Podcaster
Episoden
15.11.2025
1 Minute
Trumps Zollkrieg
US-Imperialismus 2.0
Dass „wir“ Trump nicht leiden können, ist in Deutschland und
Europa ausgemachte Sache in den etablierten Kreisen von Politik
und Öffentlichkeit. Letztere bewährt sich darin, alle Register
der Hetze zu ziehen, mit der sie bisher eher die Unholde
östlicher und südlicher Weltgegenden dem Publikum zwecks
herzlicher Verachtung nahegebracht hat. Das nehmen die Vertreter
der wirklichen Politik gern zur Kenntnis — zum Leitfaden ihres
Umgangs machen sie diese Hetze aber nicht: Sie üben sich in
berechnendem Opportunismus, wenn sie mit Trump zu tun haben,
und geben damit den parteilichen Kommentatoren die
teilnahmsvoll idiotische Frage auf, ob sie das mehr als Klugheit
feiern oder als Eingeständnis von Machtlosigkeit peinlich
finden sollen. An Trump stören eben in Wirklichkeit nicht die ihm
nachgesagten Untugenden, sondern der Inhalt seiner Politik und
die Macht, mit der er diese verfolgt. Darum will unser Vortrag
auf die imperialistische Konsequenz aufmerksam machen, die in
Trumps Bruch mit den Verkehrsformen und Rechnungsweisen der
bisherigen Weltwirtschaftsordnung steckt. Das erpresserische
Eintreiben von Tribut bei allen Handelspartnern ist seine Antwort
auf den Widerspruch der globalen Konkurrenzordnung zum Nutz und
Frommen des einen, sie stiftenden Konkurrenten. Und er kann das
wegen der ungeheuren Leistung, die die vielgerühmte
„regelbasierte Weltwirtschaft“ für ihren amerikanischen Urheber
erbracht hat.
00:00 Einleitung
05:46 Trumps Krisendiagnose
29:13 Der Widerspruch des US-Weltmarkts
49:33 Die Zollwaffe, ihre Anwendung und ihre unmittelbaren
Ziele
56:56 Ein neues Stadium der imperialistischen Konkurrenz
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28.04.2025
1 Minute
Das Elend des gewerkschaftlichen „Kampfs um Arbeitsplätze“
Deutsche Gewerkschaften kämpfen, so kennt man es, in regelmäßigen
Tarifrunden für bessere Nominallöhne. Dass ihre Mitglieder das
wegen ihrer regelmäßig verschlechterten Reallöhne offenbar nötig
haben, interessiert oder stört dabei in dieser Republik
niemanden. Stattdessen stört die sich schon immer an den
Lohnkämpfen, die deswegen stattfinden und die ihr inzwischen als
altmodisch und endgültig aus der Zeit gefallen gelten. Deutsche
Gewerkschaften sind aber nicht altmodisch. Die größte von ihnen,
die IG Metall, führt es vor: Ganz zeitgemäß kämpft sie um etwas
anderes als um höhere Löhne oder bessere Arbeitsbedingungen,
nämlich um Arbeitsplätze – so als ob die für sich schon etwas
Nützliches für Arbeiter wären. Ob man um so etwas überhaupt
kämpfen kann und was man dann davon hat, braucht diese
Gewerkschaft sich dabei nicht mehr zu fragen – sie hat beides
schon längst beantwortet: Im Namen der Arbeitsplätze ihrer
Mitglieder begleitet sie seit Jahrzehnten die Verbilligung der
von ihr vertretenen Belegschaften während aller Flauten und aller
Konjunkturen des deutschen Standortes. Zuletzt und prominent bei
VW, wo die IG Metall per Lohnverzicht dabei mitwirken darf, bis
2030 bundesweit 35.000 Stellen sozialverträglich abzuwracken und
die weiterhin Beschäftigten um ein paar Milliarden Euro zu
verbilligen. Deutsche Gewerkschaften verraten damit nicht ihren
eigentlichen Sinn und Zweck, sondern bringen ihn von seinem
elenden Ausgangspunkt her an ein gerechtes Ende. Darum soll es
auf der Veranstaltung gehen.
00:00:00 Der Fall
00:14:48 Wie die IG Metall ihr erzieltes Ergebnis sieht und
bespricht
00:37:30 Die Logik des "Arbeitsplatzes" und der elendige
gewerkschaftliche Standpunkt, ihn "sichern" zu wollen
00:55:58 Die letzte Bedingung der Beschäftigungssicherheit:
Kapitalistischer Erfolg des Unternehmens
1:04:45 Diskussion
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31.01.2024
1 Minute
Buchvorstellung
Demokratie
Die perfekte Form bürgerlicher Herrschaft
Freie Wahlen werden amtlich als Kernstück der Demokratie
geschätzt. In der Demokratie, heißt es, wird nicht einfach
regiert – das Volk erteilt per Abstimmung den Auftrag zur
Wahrnehmung der Staatsgeschäfte. Weniger amtlich betrachten
Politiker wie Wähler diese Veranstaltung ohne solche
Ehrerbietung. Demokratische Politiker nehmen Wahlen nüchtern als
Bedingung und Gelegenheit, auf Kosten der Konkurrenten an die
Macht zu gelangen. Und mündige Bürger haben Wahlen längst als
Schwindel durchschaut. Wählen gehen sie selbstbewusst ohne
Illusionen, damit etwas zu ‚bewirken‘ oder zu ‚verändern‘. Sowohl
die hohe Meinung über die hehren Grundsätze demokratischer
Machtausübung wie auch das abschätzige Urteil über die praktische
Betätigung des Volkswillens übergehen allerdings, was das
Institut der freien Wahlen tatsächlich leistet: Mit den
Wahlkreuzen legitimiert sich immerhin eine Herrschaft, die sich
auf ihre Unabhängigkeit von ihrer Basis – vom ‚Druck der Straße‘
– viel zugute hält und von ihrer Freiheit regen Gebrauch macht.
Und auch wenn es aufgeklärten Zeitgenossen ‚letztlich doch egal‘
ist, von wem sie regiert werden; egal sollte es ihnen nicht sein,
dass sie von ihrer demokratisch gewählten Herrschaft alle
Lebensbedingungen serviert bekommen, mit denen sie praktisch
zurechtkommen müssen. Die Sendung ist als Video hier abrufbar:
https://www.youtube.com/watch?v=CGO6kM2hIy4
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13.11.2023
1 Minute
Der Ukraine-Krieg
Blutiges Lehrstück über den Segen staatlicher Souveränität und
menschlicher Moral
Seit über anderthalb Jahren tobt in der Ukraine ein Krieg:
staatliche russische gegen ukrainische Gewalt in bekannt
gigantischem Ausmaß. Deutsche Außenpolitikerinnen haben diesen
Krieg – von dem sie permanent erklären, dass er wegen eines
Mangels an deutschem Waffennachschub keinesfalls enden darf und
wird – ihrem Volk vom ersten Tag an als moralische Sache
vorgelegt: Russland ist schuld an der schlimmen Gewalt, die
Ukraine hat alles Recht, sich zu verteidigen, also mit mindestens
demselben Maß an Gewalt zu antworten. Argumente dafür gibt es
allerhand. Die zielen alle darauf, dass der Mensch sich gleich in
Form der gewünschten Antwort die Frage vorlegt, wer von den
beiden in Kiew und Moskau residierenden Kriegsherren darf, was er
tut, und wer nicht. Im Ernst soll man als der Wicht, der man bloß
ist, sich in die Pose des Richters über die Gewalt von Staaten
begeben, die weit jenseits dessen liegt, woran man als Individuum
praktisch mit seinem Urteil überhaupt heranreicht. Obwohl die
längst und immer weiter stattfindende Gewalt belegt, dass sich
deren staatliche Kommandeure vom eigenen Urteil darüber, ob man
sie selbst erlaubt hätte, wenn sie einen nur vorher gefragt
hätten, genauso wenig abhängig machen, wie von der
„Verurteilung“, also dem ideellen Verbot, das man ihnen noch
nicht einmal förmlich zustellen kann. Auf die ganz verkehrte
Frage, ob Staaten ihre Kriege erlaubter- oder unerlaubterweise
gegeneinander führen, gibt es darum auch in diesem Fall
ausschließlich verkehrte Antworten. Die bestehen stets in dem
Fehler, ausgerechnet die politisch begründete Gewalt von Staaten
mit den Maßstäben menschlicher Moralvorstellungen und
Empfindungen zu beurteilen, obwohl Menschen nichts als die
Manövriermasse und das Verschleißmaterial der kriegführenden
Höchsten Gewalten sind.
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01.11.2023
1 Minute
Zur Lage der arbeitenden Klasse in Deutschland
‚Die Lage der Arbeiterklasse‘ – was soll das sein? Eine
Geschichtsstunde über das 19. Jahrhundert, Manchester? Oder über
die stolze Vergangenheit des Ruhrgebiets mit seinen Kohlekumpeln?
Oder über den unterdrückerischen Arbeiter-und-Bauern-Staat im
deutschen Osten, den es längst nicht mehr gibt? Überhaupt:
‚Arbeiter‘? Wer heutzutage so daherredet, macht sich lächerlich,
outet sich als dogmatischer marxistischer Romantiker. Denn jeder
weiß doch: Große Industriebelegschaften in Blaumännern sind total
out, sie sind kein passendes Bild für die heutige Berufswelt,
denn die ist vor allem unverkennbar vielseitig und bunt. Stimmt.
Da verdienen Liefer-Helden und Digital Natives mit ihrem Laptop
bzw. auf dem Fahrrad Geld, ganz frei und individuell. Es gibt
Jobs für alle Kompetenzniveaus, persönliche Vorlieben und auch
für knappe Zeitbudgets, und jeder Posten steht allen
Geschlechtern offen. In den Büros, den klassischen wie denen im
eigenen Wohnzimmer, wird KI- und Cloud-gestützt gearbeitet, ohne
antiquierte Stechuhr zu Vertrauensarbeitszeiten… Und? Gibt es da
etwa keinen gemeinsamen Nenner? Kennt den nicht auch jeder,
irgendwie? Die modernen Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse
hinter all dem bunten Lack und den vielen Buzzwords mögen alles
Mögliche sein, in seltsamer Eintönigkeit sind sie vor allem
ziemlich prekär. Das gilt denselben Leuten, die über die neuen
digitalen Möglichkeiten so gerne staunen, inzwischen als so
normal, dass ausgerechnet die biederen, bescheidenen Arbeits- und
Lebensverhältnisse der Blaumänner aus dem vorigen Jahrtausend wie
ein ferner Traum anmuten: ‚Diese Zeiten‘, so hört man, mit
lebenslanger Betriebszugehörigkeit, „Samstags gehört Vati mir“
und geregeltem Feierabend, sind für die Masse der erwerbstätigen
Menschheit ‚nun mal einfach vorbei‘. Wer sich heutzutage zur
Stammbelegschaft in einem großen Industrieunternehmen zählen
darf, um die sich nebenbei noch eine gewerkschaftliche Lobby
kümmert, gilt da schon als jemand, der es gut getroffen hat…
Angeboten wird eine abweichende Bilanz über die modernen
Arbeitsverhältnisse in Deutschland und darüber, wie sehr die
politische Obrigkeit mit all ihrer Zuwendung in der aktuellen
Inflationslage praktisch davon ausgeht, dass sie es bei ihrem
Erwerbsbürgervolk nach wie vor mit einer lohnarbeitenden Klasse
zu tun hat. Auch wenn von der niemand mehr etwas wissen will; am
wenigsten die Betroffenen selbst.
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Über diesen Podcast
Vorträge mit Redakteuren der politischen Vierteljahreszeitschrift
GegenStandpunkt
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