Die Spießer von der Antifa | Von Alvaro Zapata
17 Minuten
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Beschreibung
vor 2 Tagen
Warum die Vulkangruppe den Alltag braucht, den sie
verachtet
Ein Standpunkt von Alvaro Zapata.
Berlin, 3. Januar 2026. In den frühen Morgenstunden bricht im
Südwesten der Hauptstadt die Stromversorgung zusammen. Nicht
punktuell, nicht für Minuten, sondern flächig und über Stunden,
teils Tage. Betroffen sind Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und
Lichterfelde. Rund 45.000 Haushalte, dazu etwa 2.200 gewerbliche
und institutionelle Anschlüsse. Schulen bleiben geschlossen,
Kitas improvisieren, Pflegeeinrichtungen schalten auf Notbetrieb.
Aufzüge stehen still, Heizungen fallen aus, medizinische Geräte
laufen auf Reserve. Bei winterlichen Temperaturen. Es ist kein
technischer Defekt. Es ist Sabotage. Der Staatsschutz ermittelt
wegen Brandstiftung. Kurz darauf taucht ein Bekennerschreiben
auf. Absender: die Vulkangruppe.
Damit ist der Tatbestand klar. Und damit endet jede bequeme
Ausrede.
Denn was hier angegriffen wurde, ist kein Konzern, kein Investor,
kein „Symbol kapitalistischer Ausbeutung“. Angegriffen wurde der
Alltag. Das Nervensystem einer Stadt. Menschen, die nichts
entscheiden, nichts steuern, nichts repräsentieren. Pflegekräfte,
Kinder, Alte. Wer nach diesem Anschlag noch von „Industriekritik“
spricht, lügt.
Der Rückblick auf 2025 ist aufschlussreich. Damals traf es die
Gigafactory von Tesla in Grünheide. Die Deutung lag bereit wie
ein vorgefertigtes Textbausteinlager: Protest gegen
Großindustrie, Kritik am „grünen Kapitalismus“, Widerstand gegen
amerikanische Konzerne. Medien sortierten ein, Politik
relativierte, Kommentatoren diskutierten über Elon Musk. Den
bösen Trump-Fanboy. Alles passte. Alles war vertraut. Alles war
bequem.
Doch schon damals war das ein Kategorienfehler. Tesla war nicht
das Ziel. Tesla war die Bühne. Der Konzern bot Projektionsfläche,
moralische Anschlussfähigkeit, mediale Reichweite. Die Tat lebte
nicht von ihrer offiziellen Bedeutung, sondern von ihrer
Sichtbarkeit. Es ging den Attentätern vor allem um das
persönliche Vorkommen im öffentlichen Raum.
2026 fällt diese Tarnung in sich zusammen. Wer keine Fabrik mehr
angreift, sondern Wohnviertel. Wer nicht Produktionsmittel
sabotiert, sondern Pflegeheime und Schulen. Wer nicht Symbole
trifft, sondern Menschen im Alltag. Der betreibt keinen Protest.
Er betreibt Verunsicherung. Der Stromausfall ist kein
Kollateralschaden, er ist der Zweck.
Hinzu kommt ein Widerspruch, der fast komisch wäre, wäre er nicht
so entlarvend: Die Vulkangruppe ist auf eine funktionierende
Infrastruktur angewiesen, um ihre eigene Zerstörung überhaupt
wirksam werden zu lassen. Fiele der Strom wirklich flächig aus,
gäbe es keine Liveticker, keine Eilmeldungen, keine Talkshows,
keine Schlagzeilen. Ohne Netz kein Echo. Ohne Echo keine
Existenz. Diese Sabotage lebt vom Restbetrieb. Sie ist parasitär,
nicht revolutionär.
Die Täter sitzen währenddessen nicht im Dunkeln. Sie sitzen im
Warmen. Mit Strom. Mit Internet. Mit Endgeräten. Und sie
verfolgen genüsslich, wie ihr Name durch Tagesschau, Bild,
Frankfurter Allgemeine Zeitung und taz wandert. Das ist der
eigentliche Ertrag der Tat. Nicht die Abschaltung. Die Erwähnung.
Der Anschlag ist der Eintrittspreis in den Klatschspaltenbetrieb.
Die Infrastruktur ist das Ticketbüro.
An diesem Punkt verschiebt sich die Analyse zwangsläufig. Weg von
der Frage, wogegen diese Gruppe kämpft, hin zu der Frage, wovon
sie lebt. Die Antwort ist schlicht und unerquicklich: von
Aufmerksamkeit. Die Vulkangruppe braucht den „Spießer-Alltag“,
den sie rhetorisch verachtet, als Energiequelle. Ohne
funktionierende Normalität kein Blackout. Ohne Blackout keine
Schlagzeile. Ohne Schlagzeile keine Bedeutung.
...https://apolut.net/die-spiesser-von-der-antifa-alvaro-zapata/
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