Die Frau im Kapitalismus
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Beschreibung
vor 6 Jahren
Juristisch gleichgestellt, moralisch geachtet, schlecht behandelt
Die Frau im Kapitalismus
Auch nach der längst erreichten rechtlichen Gleichstellung
mit dem Mann, auch nachdem Frauen heute die Mehrheit der
Abiturienten und dabei die mit den besseren Noten, in
vielen Studiengängen die Mehrheit der Studenten stellen,
nachdem sie manche vordem als Männerdomänen bekannte
Berufsfelder erobert haben, gibt es noch immer genug
Diskriminierung und sexuelle Unterdrückung des
weiblichen Geschlechts. Frauen führen den Kampf dagegen,
indem sie der Männerwelt den Vorwurf machen, nach wie vor den
fälligen Respekt für die Selbstbestimmung und eine
selbstbewusste Rolle der Frau zu verweigern, in einem alten
Denken und gestrigen Rollenbildern der Geschlechter zu
verharren. Mit der Forderung nach Respekt rennen die
Protagonisten der Geschlechtergerechtigkeit überall – in
Politik, Öffentlichkeit und schon gleich im akademischen
Bereich – offene Türen ein. Sieht man von ganz
konservativen Kreisen, die vom traditionellen
Familienbild nicht lassen wollen, und von den Kultfiguren
des Gangsta-Rap ab, gibt es keine Stimme, die vor den Frauen
als vollwertigen, beruflich und überhaupt
selbstbestimmten Mitgliedern der Gesellschaft nicht den Hut
ziehen würde. Überall gibt es Gleichstellungsbeauftragte,
Frauenförderung und Frauenlehrstühle; an Unis und im
linken Milieu ist das „Gendern“ verbreitet: Durch die
Modifikation von Wörtern und Grammatik besteht man darauf,
dass in jedem Satz, in dem von menschlichen Subjekten die
Rede ist, der Frau noch einmal eigens gedacht und ihr die Ehre
erwiesen wird. Woran liegt es dann, dass der allgemein
bekräftigte gute Wille nicht viel ändert an den sozialen
Benachteiligungen, Beleidigungen, An– und Übergriffen,
die Frauen erfahren? Woran liegt es, dass die offizielle
Moral sich von der praktisch gelebten so trennt? Anders
gefragt: Haben die gesellschaftlichen Positionen und
Rollen, auf die die Frauen festgelegt sind, nicht doch
handfestere Gründe als frauenfeindliche Vorurteile der
Männer, Gründe, denen man mit dem Einfordern und Abliefern
von Respektbezeugungen überhaupt nicht beikommt?
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