht nur als politische Unterdrückung,
sondern als Entfremdung vom eigentlichen Wesen des Landes. In
seinen Worten klingt durch, dass die Islamische Republik für ihn
nicht die Vollendung iranischer Geschichte ist, sondern deren
dramatische Unterbrechung.
Die Zäsur kam, als Surena Ettefagh zehn Jahre alt war. 1979, im
Jahr der Revolution, verließ seine Familie das Land und floh nach
Österreich. Seine Schwester war noch im Iran zur Welt gekommen;
kurz darauf ging es über Wien weiter nach Vorarlberg, wo die
Familie schließlich sesshaft wurde. Dass ausgerechnet das ruhige
Vorarlberg zum neuen Lebensmittelpunkt wurde, erscheint fast
symbolisch: Nach Revolutionschaos, Unsicherheit und erzwungenem
Aufbruch stand am Ende ein Ort der Stabilität. Ettefagh sagt im
Gespräch, dass er die österreichische Staatsbürgerschaft mit
Stolz trägt. Gleichzeitig bewahrt er seinen alten iranischen Pass
mit Löwe und Sonne an einem besonderen Ort auf – als Zeichen
dafür, dass Exil zwar die Heimat ersetzen kann, aber nie die
Herkunft auslöscht.
Gerade dieser doppelte Blick macht Ettefagh zu einer
interessanten Stimme: Er spricht als Jurist und als
Exilösterreicher, aber immer auch als jemand, der den Iran nicht
als abstraktes Nachrichtenobjekt, sondern als verlorenes Zuhause
versteht. In seiner Erzählung ist die islamische Revolution nicht
nur ein Regimewechsel, sondern eine Tragödie für ein ganzes Land.
Aus einem Staat, den er als offen, modern und hoffnungsvoll
beschreibt, sei binnen kurzer Zeit eine religiös-ideologische
Diktatur geworden. Diese Diktatur, so seine Perspektive, habe
nicht nur Freiheitsrechte zerstört, sondern auch das kulturelle
Gedächtnis des Iran überlagert. Die Gewalt gegen Frauen, gegen
Andersdenkende, gegen religiöse Minderheiten und Oppositionelle
ist für ihn daher nicht bloß Gegenwartspolitik, sondern Ausdruck
eines Systems, das den Menschen ihre Würde und dem Land seine
Seele genommen habe.
Besonders eindringlich wird Ettefagh dort, wo er über die
Proteste im Iran spricht. Er zeichnet das Bild einer Bevölkerung,
die immer wieder aufsteht, obwohl sie weiß, dass Repression,
Folter und Tod drohen. Sein Respekt gilt insbesondere den Frauen,
die für Freiheit und Selbstbestimmung auf die Straße gegangen
sind. In seinen Schilderungen wird deutlich, dass der Kampf
iranischer Frauen für ihn die moralische Mitte des iranischen
Widerstands ist. Nicht zufällig verbindet sich darin seine
Erinnerung an den freieren Iran seiner Kindheit mit der Hoffnung
auf einen künftigen Iran ohne Zwang, Terror und religiöse
Herrschaft.
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