Ich habe mich in letzter Zeit über die Post geärgert. Und zwar weil
ich ein Päckchen verschicken wollte und drei Möglichkeiten nicht
funktioniert haben. Kennst du das auch? Früher war das etwas
anders, da funktionierte das System noch besser. Also dachte ich
mir: Ich mache einfach eine Slow German-Episode über die Geschichte
der deutschen Post. Die Geschichte der Post in Deutschland beginnt
im Mittelalter. Damals wurden Nachrichten und Briefe von Boten
überbracht, die zu Fuß oder mit dem Pferd unterwegs waren. Diese
Boten waren oft sehr mutig, denn die Wege waren gefährlich und
lang. Im Jahr 1490 gründete der römisch-deutsche Kaiser Maximilian
I. das erste Postwesen. Es war eine private Organisation, die von
der Familie von Thurn und Taxis geleitet wurde. Diese Familie
spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Post. Sie bauten
ein Netzwerk von Poststationen auf, die es ermöglichten, Briefe und
Pakete schneller zu transportieren. Übrigens ist die Familie von
Thurn und Taxis heute eine der reichsten Familien Deutschlands. Im
18. und 19. Jahrhundert wurde die Post immer wichtiger. Die
Preußische Post war eine der bekanntesten Postorganisationen in
Deutschland. Im Jahr 1850 wurde das preußische Postwesen
verstaatlicht und die „Königlich-Preußische Post“ entstand. Diese
Organisation führte viele Neuerungen ein, wie zum Beispiel
einheitliche Posttarife und Briefmarken. Ein interessantes und
kurioses Detail aus dieser Zeit ist die Einführung des „Posthorns“.
Das Posthorn war ein Musikinstrument, das die Postboten benutzten,
um ihre Ankunft anzukündigen. Es war ein wichtiges Symbol der Post
und ist auch heute noch im Logo der Deutschen Post zu sehen. Wenn
du in Deutschland mal eine Postfiliale siehst, dann achte unbedingt
auf dieses Logo! Mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs im
Jahr 1871 wurde die Post zur Reichspost. Das bedeutete, dass es nun
eine einheitliche Postorganisation für ganz Deutschland gab. Die
Reichspost führte viele neue Dienstleistungen ein, wie zum Beispiel
den Paketdienst und den Telegrammdienst. Ein Telegramm konnte man
fast in Echtzeit schicken, das war eine Revolution damals. Denn
denk dran: E-Mails gab es natürlich noch nicht, und so ein Brief
brauchte schon einige Tage, bis er beim Empfänger ankam. In der
Weimarer Republik wurde die Post weiter modernisiert. Es gab nun
auch Luftpost und die ersten mechanischen Sortieranlagen. Die Post
spielte eine wichtige Rolle im Alltag der Menschen und war ein
Symbol für Fortschritt und Modernität. Nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde die Post in Deutschland in zwei getrennte Organisationen
aufgeteilt: die Deutsche Bundespost in Westdeutschland und die
Deutsche Post der DDR in Ostdeutschland. Die Deutsche Bundespost
führte viele Innovationen ein, wie zum Beispiel das
Postleitzahlensystem. Im Jahr 1961 wurde das vierstellige
Postleitzahlensystem eingeführt, um die Zustellung von Briefen und
Paketen zu beschleunigen. Meine Postleitzahl, als ich ein Kind war,
war 8011. Aber dann, im Jahr 1993, wurde zu fünfstelligen
Postleitzahlen gewechselt. Das ganze System wurde umgestellt. Die
neue Postleitzahl meiner Heimatgemeinde ist seitdem 85586. Das war
eine ganz schöne Umstellung, ich erinnere mich noch gut daran. Aber
zurück in die Geschichte. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands
im Jahr 1990 wurde die Deutsche Post AG gegründet. AG steht für
Aktiengesellschaft. Diese Organisation vereinte die Postdienste aus
Ost- und Westdeutschland. Damit war die Post kein staatliches
Unternehmen mehr, sie wurde privatisiert. Die Deutsche Post
AG ist heute die größte Postorganisation in Europa und eine der
größten weltweit. Sie beschäftigt über 500.000 Menschen und liefert
Millionen von Briefen und Paketen täglich aus. Seit 2023 heißt der
Konzern DHL Group. Wie ist mein Eindruck der Deutschen Post?
Als ich ein Kind war, kannten wir unseren Postboten. Das war immer
der gleiche Mann, der uns jeden Tag die Post brachte. Heute saust
der Postbote mit einem Elektrofahrrad durch die Gegend, und er
wechselt häufig. Und natürlich sind da auch Frauen dabei! Während
früher jeder Ort eine Postfiliale hatte, kann man seine Pakete
mittlerweile in sogenannten Paketshops abgeben. Das sind Schalter,
die in Supermärkten oder anderen Geschäften aufgemacht wurden.
Reine Postfilialen gibt es nicht mehr viele und wenn dann sind
deren Öffnungszeiten nach meiner Erfahrung kurz. Aber ich will hier
nicht jammern - gut dass es die Post gibt. Ich schreibe dennoch
viel weniger Briefe als früher, weil ich das meiste über E-Mails
abwickeln kann. Ob wir in 20 Jahren noch Briefkästen haben? Was
meinst du?Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg279kurz.pdf
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