Cui bono? - Jeffrey Epstein | Von Anna Zollner

Cui bono? - Jeffrey Epstein | Von Anna Zollner

24 Minuten

Beschreibung

vor 2 Wochen

effrey Epstein und die Frage, die niemand stellt: Cui
bono?


Über Kompromat, Machtarchitekturen und die Kunst, ein
Imperium parteiübergreifend auf Kurs zu halten.


Ein Standpunkt von Anna Zollner.


Bevor Jeffrey Epstein 2008 erstmals verurteilt wurde, hatte er
bereits seit den frühen 1990er-Jahren über mehr als ein Jahrzehnt
hinweg Zugang zu politischen, wirtschaftlichen und
sicherheitsnahen Eliten aufgebaut – unbehelligt, dokumentiert,
institutionell geduldet.


Epstein „wirkte“ lange, bevor er juristisch auffällig wurde.


In den 1990er-Jahren taucht er als Gastgeber, Vermittler und
Fixpunkt gesellschaftlicher Events auf. In dieser Zeit entstehen
stabile Routinen und belastbare Netzwerkstrukturen. Warnungen gab
es zuhauf, wurden aber immer folgenlos zu den Akten gelegt. Als
es in den 2000er-Jahren zu Hausdurchsuchungen in Epsteins
Manhattan-Townhouse kommt, ist das kein Anfang, sondern nur ein
Einschnitt in ein etabliertes System. Ein vorläufiger Einschnitt.


Material wird beschlagnahmt, katalogisiert – und anschließend von
den ermittelnden Behörden selbst entschärft. Keine
Kettenreaktion, kein Flächenbrand. Stattdessen staatliche
Vertuschung. Diese Vorgehensweise hält bis heute an.


Jeffrey Epstein war nie der Kern der Geschichte. Er war das
Fenster. Allerdings ein verspiegeltes Fenster. Wem es gelingt,
hinter dieses Fenster zu blicken, erkennt eine Machtarchitektur,
die sich selbst so diszipliniert hat, dass sie ohne sichtbare
Befehle funktioniert. Wer Epstein daher als isolierten
Sexualstraftäter liest, verpasst den eigentlichen Befund. Nicht,
weil Epsteins Verbrechen zweitrangig wären, sondern weil sie in
ihrer jahrelangen Straflosigkeit, ihrer institutionellen Duldung
und ihrer auffälligen politischen Folgenlosigkeit
erklärungsbedürftig sind.


Diese Straflosigkeit war kein Fehler, sondern ein organisiertes
Wegsehen. Anzeigen versandeten, Zuständigkeiten wechselten,
Verfahren wurden verschleppt. Hier existierte offensichtlich eine
schützende Hand im Hintergrund, was sich spätestens ab 2008 nicht
mehr leugnen lässt.


Der Deal von 2008 markierte nämlich einen Präzedenzfall: Epstein
verbüßte seine Strafe wegen organisierter Prostitution von
Minderjährigen nicht unter regulären Haftbedingungen, sondern
erhielt Sonderkonditionen – eine Art Belohnung. Er durfte das
Gefängnis tagsüber verlassen, außerhalb arbeiten und abends
zurückkehren. Dieses sogenannte „Work-Release“-Regime war
außergewöhnlich. Parallel blockierte ein Nichtverfolgungsabkommen
die Bundesebene und schloss mögliche Mitbeschuldigte ausdrücklich
ein. Ohne korrigierende Kraft im Hintergrund ist das nicht zu
erklären.


Offiziell verantwortlich war der damalige Bundesstaatsanwalt
Alexander Acosta, der später in die US-Regierung aufstieg. Auf
Nachfragen erklärte er Jahre später, man habe ihm signalisiert,
Epstein gehöre zu „wichtigen Leuten“. Was genau damit gemeint
war, blieb offen.


Alexander Acosta verschwand nach dem Epstein-Deal nicht aus dem
System. Im Gegenteil. Unmittelbar nach 2008 folgte kein Bruch,
keine Sanktion, keine juristische Überprüfung, sondern ein
nahtloser Aufstieg.


Von 2009 bis 2017 amtierte Acosta als Dekan der Florida
International University College of Law – eine akademische
Spitzenposition, die institutionelles Vertrauen signalisiert,
nicht Zweifel. 


...https://apolut.net/cui-bono-jeffrey-epstein-von-anna-zollner/


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