Die beste Urlaubs Checkliste
Neulich plauderte ich nach einer Einzelsitzung noch ein wenig mit
Klaus. Wir standen im Flur, er zog seine Schuhe an und war
guter Dinge. Er hatte sich etwas Großes vorgenommen und nach
[…]
9 Minuten
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Beschreibung
vor 10 Jahren
Neulich plauderte ich nach einer Einzelsitzung noch ein wenig mit
Klaus. Wir standen im Flur, er zog seine Schuhe an und war
guter Dinge. Er hatte sich etwas Großes vorgenommen und nach
unserer Sitzung konnte er frohgemut darauf zugehen.
Nun ging es aber erstmal in den Urlaub. Er schwärmte davon, wie
er die Sonne genießen werde, wie seine Frau sich freuen
wird, dass er nun guter Dinge ist und dass er, so befreit, wie er
sich jetzt fühlt, der Charmebolzen sein kann, den sie so
mag. Dann bräuchte er nur noch ein bisschen Ruhe, gutes
Essen und frische Luft und der Urlaub wäre perfekt. Er strahlte
mich an und gab mir die Hand. Ich nahm sie und zögerte einen
Augenblick. Unsere Sitzung war beendet, er war schon fast
aus der Tür und fröhlich schien er auch zu sein.
Allerdings hatte ich, der ich ein geübter Hörer von belastenden
Glaubenssätzen bin, in seinen Abschiedsworten potentiellen
Stress gehört. Ich wollte mich vergewissern und fragte nach:
„Und was, wenn nicht? Was, wenn die Sonne nicht
scheint? Was, wenn Dir gar nicht danach zumute sein sollte,
der Charmebolzen zu sein? Wenn die Luft nicht frisch, das
Essen nicht lecker und der Urlaubsort nicht wirklich ruhig
ist?“ Also ich hatte solche „Überraschungen“ schon
erlebt. Nicht, dass ich vorhatte, ihm die Laune zu verderben
oder ihm den Urlaub madig zu machen. Dennoch schaute Klaus
plötzlich unglücklich drein. Er knickte im Körper etwas
ein. Dann sah er mich verständnislos an. „Was meinst Du
damit?“
Ich fragte: Kannst Du Dir denn sicher sein, dass all diese Dinge
auf Deiner Urlaubs Checkliste auch eintreten?
„Nö“ sagte er kleinlaut „kann ich nicht.“
„Und wie ist Dein Urlaub nachher, wenn Du diese Dinge nicht
bekommst?“
„Ja blöd“, sagte er und sein Gesichtsausdruck war ein großes
Fragezeichen.
Ich atmete einmal tief ein und fragte:
„Wer wärest Du jetzt, vor dem Urlaub, OHNE Dein Konzept, wie Dein
Urlaub zu sein hat?
Ohne die Idee, wie Du sein musst und was Du brauchst, damit das
ein schöner Urlaub wird?
Ohne diese möglicherweise stressige Urlaubs Checkliste?“
Klaus hatte unbewusst eine stressige
Urlaubs Checkliste
„Hm“, sagte Klaus und setzte sich auf den Stuhl in meinem
Flur. Er stellte sich vor, wie es wohl ohne seine genauen
Vorstellungen über den Urlaub wäre. „Also, wenn ich keine
Bedingungen an den Urlaub habe, meinst Du das? Ich nickte.
Oft sind Konzepte, die wir uns zurecht legen, gut
gemeint. Wir wollen nur das Beste. Und wenn wir bekommen,
was wir uns wünschen – fein. Aber was, wenn nachher alles
anders ist? Muss dann der ganze Urlaub im Eimer sein?
„Na ja“, sagte Klaus. „Ohne meine Bedingungen wäre ich ganz
offen.
Dann packe ich meinen Koffer, fahre woanders hin – und mal
sehen, was passiert.“
„Und wie ist das für Dich?“
„Ganz gut“ sagte er und sein Gesicht hellte sich wieder
auf.
„Nein, warte mal – ich merke, das ist nicht nur ‚ganz gut‘. Das
ist richtig toll. Dann lass ich das Leben rein. Dann MUSS
die Sonne nicht scheinen. Und ich muss nicht charmant sein.
Dann stehen ganz andere Punkte auf meiner Urlaubs
Checkliste. Ich darf dann sein, wie ich halt gerade bin
…einfach da sein, und mal sehen…dann lass ich mich überraschen,
was so passiert. Krass“ sagte er und sprang auf. „Das ist ja
noch besser! Sogar viel besser!“
Eine Urlaubs Checkliste ohne
Bedingungen
Ich lachte, freute mich aufrichtig und reichte ihm die
Hand. „Na dann, schönen Urlaub, wünsch ich Dir!“
Lies hier, wie Du ohne stressige Glaubenssätze den Kopf
freibekommst.
Und den wünsch ich Euch auch. (Mir übrigens auch – in zwei Tagen
gehts los.) Ich werde mich jedenfalls überraschen
lassen. Meine Intuition hab ich ja immer dabei und die wird
mir zeigen, was ich mag und was nicht. Was steht denn auf
meiner Urlaubs Checkliste?
Nix.
Echt?
Wenn die Sonne scheint – super. Wenn nicht – super. Wenn ich
an der Sonnenscheinbedingung nicht festhalte,
wird sich mit Sicherheit irgend etwas anderes schönes finden, was
wir machen können.
Und Du?
Hast Du genaue Vorstellungen über Deinen Urlaub und wie der
verlaufen muss? Was steht auf Deiner Urlaubs
Checkliste? Und wärest Du unglücklich, wenn diese
Vorstellungen sich vor Ort nicht einlösen? Wenn das Essen
nicht so ist, wie Du möchtest, Dein Partner sich nicht von
seiner obercharmanten Seite zeigt, die Sonne nicht scheint?
Es zu heiß oder zu kalt ist? Das Hotel auf einer Baustelle
liegt? Und liegt all das in Deiner Hand? Kannst Du wirklich
machen, dass Du diese Dinge bekommst?
Wenn nicht, probiere doch mal, wie es wäre, wenn diese
Bedingungen nicht auf Deiner Urlaubs Checkliste stünden. Am
Ende sind diese Bedingungen ja nur Gedanken. Gedanken, die Du
glaubst. Und das Leben (und vielleicht auch der Urlaub)
machen am Ende ja doch, was sie wollen.
Neulich durfte ich schon ein Stück von diesem Kuchen kosten. Ich
war unterwegs, eine Art Kurzurlaub, wollte zurück nach
Berlin und kam pünktlich 15 Minuten vor Abfahrt meines
Zuges am Münchner Hauptbahnhof an. Wer nicht kam, war mein
Zug. Aber nicht nur mein Zug kam nicht, sondern überhaupt
kein Zug kam. Keiner! Wie ich erfuhr, brannte es auf den
Gleisen kurz vor München und verständlicherweise wollte die
Bahn die Stelle erst einmal räumen, bevor dort wieder Züge
fahren konnten.
Und?
Hab ich mich geärgert?
War ich sauer und habe geschimpft, dass die Dinge nicht so
liefen, wie ich sie mir gedacht hatte?
Nein. Fasziniert stand ich vor der Anzeigetafel. Nichts ging
mehr. Und das für alle. Höhere Gewalt, quasi. Mein Plan
für diesen Tag wurde durcheinander gebracht und in
mir stellte sich ein kleines Abenteuergefühl ein.
Ändern konnten wir die Situation sowieso nicht.
Ich griff zum Telefon und verschob die drei Termine, die für
diesen Abend noch im Kalender standen. Immer noch stand an
der Anzeigetafel: „Züge fallen heute aus…“ Und das fühlte sich
gut an. Ich kann nicht immer alles beeinflussen und unsere
Welt ist keine Maschine, die auf Hochleistungsexaktheit
arbeitet. Alles lebt, bewegt sich, arbeitet, verändert sich, und
lehrt uns, dass es nicht sinnvoll ist, Dinge zu fest zurren
zu wollen.
Es gibt keine Sicherheiten. Für niemanden.
Ich kann es gar nicht hinkriegen, dass mein Leben immer so
läuft,
wie ich mir das ausgedacht habe. Unmöglich. Na bloß gut!
Ein kluger Spruch für
die Urlaubs Checkliste
Wie ging der Spruch noch gleich?
„Leben ist das, was passiert, während Du eifrig dabei
bist, andere Pläne zu machen.“
Und ob er nun von John Lennon oder von Goethe ist, oder noch
jemand ganz anderes
ihn zuerst ausgesprochen hat – et kütt wie et kütt (Rheinisches
Grundgesetz)
und hinterher ist man immer schlauer.
Hast Du auch noch einen schlauen Spruch, der dazu passt?
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