D-RR304 – Rheinsberg: Preußen, Prinzen, Paradiese
54 Minuten
Podcast
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Beschreibung
vor 1 Monat
Dies ist die Geschichte einer kleinen Stadt und zwei großen
Preußenprinzen im nördlichen Brandenburg: Rheinsberg
Eine Herbstreise mit Spätsommerwetter
Zu verdanken hat sie das Attribut vom Paradies dem preußischen
Adel. Der damalige Kronprinz bekam die Erlaubnis, sich am
dortigen See ein Schloss zu bauen. Da war er noch ziemlich jung
und ziemlich glücklich.
Angenehm überrascht bin ich, dass Anfang November 2025 noch so
schön die Sonne scheint und die Temperaturen am Mittag über die
18 Grad Marke klettern. Das macht die paradiesische Herrlichkeit
noch viel herrlicher.
Rheinsberg im Herbst – foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD Rheinsberg entdecken
In diesem Podcast treffe ich Figuren, Menschen und Begegnungen in
Rheinsberg. Der erste Blick sagt mir schon: Ganz schön, schön
hier! Kein Wunder, dass der junge Kronprinz Friedrich die Idee
entwickelte, hier ein Schloss an den Grienericksee zu bauen.
Rheinsberg finden
Rheinsberg liegt ziemlich dicht an der Kreisstadt Neuruppin im
Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Mit dem Auto fährt man, von Berlin
aus, knappe zwei Stunden. Die Stadt hat heute rund 8.000
Einwohner, ist aber flächentechnisch eine der größten deutschen
Gemeinden. Das heißt auch: Hier gibt es viel Natur und
dazugehörige Idylle. Es passt alles für einen Kurz- oder auch
Langurlaub.
Die Schlossgeschichte Schloss Rheinsberg –
Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Herrschaftshäuser gab es an der Stelle, wo das Schloss steht,
schon einige. Der Vorbesitzer verkaufte Land und Gut dem
preußischen König und der schenkte es dann seinem Sohn Kronprinz
Friedrich. Der „junge“ Fritz beauftragte dann den alten und
arrivierten Knobelsdorff als Baumeister. Der baute um, stockte
auf und Friedrich konnte einziehen. Es hat ihm gut gefallen aber
leider durfte er nur vier Jahre bleiben. Dann starb sein Vater,
er wurde König und musste zurück nach Potsdam. Schloss Rheinsberg
schenkte er seinem jüngeren Bruder Heinrich, der dort 50 Jahre
lebte und residierte.
Friedrich der Große – Denkmal für den Kronprinzen am Eingang
zum Schlossparl – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Der unbekannte Heinrich
Trotz der langen Zeit überstrahlt Friedrich der Große bis heute
seinen kleinen Bruder Heinrich. Das sagt auch eine ganze Menge
aus über das Verhältnis der Geschwister. Jörg Möller, der 1.
Vorsitzende des „Vereins Stadtgeschichte Rheinberg“, spricht im
Podcast sehr treffend von Friedrich als Selbstvermarktungsgenie.
Jörg Möller, Vorsitzender des Vereins Stadtgeschichte
Rheinsberg – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Seine Strahlkraft übertraf Heinrich schon zu Lebzeiten und Erfolg
ist das, was man aus ihm macht. Denn der „kleine“ Heinrich hat in
seinem Leben, jede Menge Erfolge politisch-militärischer Natur
sowie in Sachen Diplomatie, Wissenschaft und Kultur. Trotzdem
ließ sich schon um 1860 der Schriftsteller Theodor Fontane in
seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ darüber aus, dass
in Rheinsberg kein Mensch den Prinzen Heinrich kenne.
Prinz Heinrich von Preußen – Gemälde in Schloss Rheinsberg –
Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD Des
Prinzen Geburtstag und Leben
2026 ist ein besonderes Jahr. Prinz Heinrichs 300. Geburtstag hat
gerade stattgefunden (18.01.) und Brandenburg, die
Schlösserverwaltung, die Stadt Rheinsberg (samt der Touristiker)
und die Musikwelt Rheinsberg haben ein Prinz Heinrich-Jahr
gestartet. Auf das der Preußenprinz seine ihm gebührende
Anerkennung posthum erhält.
Schloss Rheinsberg: Blick aus dem Schlosspark – Foto: Rüdiger
Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Erfahrt im Podcast möglichst viel aus seinem Leben, von seinen
politischen Einstellungen, seinem Bemühen um Kunst, Musik und
Kultur, seiner Orientierung nach Frankreich inklusive einer
adelsuntypischen Sympathie für die Aufständischen der
Französischen Revolution von 1789. Heinrich fiel aus dem Rahmen,
in jeder Hinsicht.
Leben für Lust, Literatur und Musik
Seine offen gelebte sexuelle Orientierung zum schwulen Leben war
außergewöhnlich. Darunter leiden musste seine Frau, die er
vermutlich nie geheiratet hätte, wäre nicht der Schlossbesitz
davon abhängig gewesen. Bruder Friedrich hatte nicht einfach
verschenkt, sondern daran eine Voraussetzung geknüpft: „Keine
Frau – kein Schloss!“
Dabei soll die Erwählte, Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel
aus außergewöhnlich schöne und attraktive Frau gewesen sein.
Heinrich kümmerte das nur wenig und irgendwann, war’s Wahrheit
oder Intrige, schickte er Wilhelmine nach Berlin ins frisch
erbaute Prinz-Heinrich-Palais. Das steht noch. Weiß jemand wo?
(Schreibt es gern in die Kommentare)
Spiegelsaal: Überbleibsel aus Friedrichs Zeiten – Foto: Rüdiger
Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD Schloss & Garten
Das Schloss lies er nach seinen Vorgaben umbauen. Sein Engagement
in Sachen Gestaltung des Schlossparks setzte Maßstäbe.In Briefen
beschäftigt er sich mitunter mit Tomantenzucht und -ernte.
Morgenstimmung im Rheinsberger Schlosspark – Foto: Rüdiger
Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Politisch vom Hof aufs Abstellgleis gestellt, beschäftigte er
sich mit Kultur und Musik. Die Aufführungen von Kammeropern in
Rheinsberg waren legendär. Französische Gäste meinten mitunter,
die Inszenierungen seien besser als am Hof von Versailles.
Heinrich wollte es wissen. Er ließ 1774 ein Schlosstheater bauen
für seine Aufführungen. Daneben entstand das Kavaliershaus für
Gäste am Hof. Der Name spricht Bände.
Schlosstheater & Kavaliershaus: Heute Musikkultur
Rheinsberg – Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
„Nebenbei“ war er durchaus als Diplomat erfolgreich, machte (auch
politische) Reisen und erzielte, trotz der „Kaltstellung“ in
Sachen Macht, bedeutende Erfolge für das Königreich Preußen.
Das Schloss
Im Podcast machen wir uns auf den Weg. Die Sonne scheint und ich
schlendere in Richtung See. Ist das ein Idyll. Das schöne und
trotzdem bescheidene Schloss, das glänzende Wasser und im
November ein fast leerer Park. Keine Menschenmassen. Wenn das die
Leute wüssten, wäre es voller, hier. Auf der Schlossterrasse
wartet Michael Fröhlich auf mich, um mir das Kleinod näher zu
bringen. Er weist, durchaus stolz darauf hin, dass es hier gerade
im Sommer ziemlich voll werden kann. Dann, wenn die Musikkultur
Rheinsberg ihr Festival durchführt.
Schlossterrasse – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD
Das Schloss selber beeindruckt. Heinrich hatte es auf seine
Bedürfnisse zugeschnitten. Er war nicht nur cleverer Diplomat und
Staatsmann, er hat auch gern gefeiert. Und das konnte dauern.
Wenn dann noch die Lieblingsverwandtschaft kam, wurde vorher
gebaut und anschließend lange gefeiert. Den perfekten Gastgeber
hat er immer gegeben.
Unterm Strich gibt es viel zu entdecken. Alles führt zur
Erkenntnis, dass er seine „Unbekanntheit“ nicht verdient hat.
Vielleicht liegt sein „Verschwinden“ auch daran, dass er nach
seinem Tod im Jahr 1802 jede Menge Schulden hinterließ. Ein
Großteil der Ausstattung musste in dieser Zeit verkauft werden.
Danach erlebte Schloss Rheinsberg eine wechselhafte Geschichte,
blieb aber im Besitz der Hohenzollern-Familie, bis zur Enteignung
durch die Sowjetische Verwaltung im Jahr 1945.
Grienericksee – Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media
TON-TEXT-BILD
In den Jahren der DDR war das Schloss ein Diabetiker-Sanatorium.
1990 ging es in den Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und
Gärten Berlin-Brandenburg über. Es begann die Zeit der
Restaurierung von Schloss und hauptsächlich auch von
Schlosstheater und Kavaliershaus. Letztere waren in den letzten
Kriegsmonaten 1945 noch schwer beschädigt worden. Als Ruine
musste dieser Teil bis in die 1990er Jahre auf eine Restaurierung
warten. Im Jahr 2000 begann der Betrieb des neuen
Schlosstheaters. Die Kammeroper Rheinsberg hatte genauso eine
Heimat, wie die Brandenburgische Musikakademie.
Musikkultur Rheinsberg Foto: Rüdiger Edelmann
/ ttb-media TON-TEXT-BILD
Drei Säulen vereinen und ergänzen sich hier in dieser
gemeinnützigen Organisation: Die Musikakademie Brandenburg, die
Kammeroper Rheinsberg und das Rheinsberger Schlosstheater.
Gemeinsam sind sie der Garant des kulturellen Lebens in Stadt und
Region und gleichzeitig Festivalveranstalter und pädagogisches
Aus- und Fortbildungshaus in Sachen Musik und Musikerziehung.
Was so theoretisch klingt ist eine ziemlich einzigartige
Musikinstitution, von der vor Jahren niemand glaubte, dass sie
einen so durchschlagenden Erfolg hat.
Erinnerungen machen, die Funken sprühen
Hier entsteht das Programm des jährlichen Kammeroper- und
Sommerfestivals. Im Podcast kommen sowohl der Leiter der
Musikakademie Felix Görg als auch der neue künstlerische Leiter
des Musikkultur Rheinsberg, Jelle Dierickx zu Wort.
Felix Görg, Leiter der Musikakademie (links) & Jelle
Dierickx, Künstl. Leiter Musikkultur Rheinsberg – Foto: Rüdiger
Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Ich bin nun weder Musikwissenschaftler noch Fachmann in Sachen
Oper, Kammeroper oder musikalische Bildung. Trotzdem hätte ich
mich mit Felix Görg und Jelle Dierickx stundenlang unterhalten
können. Sagt mir gern in den Kommentaren, ob Ihr genauso denkt.
Das musikalische Rheinsberg 2026
Anfang November wollte er noch nicht mit dem Programm für
2026 herausrücken. Inzwischen ist es veröffentlicht und
bietet manch Klassisches, wie mehrere Kammeropern, aber auch ein
Wandelkonzert, ein Liederabend für Wilhelmine und Heinrich und
gefeiert werden darf auch mit einem schwedischen Sommerfest.
Musikfreunde werden sicher auch in diesem Jahr von der
Vielfältigkeit der Musikkultur Rheinsberg begeistert sein.
Triangelplatz: Übergang zwischen Stadt und Schlosspark – Foto:
Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD Rheinsberg – Die
Stadt
Oder sollte ich Städtchen sagen? Es ist mit den rund 8.000
Einwohnern in der Tat nicht riesengroß. Aber Rheinsberg liegt
bezaubernd in sehr viel wundervoller Natur zwischen unendlich
vielen Seen und bietet eine verzaubernde Atmosphäre. Letztlich
bietet die Region fast Alles, was man für einen schönen Urlaub
braucht.
Rheinsberg: Die “neue” Altstadt – Foto: Rüdiger Edelmann /
ttb-media TON-TEXT-BILD Kulinarik
Da bin ich am Braten à la Fontane im Ratskeller im Stadtzentrum
hängengeblieben. Verlockend ist der gebratene Zander aus dem See
im Fischerhof, direkt am See.
Zander mit Senfsoße und Linsengemüse im Fischerhof – Foto:
Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Für die Kaffee- und Kuchenzeit empfehle ich zudem noch das Café
Claire am Kirchplatz. Ich hatte dort einen Birnen-Schmandkuchen
zum Niederknien.
Café Claire: Birnen-Schmandkuchen macht glücklich – Foto:
Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Übernachten
Hotels, große wie kleine gibt es einige. Mein Geheimtipp,
praktisch getestet, wurde der „Gasthof Endler“ direkt am
Triangelplatz. Von hier aus ist fast jede Attraktion in längstens
10 Fußminuten zu erreichen. Die Zimmer sind gemütlich und mit
allem ausgestattet, was mann und frau braucht.
Gasthof & Fleischerei Endler, Rheinsberg – Foto: Rüdiger
Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Meine besondere Empfehlung sind die unglaublich leckeren
Buletten, die die Hausmetzgerei täglich im Angebot hat und die
Übernachtungsgäste, mehr als oft, auch auf dem Frühstücksbüffet
finden.
Besichtigungen Haus der Stadtgeschichte –
Foto: Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD
Sehenswert ist das Haus der Stadtgeschichte. Hier kann man
wirklich tief in die Rheinsberger Historie eintauchen.
Wenn im Sommer die Sonne scheint, dann sollte man eigentlich auch
eine „schnieke“ Bootstour machen. Wandern oder „Böötchen fahren“
kann man ohnehin.
Bootstour ist eigentlich “Pflicht” – Foto: Rüdiger Edelmann /
ttb-media TON-TEXT-BILD Touristische Infos
…gibt es in der gut bestückten Tourist-Info in der Mühlenstraße.
Websites und weitere Infolinks findet Ihr unten in der Rubrik
Information & Links.
Randbemerkung: Hier auf der Seite findet Ihr jede Menge Fotos und
ich kann nur sagen: Wenn die Fotos schon im November so schön
werden, welches Paradies wartet da vermutlich erst im Sommer.
Rheinsberg und der Grienericksee am 05. November 25 – Foto:
Rüdiger Edelmann / ttb-media TON-TEXT-BILD Information
& Links Rheinsberg – Tourismus
Verein Stadtgeschichte Rheinsberg
Musikkultur Rheinsberg Stiftung Preußische
Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg 300 Jahre
Prinz Heinrich Brandenburgische
Seenplatte Reiseland Brandenburg
Rheinsberger Sommerfrische – Ein Reiseradio-Talk
Hinweis
Die Recherche für diesen Podcast wurde unterstützt von
Reiseland Brandenburg und seinen Partnern vor Ort. Meine Meinung
wurde nicht beeinflusst!
Ein dritter Teil wartet noch. Er ist der Grund für meine
ursprüngliche Motivation nach Rheinsberg zu fahren: Kurt
Tucholskys „Rheinsberg – Ein Bilderbuch für Verliebte”. Das folgt
zeitnah!
The post D-RR304 – Rheinsberg: Preußen, Prinzen, Paradiese
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