Die Wohnungsfrage im Kapitalismus

Die Wohnungsfrage im Kapitalismus

Beschreibung

vor 6 Jahren

Die Wohnungsfrage im Kapitalismus


Es herrscht akute Wohnungsnot. Wie immer mangelt es nicht an
guten Vorschlägen, wie diesem Problem zu begegnen wäre:
Aktivisten wettern gegen Auswüchse der Spekulation und
Preistreiberei, die man politisch allemal verbieten oder bremsen
könnte; progressive Parteien fordern einen Mietendeckel und sogar
Enteignungen. Dann wären die Mieten vielleicht wieder bezahlbar.
Eigentümergesellschaften und ihre freidemokratischen
Interessenvertreter können vor so etwas nur warnen: Wenn man den
Eigentümern Vorschriften macht und Fesseln beim Mietpreis anlegt,
dann lohnen sich Investitionen in neue Wohnungen nicht mehr und
unterbleiben deswegen; dann ist der Wohnraum knapp und dann
– da kennen sie sich aus – steigen die Mieten doch nur
noch weiter. Das Gegenteil – Abräumen der Schranken für ihr
Geschäft – würde helfen, dann klappt’s vielleicht auch
wieder mit dem Wohnen. Man kann gar nicht sagen, in diesem Disput
hätte eine Seite recht und die andere nicht. Recht haben sie
beide in dem Sinne, dass genau so die politische Betreuung der
Wohnungsfrage im Kapitalismus geht: Ermächtigung und Beschränkung
als Hebel der Politik. Unrecht haben sie insofern, als das
ausgerufene Problem weder so noch anders garantiert nicht
‚gelöst‘ wird. Denn wo Grund und Boden durch die Macht des
Staates zu privatem Eigentum gemacht sind und als stattliche
Einkommensquelle lizenziert werden, sind die Ansprüche des
Grundeigentums so unhintergehbar wie unvereinbar mit den
Wohnansprüchen eines in der Erwerbsarbeit eingehausten Volkes und
den Erträgen aus dieser seiner Einkommensquelle. Die
‚Wohnungsfrage‘ ist deswegen so alt wie der Kapitalismus selbst
und ist als solche überhaupt nicht ‚zu lösen‘. Allen erregten
Gemütern, die das – mindestens für ihren Kiez –
unmöglich glauben können, und allen, die ansonsten an einer
Kritik der politischen Ökonomie des Grundeigentums interessiert
sind, können wir das beweisen …

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