Etwas mehr Größenwahn mit Eva Maltschnig
Die Sektion 8 gilt als Stachel im Fleisch der SPÖ. Die Vorsitzende
über Leidensfähigkeit, innerparteiliches Feilschen und Clous.
37 Minuten
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Beschreibung
vor 6 Jahren
Eva Maltschnig ist Vorsitzende der vermutlich kritischsten
SPÖ-Fraktion, der Sektion 8. Wie balanciert sie Zustimmung und
Kritik? Warum arbeitet sie trotz des starken Gegenwinds aus der
eigenen Partei an einer Verbesserung der SPÖ? Im Gespräch mit
Philipp Weritz über Leidensfähigkeit, innerparteiliches Feilschen
und wie die Coups der Sektion 8 entstanden. NGO in der Partei „Es
bringt nichts, wenn alle kritischen Leute sich aus der SPÖ
entfernen. Man muss sich wo sammeln“, sagt Maltschnig. Es geht um
die Möglichkeit, Frust und manchmal auch Wut zu bündeln und
konstruktiv zu nutzen. Das war der Gründergedanken im Jahr 2007,
den auch der ehemalige Vorsitzende Niki Kowall hatte: Mehr
Mitbestimmung an Strukturen und Inhalten durch die Basis. Ihre
Arbeit beschreibt Maltschnig als „sozialdemokratische NGO“: Ein
klassischer Teil der Partei als Sektion, im Denken und Handeln aber
eine NGO. Die SPÖ ist nach wie vor eine der wenigen
sozialdemokratischen Parteien, die ihre Parteivorsitzenden nicht
direkt wählt, sondern über einen Parteitag. „Das muss nicht so
sein. Wenn Parteivorsitzende in Urwahlen durch die Mitglieder
gewählt werden, ist klar, wie viel Rückhalt eine Person wirklich
hat“, meint Maltschnig. Ein Grund, warum Personaldebatten in der
SPÖ nach Wahlverlusten immer nach dem gleichen Muster ablaufen.
„Beim Inhalt bin ich immer wieder erstaunt, wie viel sich da
gestalten lässt. Aber an den Strukturen beißen wir uns die Zähne
aus“. Freundschaft! Mit Widerstand Wie können es sich die
Mitglieder der Sektion Acht leisten, immer wieder gegen die
Parteilinie zu stimmen? Oder sogar aktiv gegen die Parteispitze zu
arbeiten? Ein Coup gelang vor ein paar Jahren mit dem Verbot des
kleinen Glücksspiels. „Wir können uns das leisten, weil wir alle
normale Jobs haben. Wir verdienen unser Geld nicht mit Mandaten und
bewerben uns auch gar nicht dafür, denn damit starten die
Abhängigkeiten“. Einmal die Woche trifft man sich und nach dem
„gemeinsamen Schimpfen“ werde inhaltlich diskutiert. Ehrenamtliches
Arbeiten befreie von Packeleien und für die eigenen Kampagnen
findet sich immer Geld, sagt sie. „Schwieriger zu finden sind eher
die Ideen“. Warum widmet sich Eva Maltschnig sich trotz dem starken
Gegenwind, trotz dem Widerstand der Parteispitze und Kollegen immer
noch dem Projekt SPÖ reformieren? „Jeder braucht ein Hobby“.
Trocken formuliert, merkt man Maltschnig die zutiefst überzeugte
Sozialdemokratin an. Trotz, oder vielleicht gerade wegen der
Kritik, die sie mal lauter, mal leiser übt: „Ich glaube nicht, dass
die SPÖ für alle das Richtige ist. Da braucht man eine gewisse
Leidensfähigkeit“. Mehr Größenwahn wagen Was würde sie anders
machen, wenn sie heute von Null starten würde? „Ein bisschen mehr
Größenwahn. Wir bereiten uns immer sehr gut vor, weil wir uns
manchmal auch fürchten, vor dem was als Antwort kommen könnte“. Die
Erfahrung habe aber gezeigt, dass die Furcht ein wichtiger
Indikator ist: „Vor den Projekten wo ich mich am meisten gefürchtet
habe, meistens die lustigsten und im Nachhinein auch die
wichtigsten sind“. Das reicht von einer Fake-Kampagne für eine echt
demokratische Vorsitzwahl bis zu „Nein heißt Nein“ Aktion zur
Reform des Sexualstrafrechts. Auch der Gedanke, als SPÖ-Thinktank
die 130 Jahre alte Partei von innen zu reformieren, kann in die
Kategorie Größenwahn gesteckt werden. Woher der Glaube daran? Bei
der Gründung 2007 habe es geheißen „in zehn Jahren wissen wir, ob
es möglich ist. Jetzt weiß ich immer noch nicht ob das möglich
ist“, sagt Maltschnig. „Manchmal habe ich den Verdacht, dass es uns
gelingt, mit der SPÖ was zu bewegen. Manchmal sieht es wieder
irrsinnig trist aus“.
SPÖ-Fraktion, der Sektion 8. Wie balanciert sie Zustimmung und
Kritik? Warum arbeitet sie trotz des starken Gegenwinds aus der
eigenen Partei an einer Verbesserung der SPÖ? Im Gespräch mit
Philipp Weritz über Leidensfähigkeit, innerparteiliches Feilschen
und wie die Coups der Sektion 8 entstanden. NGO in der Partei „Es
bringt nichts, wenn alle kritischen Leute sich aus der SPÖ
entfernen. Man muss sich wo sammeln“, sagt Maltschnig. Es geht um
die Möglichkeit, Frust und manchmal auch Wut zu bündeln und
konstruktiv zu nutzen. Das war der Gründergedanken im Jahr 2007,
den auch der ehemalige Vorsitzende Niki Kowall hatte: Mehr
Mitbestimmung an Strukturen und Inhalten durch die Basis. Ihre
Arbeit beschreibt Maltschnig als „sozialdemokratische NGO“: Ein
klassischer Teil der Partei als Sektion, im Denken und Handeln aber
eine NGO. Die SPÖ ist nach wie vor eine der wenigen
sozialdemokratischen Parteien, die ihre Parteivorsitzenden nicht
direkt wählt, sondern über einen Parteitag. „Das muss nicht so
sein. Wenn Parteivorsitzende in Urwahlen durch die Mitglieder
gewählt werden, ist klar, wie viel Rückhalt eine Person wirklich
hat“, meint Maltschnig. Ein Grund, warum Personaldebatten in der
SPÖ nach Wahlverlusten immer nach dem gleichen Muster ablaufen.
„Beim Inhalt bin ich immer wieder erstaunt, wie viel sich da
gestalten lässt. Aber an den Strukturen beißen wir uns die Zähne
aus“. Freundschaft! Mit Widerstand Wie können es sich die
Mitglieder der Sektion Acht leisten, immer wieder gegen die
Parteilinie zu stimmen? Oder sogar aktiv gegen die Parteispitze zu
arbeiten? Ein Coup gelang vor ein paar Jahren mit dem Verbot des
kleinen Glücksspiels. „Wir können uns das leisten, weil wir alle
normale Jobs haben. Wir verdienen unser Geld nicht mit Mandaten und
bewerben uns auch gar nicht dafür, denn damit starten die
Abhängigkeiten“. Einmal die Woche trifft man sich und nach dem
„gemeinsamen Schimpfen“ werde inhaltlich diskutiert. Ehrenamtliches
Arbeiten befreie von Packeleien und für die eigenen Kampagnen
findet sich immer Geld, sagt sie. „Schwieriger zu finden sind eher
die Ideen“. Warum widmet sich Eva Maltschnig sich trotz dem starken
Gegenwind, trotz dem Widerstand der Parteispitze und Kollegen immer
noch dem Projekt SPÖ reformieren? „Jeder braucht ein Hobby“.
Trocken formuliert, merkt man Maltschnig die zutiefst überzeugte
Sozialdemokratin an. Trotz, oder vielleicht gerade wegen der
Kritik, die sie mal lauter, mal leiser übt: „Ich glaube nicht, dass
die SPÖ für alle das Richtige ist. Da braucht man eine gewisse
Leidensfähigkeit“. Mehr Größenwahn wagen Was würde sie anders
machen, wenn sie heute von Null starten würde? „Ein bisschen mehr
Größenwahn. Wir bereiten uns immer sehr gut vor, weil wir uns
manchmal auch fürchten, vor dem was als Antwort kommen könnte“. Die
Erfahrung habe aber gezeigt, dass die Furcht ein wichtiger
Indikator ist: „Vor den Projekten wo ich mich am meisten gefürchtet
habe, meistens die lustigsten und im Nachhinein auch die
wichtigsten sind“. Das reicht von einer Fake-Kampagne für eine echt
demokratische Vorsitzwahl bis zu „Nein heißt Nein“ Aktion zur
Reform des Sexualstrafrechts. Auch der Gedanke, als SPÖ-Thinktank
die 130 Jahre alte Partei von innen zu reformieren, kann in die
Kategorie Größenwahn gesteckt werden. Woher der Glaube daran? Bei
der Gründung 2007 habe es geheißen „in zehn Jahren wissen wir, ob
es möglich ist. Jetzt weiß ich immer noch nicht ob das möglich
ist“, sagt Maltschnig. „Manchmal habe ich den Verdacht, dass es uns
gelingt, mit der SPÖ was zu bewegen. Manchmal sieht es wieder
irrsinnig trist aus“.
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