Miriam Hoff: Die Therapeutin und Miss Germany im Interview über Erste Liebe

Miriam Hoff: Die Therapeutin und Miss Germany im Interview über Erste Liebe

54 Minuten

Beschreibung

vor 1 Monat

 
Zusammenfassung: Erste Liebe

Ein Gespräch zwischen Heinrich Schimpf und Miriam Hoff


In diesem tiefgreifenden Dialog reflektieren der erfahrene Arzt
und Analytiker  Heinrich Schimpf und die Psychotherapeutin
sowie Autorin Miriam Hoff (bekannt als „Die Punkttherapeutin“)
über die Herausforderungen des Heranwachsens. Im Zentrum stehen
dabei die Themen Body Shaming, die erste Liebe und die
fundamentale Bedeutung der therapeutischen Bindung als heilendes
Element.
1. Die Fragilität des Selbstbildes im Jugendalter

Ein Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf der Diskrepanz zwischen
objektiver Erscheinung und subjektivem Erleben. Miriam Hoff
berichtet aus ihrer Praxis von einer Zunahme an Essstörungen
(Anorexie, Bulimie) und Körperschema-Störungen bei jungen
Mädchen. Auffällig ist, dass oft gerade jene Jugendlichen, die
gesellschaftlichen Schönheitsidealen entsprechen, unter massiven
Selbstzweifeln leiden.


Schimpf ergänzt dies durch eine persönliche Perspektive: Er
schildert, wie seine eigene Körpergröße von 1,63 m zeitweise ein
erhebliches Hindernis in seinem Selbstempfinden darstellte. Dies
verdeutlicht, dass Unsicherheiten über den eigenen Körper –
unabhängig vom tatsächlichen Aussehen – tiefgreifende
narzisstische Erschütterungen auslösen können, die oft in der
Kindheit wurzeln.
2. Therapeutische Ansätze: Spiegelung und Containing

Miriam Hoff erläutert ihr therapeutisches Vorgehen, das primär
tiefenpsychologisch fundiert ist, jedoch verhaltenstherapeutische
Elemente (wie Gedankenstopps) integriert.




Beziehungsarbeit: Das zentrale Wirkprinzip ist nicht das
bloße Abarbeiten von Manualen, sondern die therapeutische
Beziehung selbst.




Korrigierende Erfahrung: Viele Jugendliche haben in der
frühen Kindheit keine adäquate positive Spiegelung durch die
Eltern erfahren. Die Therapeutin übernimmt hier eine
„Nachbeederung“: Durch bedingungslose Annahme und das Prinzip
des Containings bietet sie den Patienten die „glänzenden
Augen“, die für die Entwicklung eines stabilen Selbstwerts
essenziell gewesen wären.




Glaubwürdigkeit: Hoff nutzt ihre eigene Biografie als
ehemalige Miss Germany und Model strategisch. Wenn sie
Patienten ihre Attraktivität spiegelt, besitzt dies eine
besondere Authentizität, die den Jugendlichen hilft, ihre
„Defizit-Brille“ abzusetzen.


3. Der Umgang mit realen körperlichen Einschränkungen

Ein besonders bewegender Teil des Gesprächs widmet sich
Patienten, die tatsächlich mit objektiven körperlichen
Benachteiligungen kämpfen. Schimpf berichtet von einer Patientin
mit Facies Leontina (schwerste Akne-Vernarbung), bei der die
Therapie darin bestand, Trauer und Resignation zu überwinden, um
trotz der Entstellung ein lebenswertes Leben zu führen.


Miriam Hoff ergänzt dies durch Erfahrungen mit körperlich
behinderten Jugendlichen. Hier ist die therapeutische
Herausforderung besonders groß, wenn Themen wie die erste Liebe
und die Partnerwahl relevant werden. Die Realität der sozialen
Ausgrenzung (z.B. beim Tanzkurs) kann nicht wegdiskutiert werden.
Stattdessen muss der Fokus auf die inneren Werte – Kreativität,
Musikalität, Charakter – gelenkt werden, um ein „Grundgerüst des
Selbstwertes“ zu bauen, das über das Äußere hinausgeht.
4. Partnerwahl und der Einfluss moderner Medien

Die Gesprächspartner kritisieren die moderne Tendenz, Menschen
nach rein messbaren äußeren Kriterien zu bewerten (das „1 bis
10“-Schema).




Medialer Druck: Social Media suggeriert eine Normalität von
Perfektion (keine Poren, kein Fett, perfektes Haar), die in
der Realität kaum existiert.




Authentische Begegnung: Schimpf verweist auf die Bedeutung,
Partner im natürlichen Umfeld (Schule, Arbeit, Uni)
kennenzulernen. Dort wird der Mensch in seiner Gesamtheit –
Mimik, Sprache, Interaktion – wahrgenommen, was die Fixierung
auf isolierte optische Merkmale mindert.


5. Retrospektive: Jugendlicher Druck vs. reife Gelassenheit

Interessante Unterschiede zeigen sich in der persönlichen
Rückschau. Während Miriam Hoff die Jugendjahre (15–20) als
magische Zeit der „Knospen“ und unbeschwerten Verliebtheit in
Erinnerung hat, beschreibt Dr. Schimpf diese Phase als eine Zeit
des enormen Drucks und der Versagensängste, insbesondere im
Hinblick auf sexuelle Begegnungen.


Für Schimpf waren die letzten 25 Jahre – geprägt durch eine
stabile Partnerschaft und die Familie – die glücklichsten. Diese
Differenz verdeutlicht, dass die „erste Liebe“ sowohl ein
Geschenk als auch eine schmerzhafte Entwicklungsaufgabe sein
kann.
6. Ratschläge an das jüngere Ich

Zum Abschluss formulieren beide Therapeuten wertvolle Ratschläge
für junge Menschen:




Miriam Hoff: Mehr Mut zum Genuss, weniger Angst vor
Zurückweisung. Man sollte sich klarmachen, dass das Gegenüber
oft die gleichen Ängste teilt.




 Heinrich Schimpf: Mehr Gelassenheit und weniger Glauben
an die Prahlereien Gleichaltriger. Vor allem betont er die
Wichtigkeit, das Sprechen über Gefühle zu lernen – eine
Fähigkeit, die seiner Generation oft fehlte.


Fazit

Das Gespräch unterstreicht, dass Psychotherapie weit mehr ist als
Symptombehandlung. Sie ist ein Raum für korrigierende
Beziehungserfahrungen, der es ermöglicht, den Blick von
vermeintlichen äußeren Makeln auf den inneren Kern zu lenken. Ob
durch Miriam Hoffs neues Buch „Mindset Detox“ oder Schimpfs
Reflexionskarten – das Ziel bleibt die Stärkung des Selbstwerts
in einer Welt, die zunehmend auf Oberflächlichkeiten fixiert ist.


 

Weitere Episoden

Sterbebegleitung in der Praxis
56 Minuten
vor 2 Wochen
Was ist Demenz?
17 Minuten
vor 2 Monaten
ADHS, gibt es das?
17 Minuten
vor 2 Monaten

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15