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Zur Lage der arbeitenden Klasse in Deutschland

Frankfurt, November 2023

‚Die Lage der Arbeiterklasse‘ – was soll das sein? Eine
Geschichtsstunde über das 19. Jahrhundert, Manchester? Oder über
die stolze Vergangenheit des Ruhrgebiets mit seinen Kohlekumpeln?
Oder über den unterdrückerischen Arbeiter-und-Bauern-Staat im
deutschen Osten, den es längst nicht mehr gibt? Überhaupt:
‚Arbeiter‘? Wer heutzutage so daherredet, macht sich lächerlich,
outet sich als dogmatischer marxistischer Romantiker. Denn jeder
weiß doch: Große Industriebelegschaften in Blaumännern sind total
out, sie sind kein passendes Bild für die heutige Berufswelt,
denn die ist vor allem unverkennbar vielseitig und bunt. Stimmt.
Da verdienen Liefer-Helden und Digital Natives mit ihrem Laptop
bzw. auf dem Fahrrad Geld, ganz frei und individuell. Es gibt
Jobs für alle Kompetenzniveaus, persönliche Vorlieben und auch
für knappe Zeitbudgets, und jeder Posten steht allen
Geschlechtern offen. In den Büros, den klassischen wie denen im
eigenen Wohnzimmer, wird KI- und Cloud-gestützt gearbeitet, ohne
antiquierte Stechuhr zu Vertrauensarbeitszeiten… Und? Gibt es da
etwa keinen gemeinsamen Nenner? Kennt den nicht auch jeder,
irgendwie? Die modernen Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse
hinter all dem bunten Lack und den vielen Buzzwords mögen alles
Mögliche sein, in seltsamer Eintönigkeit sind sie vor allem
ziemlich prekär. Das gilt denselben Leuten, die über die neuen
digitalen Möglichkeiten so gerne staunen, inzwischen als so
normal, dass ausgerechnet die biederen, bescheidenen Arbeits- und
Lebensverhältnisse der Blaumänner aus dem vorigen Jahrtausend wie
ein ferner Traum anmuten: ‚Diese Zeiten‘, so hört man, mit
lebenslanger Betriebszugehörigkeit, „Samstags gehört Vati mir“
und geregeltem Feierabend, sind für die Masse der erwerbstätigen
Menschheit ‚nun mal einfach vorbei‘. Wer sich heutzutage zur
Stammbelegschaft in einem großen Industrieunternehmen zählen
darf, um die sich nebenbei noch eine gewerkschaftliche Lobby
kümmert, gilt da schon als jemand, der es gut getroffen hat…
Angeboten wird eine abweichende Bilanz über die modernen
Arbeitsverhältnisse in Deutschland und darüber, wie sehr die
politische Obrigkeit mit all ihrer Zuwendung in der aktuellen
Inflationslage praktisch davon ausgeht, dass sie es bei ihrem
Erwerbsbürgervolk nach wie vor mit einer lohnarbeitenden Klasse
zu tun hat. Auch wenn von der niemand mehr etwas wissen will; am
wenigsten die Betroffenen selbst.
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„Zur Lage der arbeitenden Klasse in Deutschland“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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