Die USA erklären Europa den Krieg | Von Michael Hollister

Die USA erklären Europa den Krieg | Von Michael Hollister

15 Minuten

Beschreibung

vor 2 Tagen

Analyse der neuen National Security Strategy


Ein Standpunkt von Michael Hollister.


1. Der Bruch, den niemand sehen will


Es ist eine Zäsur von historischem Ausmaß – und niemand redet
darüber. Während deutsche Politiker über „Kriegstüchtigkeit" und
„Siegfähigkeit" fantasieren, haben die Vereinigten Staaten längst
eine neue strategische Realität geschaffen: Europa ist für
Washington kein Partner mehr, sondern ein Risiko. In der neuen
National Security Strategy (NSS) der USA, analysiert von
Ex-UN-Inspektor Scott Ritter, wird Europa nicht nur auf die
Ersatzbank gesetzt – es wird als ideologischer Gegner bezeichnet,
als Bedrohung für die amerikanischen Interessen und Werte.


Wer jetzt noch von transatlantischer Freundschaft spricht, hat
das Memo nicht gelesen – oder will es nicht verstehen. Denn was
hier formuliert wird, ist eine kalte strategische Abrechnung: Die
USA wenden sich ab. Nicht abrupt, nicht militärisch. Sondern
planvoll, mit maximaler Wirkung. Erst energetisch entkoppeln.
Dann wirtschaftlich entwerten. Und am Ende politisch isolieren.
Was bleibt, ist ein Kontinent, der sich selbst überschätzt, sich
für unersetzlich hält – und dabei nicht einmal mehr als
verlässlicher Verbündeter gilt.


Es ist ein Bruch, der nicht kommen wird.


Er ist bereits da.


2. Der strategische Doppelschlag: Erst schwächen, dann
fallen lassen


Was Washington mit Europa macht, folgt keiner Laune. Es ist ein
strategischer Doppelschlag – und er sitzt.


Erster Schlag: Energetische und wirtschaftliche
Entkopplung.


Mit der Sabotage von Nord Stream – über deren Urheberschaft kein
ernstzunehmender Analyst mehr Zweifel hat – wurde Deutschland das
Rückgrat seiner Industrie gekappt. Der Verlust billiger
russischer Energie hat nicht nur die Produktionskosten
explodieren lassen, sondern auch Investitionen, Standorte, ganze
Wertschöpfungsketten aus dem Land getrieben. Nicht Russland,
nicht China – die USA haben Europa ökonomisch entwaffnet. Mit
voller Absicht.


Zweiter Schlag: Politische Abwertung und
Entsorgung.


Kaum ist Europa energetisch abhängig von amerikanischem LNG,
kommt der nächste Tritt – diesmal auf diplomatischer Ebene. Die
neue National Security Strategy macht klar: Europa ist kein
unverzichtbarer Partner mehr. Wörtlich heißt es, es sei
„alles andere als offensichtlich, ob bestimmte europäische
Länder über Volkswirtschaften und Streitkräfte verfügen werden, die
stark genug sind, um verlässliche Verbündete zu bleiben."

Europa ist, aus Sicht der USA, nicht mehr strategischer
Aktivposten – sondern Sicherheitsrisiko, Ideologie-Problem,
Bündnislast.
Die Reihenfolge ist entscheidend: Erst Stecker ziehen – dann
mit den Schultern zucken.

Was wie ein brutales Kalkül klingt, ist es auch. Die USA sichern
ihre Vormacht im globalen System, indem sie potenzielle
Gegenspieler frühzeitig neutralisieren. Deutschland, einst
geostrategisch prädestiniert für Vermittlung, Unabhängigkeit und
wirtschaftliche Stärke, wurde zum nützlichen Idioten, zur burned
asset. Und der Rest Europas gleich mit.


https://apolut.net/die-usa-erklaren-europa-den-krieg-von-michael-hollister/


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