Mythos Filterblase mit Jakob-Moritz Eberl

Mythos Filterblase mit Jakob-Moritz Eberl

Der Nutzen von Social Media für die Wissenschaft und Zusammenhänge zwischen Politik und Medien
42 Minuten
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Beschreibung

vor 5 Jahren
Die Macht der Medien sei überschätzt und (digitale) Filterblasen
nichts Neues. Jakob-Moritz Eberl forscht an der Universität Wien
über Zusammenhänge zwischen Medien, Politik und Demokratie. Wieso
wir alle eine verzerrte Wirklichkeit wahrnehmen und wie das unser
politisches Handeln prägt, hören Sie in dieser Folge von Wer jetzt.
Lesen Sie hier zwei Stichpunkte. Nicht alle Aufmerksamkeit ist
nützlich Wie beeinflusst Berichterstattung unsere Wahrnehmung von
Politikern und Politikerinnen? Diese Frage stellte sich Eberl 2016
im Rahmen seiner Dissertation. Als Grundlage dient die Idee von
„Media Bias“, neudeutsch für mediale Verzerrungen. Wo entstehen
einseitige Tendenzen und wie wirkt das auf Konsument*innen von
Nachrichten? Er fokussiert die Untersuchung auf drei Aspekte: „Ich
habe mir die Sichtbarkeit von Kandidaten angesehen, die Bewertung,
also positiver oder negativer, und als dritter Punkt den ‚Agenda
Bias‘: Kommen Politiker bei den Themen zu Wort, bei denen sie eine
Meinungsführerschaft haben, wo man weiß, dass man kompetent ist?“.
Mit den Daten der Österreichischen Nationalen Wahlstudie AUTNES
kann er diese Verzerrung tatsächlich nachweisen. Wenn ein Politiker
in den Medien zu den eigenen Themen zu Wort kommen kann, wirkt sich
das positiv auf die eigene Wählerschaft aus. Verstärkt wird dieser
Agenda Bias noch in Kombination mit guter Sichtbarkeit und
positiver Bewertung. „Wer sichtbar ist, wird als wichtiger und
kompetenter wahrgenommen. Auch die Bewertung wird oft übernommen,
wenn über einen Kandidaten positiv oder negativ geschrieben wird,
übernimmt man dieses Framing oft“. Jemand der viel Platz in der
Berichterstattung bekommt und noch dazu mit positivem Grundton,
profitiert um ein Vielfaches mehr, als jemand der viel, aber
negative Berichte bekommt. Eberl sieht darin die These von „There
is no such thing as bad publicity“ widerlegt, denn viel schlechte
Nachrichten würden Parteien sehr wohl schaden. Die Bewertung der
Bewertung Woran macht man gute oder schlechte Berichterstattung
aber fest? „Medieninhalte nach ihrer Bewertung zu beurteilen ist
fast chronisch eines der schwierigsten Merkmale, das man festhalten
kann“, sagt Eberl. Sowohl im Text selbst, als auch bei den
wissenschaftlichen Mitarbeitern, die die Bewertung durchführen,
können Fehlerquellen auftreten. „Es gibt genug Studien die zeigen,
dass wenn man eher links orientiert ist, wird man eher einen
negativen Bias gegenüber rechten Parteien haben und umgekehrt
natürlich genauso“. Um das zu vermeiden, werden die sogenannten
Codierer*innen am Anfang, zwischendurch und am Ende intensiv
geschult, um dasselbe Verständnis von positiver oder negativer
Tendenz zu haben und aufrecht zu erhalten. Einfache Beispiele sind
Beschimpfungen in Leserbriefen oder klares Lob vom
Koalitionspartner. Schwieriger wird es in (scheinbar) objektiveren
Formaten wie einem Report oder einem Bericht. Abgesehen von
deutlichen Formulierungen ist vor allem eines entscheidend:
„Worüber berichtet ein Journalist, eine Journalistin überhaupt? Das
sogenannte Gatekeeping, also die Entscheidung über zB. einen Sieg
oder eine Niederlage überhaupt zu schreiben, ist etwas das Medien
voneinander unterscheidet“. In der Themenauswahl können Bewertungen
bereits mitschwingen, sagt Eberl. Wer jetzt Bio und Links
Jakob-Moritz Eberl ist Kommunikationswissenschaftler an der Uni
Wien und forscht zu Politik, Medien und Demokratie.

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