Barbara hat mir eine Mail geschrieben. Sie reist im Juli nach
Deutschland und möchte nicht als Touristin auffallen. Sie ist 50
Jahre alt und fragt, ob sie Jeans tragen kann, oder ob sie einen
Rock anziehen soll. Ich finde es toll, dass sie sich über so etwas
Gedanken macht! Also werde ich in dieser Folge über Kleidung
sprechen. In der Umgangssprache kann man Kleidung auch Klamotten
nennen. Früher gab es einen großen Unterschied zwischen Ost- und
Westdeutschland, was Kleidung angeht. Heute ist dieser
Unterschied viel kleiner geworden. Überhaupt werden die
Unterschiede immer kleiner, weil es in jeder Stadt die gleichen
Geschäfte gibt. Der Grund dafür ist die Globalisierung – viele
Läden sind Ladenketten. Also gibt es in jeder Stadt einen C&A,
H&M, Benetton oder Esprit. Weil viele Deutsche ihre Kleidung
über das Internet bestellen, sehen auch die meisten Deutschen
ähnlich aus. Generell gibt es wenige Regeln, was die Kleidung
angeht. Schuluniformen gibt es in Deutschland nicht, Kinder können
anziehen, was sie wollen. Teenager tragen natürlich sehr modische
Kleidung – die Jungs mögen Baggy Pants, momentan tragen alle auch
wieder Chucks an ihren Füßen. Das sind diese Basketball-Schuhe von
Converse. Auch Leggings sind wieder in Mode. Es sieht momentan
alles so aus wie in den 80er-Jahren. Junge Erwachsene kleiden sich
unterschiedlich, je nachdem ob sie auf dem Land wohnen oder in der
Stadt. Es spielt auch eine Rolle, was sie beruflich machen. Wer im
Büro arbeitet, trägt natürlich sehr offizielle Kleidung. Männer
tragen einen Anzug, Frauen entweder einen Hosenanzug oder ein
Kostüm (also ein Jackett und einen Rock). Zu Jackett kann man
übrigens auch Blazer oder Sakko sagen. In den Großstädten sind
viele Menschen modisch gekleidet. In Berlin sieht man viele sehr
„schräge“ Outfits, die Frauen haben dort oft einen sehr
individuellen, kreativen Stil. Ansonsten haben sehr viele Menschen
einfach Jeans und T-Shirts an, das ist immer in Ordnung im Alltag.
Ich kann aber sagen, was hier eher unüblich ist und was die
Deutschen zum Beispiel von Amerikanern unterscheidet. Fangen wir an
mit alten Menschen. In den USA haben viele alte Menschen Jeans an
und tragen Baseball-Kappen. Das macht in Deutschland niemand. Alte
deutsche Frauen – und damit meine ich Frauen ungefähr ab 75, tragen
in den meisten Fällen Röcke. Junge Frauen seltener. Hosen sind
praktischer, deswegen tragen viele junge Frauen Hosen. Mir fallen
amerikanische Touristen oft dadurch auf, dass sie weiße Socken
tragen. Tennissocken. Und dazu weiße Turnschuhe. Das macht kaum ein
Deutscher. Hier trägt man eher dunkle Schuhe. Viele Touristen
fallen auch durch ihre Taschen auf, oder durch ihre Fotoapparate.
Und sie kaufen gerne Sweatshirts, wo groß „University of Harvard“
draufsteht oder „Hofbräuhaus München“. Aber das ist alles nicht
schlimm. Was mich stört: Touristen benehmen sich oft sehr laut –
das trifft aber auch auf Deutsche im Ausland zu. Mein Tipp daher:
Jeans und T-Shirt ist tagsüber in Ordnung, im Sommer wenn es heiß
ist auch gerne ein Kleid oder ein Rock. Aber auch dazu darf man
bequeme Schuhe tragen, denn als Tourist in Deutschland muss man
viel zu Fuß gehen. Der Sommer kann in Deutschland sehr wechselhaft
sein. Mal ist es kalt und es regnet, dann scheint wieder die Sonne
und es ist heiß. Daher empfehle ich allen Besuchern den so
genannten Zwiebellook. Ein T-Shirt, einen Pullover, eine leichte
Jacke und eventuell noch ein Regencape dabeihaben. Das ist das
perfekte Touristenoutfit. So kann man auch in Museen gehen oder in
Kirchen, und es ist kein Problem. Und immer dran denken: In
Deutschland gibt es noch nicht so viele Gebäude mit Klimaanlage wie
in den USA! Es kann also auch drinnen richtig warm werden. Einen
Unterschied gibt es allerdings noch zwischen USA und Deutschland:
Während es in Amerika niemanden stört, dass man in Bermuda-Shorts
in ein Fünf-Sterne-Hotel geht, wäre das in Deutschland undenkbar.
Wer hier in ein teures Hotel oder ein teures Restaurant geht,
sollte sich entsprechend elegant und teuer kleiden. Ich finde es
wichtig, dass man sich in seiner Kleidung wohl fühlt. Dann hat man
eine selbstsichere Ausstrahlung und andere Menschen werden solch
einen Touristen bestimmt sympathisch finden. Und falls Du gerne
einkaufen gehst, liebe Barbara, dann geh doch in Deutschland
shoppen und suche Dir typisch europäische Kleidung! Viel Spaß
wünsche ich Dir auf Deiner Reise! Musik habe ich auch wieder mit
dabei, und zwar diesmal von Simon Saiz das Stück „Echte Liebe –
wenn der Mond lacht“ vom Podsafe Music Network. Text der Episode
als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg28kurz.pdf
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