Freiheit, Gleichheit und Autonomie mit Herlinde Pauer-Studer

Freiheit, Gleichheit und Autonomie mit Herlinde Pauer-Studer

Geld in der Politik, internationale Forschung und Verteilungsgerechtigkeit
37 Minuten
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Beschreibung

vor 5 Jahren
Warum sie eine moralische Krise der Parteikultur sieht, wieso
Gleichheit nicht automatisch Verteilungsgerechtigkeit bedeutet und
wie man Philosophie übersetzt. Die Philosophin und Forscherin
Herlinde Pauer-Studer im Gespräch über die politische Kultur
Österreichs und ihr Forscherleben als ERC-Preisträgerin. Lesen Sie
hier zwei Stichpunkte aus dem Gespräch. Bedenkliche Trendwende Ein
problematischer Trend, der sich langsam aber sicher aus den USA
überträgt, ist die Fokussierung auf private Wahlkampfspenden. „In
Ansätzen sieht man das schon in Österreich, dass sich Parteien über
private Spendengeber zu finanzieren. Ich halte das für absolut
gefährlich und es wäre ein Verlust dessen, was die Demokratie in
Österreich ausgezeichnet hat“. Es sei „vollkommen naiv“ anzunehmen,
dass Spendengeber hinter den Kulissen keinen Einfluss ausüben
würden. Sie sagt deutlich: „Hier sollte man private Spenden
verbieten, die Parteien sollen mit den Budgets die sie haben,
auskommen“. Auch eine starke Transparenz genügt für sie nicht.
„Wenn ich von jemandem 500.000€ bekomme, dann ist das
problematisch“. Selbst Kleinstspenden in der Höhe von 20 Dollar,
wie sie der US-amerikanische Präsidentschaftskandidat Bernie
Sanders per Crowdfunding gesammelt hat, seien bereits zu viel.
„Wenn man keine Spenden nimmt, muss man es rigoros handhaben und
für alle gleich“. Hand in Hand damit geht der stark
personenzentrierte Wahlkampf, der ebenfalls aus den USA kommt.
Kandidat*innen die sich stark akzentuiert geben, zu einer leeren
Persönlichkeitsmarke werden, die sich in den Medien nach vorne
drängeln. „Für Wahlbewegungen und Demokratie müssen Inhalte im
Vordergrund stehen. Das ist keine gute Entwicklung. Wen wir wählen
ist ja nicht die Person, wir wählen bestimmte Ämter und
Funktionen“. Trotzdem lässt Pauer-Studer Österreich nicht schlecht
dastehen. „Die politische Kultur hat gelitten, insgesamt aber steht
das Land sehr gut da. Unglaublicher Wohlstand, kein Krieg seit
mehreren Dekaden, global gesehen durchläuft das Land eine sehr,
sehr positive Periode“. Warum Philosophie? „Warum Demokratie und
kein anderes System? Wie legitimiert sich Macht? Was ist ein
normativer Rahmen, der sich für ein gesamtes System vertreten
lässt?“ Diese philosophischen Fragen tauchen vor allem in der
Politik tagtäglich auf. Besonders die akademische Philosophie habe
eine Verpflichtung sich mit abstrakten Fragen zu beschäftigen. Im
Nachhinein müsse dieser Diskurs aber der Öffentlichkeit übersetzt
und verständlich gemacht werden. Als Beispiel nennt Pauer-Studer
ihre Forschungen zum Recht und Rechtsveränderungen im
Nationalsozialismus. Das Buch „Weil ich nun mal ein
Gerechtigkeitsfanatiker bin“ erzählt den Werdegang eines
SS-Richters und die Struktur hinter dem systematischen Verbiegen
von Recht und Moral. Welche Argumentation verwendet ein Richter,
der in seiner Funktion offensichtliches Unrecht judiziert und
trotzdem einem persönlichen Ethos folgt? Die Fallstudie über Konrad
Morgen, der schlussendlich gegen SS-Weggefährten ermittelte,
vereint theoretischen Hintergrund am praktischen historischen
Beispiel, wie wir scheinbar moralisch gerechtfertigt handeln. Wer
jetzt? Bio und Links Herlinde Pauer-Studer ist Philosophin,
habilitierte Universitätsprofessorin an der Uni Wien und
internationale Forscherin. Sie ist Autorin mehrerer Bücher. • Diese
Episode wurde von Stadt Wien Kultur gefördert. • Das Gespräch wurde
im Oktober 2019 aufgezeichnet.

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