76: Wolfsforschung unter Beschuss

76: Wolfsforschung unter Beschuss

Ein wissenschaftlicher Reality-Check mit Prof. Kurt Kotrschal
50 Minuten
Podcast
Podcaster

Beschreibung

vor 3 Monaten
Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass der berühmte
österreichische Biologe und Verhaltensforscher Prof. Kurt Kotrschal
im Wolfspodcast zu Gast war. Heute spricht Sabine mit dem
emeritierten Professor der Universität Wien und Mitbegründer des
international renommierten Wolf Science Centers über die aktuellen
Entwicklungen rund um den Wolf in Österreich und Europa –
Entwicklungen, die in nur einem Jahr eine enorme Dynamik angenommen
haben. Zentrale Themen des Gesprächs: • Wissenschaft unter Druck:
Wie fühlt es sich für Forschende an, wenn politische Entscheidungen
der Datenlage widersprechen? Und hätte jemand geahnt, wie sich die
Debatte um den Wolf zuspitzen würde? • Rechtlicher Rahmen &
EU-Recht: Der Wolf ist in Österreich wie in Deutschland durch
EU-Recht streng geschützt. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs
aus dem Jahr 2024 stellt klar: Eine Bejagung ist im derzeit
schlechten Erhaltungszustand nicht zulässig. Trotzdem erlassen
mehrere Bundesländer – etwa Tirol, Salzburg und Kärnten – weiterhin
Abschussverordnungen, die zum Teil bereits als rechtswidrig
beurteilt wurden. • Österreichs Erhaltungszustands-Meldung: Die
verpflichtende Meldung an die EU-Kommission ist inzwischen rund elf
Monate überfällig. Ob und wann sie erfolgt, ist unklar. Ebenso
unklar ist die Datenbasis, auf die sich Österreich stützen möchte –
in manchen Bundesländern fehlt Monitoring nahezu vollständig. Klar
ist für Kotrschal: Ein günstiger Erhaltungszustand kann aktuell
nicht seriös gemeldet werden. • Wissenschaftlicher Faktencheck:
Thesen von Wildökologe Sven Herzog (Spiegel 48/2025): Im Gespräch
werden zentrale Aussagen des TU-Dresden-Professors eingeordnet, der
ein stark jagdlich geprägtes Naturbild vertritt. Es geht u. a. um:
• die Behauptung, Wölfe müssten zur Erhaltung ihrer Scheu bejagt
werden • Luderplätze und deren Einfluss auf das Verhalten von
Beutegreifern • Forderungen nach lokaler Bejagung in sensiblen
Regionen Kotrschal bewertet diese Thesen wissenschaftlich und
spricht offen über problematische Vereinfachungen in der
öffentlichen Diskussion. • Die ökologische Rolle des Wolfes: Warum
Wölfe für stabile, genetisch gesunde Wildtierpopulationen
unverzichtbar sind – und warum menschliche Jagd das nicht ersetzen
kann. Kurt Kotrschal kritisiert die politische und jagdliche
Stimmung gegenüber dem Wolf und warnt vor einer schleichenden
Wiederausrottung, die nicht nur ökologisch, sondern
gesamtgesellschaftlich ein Fehler wäre. • Blick über die Grenze –
die Niederlande: Während des Gesprächs sitzt Kurt Kotrschal in
einem Camper in Renkum am Rand der Veluwe. In diesem
niederländischen Schutzgebiet haben sich in wenigen Jahren elf
Rudel etabliert – und das Land kommt damit erstaunlich gut zurecht.
Ein spannender Vergleich zu Österreich, wo weitaus weniger Wölfe
leben, die Konflikte aber ungleich größer erscheinen. Diese Episode
bietet eine fundierte, wissenschaftlich basierte Einordnung der
aktuellen Wolfsdebatte, räumt mit Mythen auf und zeigt, warum ein
sachlicher Umgang mit dem Thema wichtiger ist denn je.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

MarcusFallen
Burgbernheim - Schwebheim
15
15