Giftstoffe binden im Darm: Zeolith (Deep Dive)

Giftstoffe binden im Darm: Zeolith (Deep Dive)

Felix Moese & Matthias Baum
13 Minuten
Podcast
Podcaster

Beschreibung

vor 6 Tagen
Zeolith wird häufig als natürlicher Detox Helfer beworben: Ein
Mineral, das Giftstoffe, Schwermetalle und Umweltbelastungen aus
dem Körper ziehen soll. Die Vorstellung klingt einfach und
attraktiv. Entgiftung auf Knopfdruck. Biologisch betrachtet ist die
Grundidee nicht frei erfunden, doch sie wird oft deutlich weiter
erzählt, als es die Wissenschaft trägt. Zeolith ist kein einzelner
Stoff, sondern eine Gruppe kristalliner Aluminiumsilikate, die
sowohl natürlich als auch synthetisch vorkommen. Charakteristisch
ist ihre poröse Gitterstruktur. Sie wirkt wie ein mikroskopischer
Schwamm mit elektrischer Ladung. Genau dadurch können Zeolithe
bestimmte geladene Teilchen binden. Dieser Vorgang ist kein
biochemischer, sondern ein physikalischer Prozess über Adsorption
und Ionenaustausch. In diesem HEALTH NERDS Deep Dive ordnen
Podcast-Host Felix Moese und Gesundheitswissenschaftler Matthias
Baum ein, was diese Bindung tatsächlich bedeutet. Entscheidend ist
der Ort des Geschehens. Zeolith wirkt ausschließlich im Darmlumen –
der Grenzfläche zur Außenwelt. Substanzen, die sich im Darm
befinden oder dort entstehen, etwa Ammonium, bakterielle
Stoffwechselprodukte oder bestimmte Metallionen, können unter klar
definierten Bedingungen gebunden und anschließend ausgeschieden
werden. Damit endet jedoch auch der realistische Wirkbereich.
Zeolith gelangt nicht in den Blutkreislauf und kann keine
systemisch zirkulierenden Giftstoffe aus Blut, Gewebe oder Organen
entfernen. Aussagen, Zeolith könne Schwermetalle aus dem Blut
ziehen oder den Körper ganzheitlich entgiften, sind
wissenschaftlich nicht haltbar. Auch für eine direkte Regeneration
der Darmschleimhaut gibt es keine belastbare Evidenz. Häufig
zitierte Effekte beziehen sich auf einzelne Marker wie Zonulin, die
für sich allein keine Aussage über eine umfassende Barriereheilung
erlauben. Ein weiterer zentraler Punkt ist die fehlende
Selektivität. Zeolith bindet nicht nur potenziell unerwünschte
Stoffe, sondern auch erwünschte. Mineralstoffe, Spurenelemente,
Vitamine und sogar Medikamente können gebunden werden, wenn sie
zeitgleich eingenommen werden. Deshalb ist Abstand in der Einnahme
zwingend erforderlich und ein unkritischer Dauereinsatz
problematisch. Wann kann Zeolith dennoch sinnvoll sein? Vor allem
als temporäres, symptomorientiertes Instrument. Etwa bei akuter
Darmunruhe oder in therapeutisch begleiteten Phasen, wenn eine
erhöhte Belastung im Darmlumen vermutet wird. Nicht als
Allheilmittel, nicht als systemisches Detox Werkzeug und nicht als
Ersatz für körpereigene Entgiftungsprozesse über Leber, Niere und
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