Timo aus Finnland zieht im Herbst nach Deutschland. Er hat mich
gefragt, wie man hier eine Wohnung findet. Ich bin ja selber gerade
erst umgezogen, daher werde ich versuchen, es zu erklären. Am
einfachsten ist es natürlich über Mundpropaganda. Das heißt man
hört über Freunde oder die Familie, dass irgendwo eine Wohnung frei
wird. Aber so funktioniert das eben nicht immer. Also muss man
entweder in Tageszeitungen eine Anzeige aufgeben oder die Anzeigen
im Immobilienmarkt lesen, also in dem Teil der Zeitung, in dem es
um Wohnungen und Häuser geht. Oder man sucht im Internet, die
größte Börse ist hier immobilienscout24.de. In Deutschland misst
man die Größe einer Wohnung erstmal in Zimmern. Eine
2-Zimmer-Wohnung heißt also, man hat Küche, Bad und zwei Zimmer.
Bei einer 4-Zimmer-Wohnung hat man Küche, Bad und vier Zimmer. Aber
Vorsicht: Oft ist die Küche leer. Das bedeutet, es gibt zwar einen
Raum für die Küche, aber es gibt dort keine Möbel, keine Geräte.
Der Raum ist leer. Man muss also oft noch viel Geld investieren und
eine komplette neue Küche kaufen, wenn man eine Wohnung mieten
will. Ihr werdet oft die Abkürzung EBK sehen, das bedeutet
Einbauküche. Wenn das also bei einer Anzeige dabeisteht, bedeutet
das, die Wohnung hat eine Küche. Die Größe einer Wohnung wird
natürlich auch in Quadratmetern gemessen. Wobei es einen
Unterschied gibt: Wenn zum Beispiel ein großer Balkon oder eine
Terrasse dabei sind, dann werden diese Flächen nicht ganz
mitgezählt. Wer also 30 Quadratmeter Terrasse hat, bei dem wird das
als 15 Quadratmeter Nutzfläche berechnet. Kompliziert, oder? Noch
zwei wichtige Unterschiede: Kaltmiete und Warmmiete. Bei der
Warmmiete ist alles inklusive. Das ist also der Betrag, den man
wirklich an den Vermieter zahlen muss. Normalerweise steht in
Anzeigen aber nur die Kaltmiete. Zur Kaltmiete hinzu kommen die so
genannten Nebenkosten. Das sind Kosten für die Müllabfuhr, das
Wasser, die Heizung, manchmal auch für die Beleuchtung des Hauses
oder den Kabelanschluss. Stromkosten und Telefonkosten zahlt man
normalerweise direkt an die Strom- oder Telefonkonzerne, das hat
mit dem Vermieter nichts zu tun. Wenn man dann im Internet oder in
einer Zeitung eine Wohnung gefunden hat, macht man einen
Besichtigungstermin. Manchmal organisiert diese Termine der
Vermieter selber. Normalerweise aber übernimmt das ein Makler. Man
darf sich also die Wohnung ansehen und Fragen stellen. Oft ist die
Konkurrenz groß, vor allem in Städten wie München. Viele Menschen
wollen die Wohnung haben, und der Vermieter kann sich für einen
Mieter entscheiden. Damit ihm diese Entscheidung leichter fällt,
verlangt er meist eine so genannte Selbstauskunft. Das ist ein
Blatt Papier, ein Formular, auf dem der potenzielle Mieter
Informationen über sich selbst ausfüllt. Welchen Beruf er hat,
wieviel Geld er verdient, wo er vorher gewohnt hat, manchmal sogar
ob er ein Instrument spielt (wegen der Lautstärke) oder nicht. Wenn
dann alles in Ordnung ist, kann man den Mietvertrag unterschreiben.
All das ist natürlich mit Kosten verbunden. Der Makler verlangt
eine so genannte Provision. Diese darf bis zu 2,38 Monatsmieten
hoch sein. Das heißt, angenommen die Miete kostet 1000 Euro Miete,
dann zahlt man 2380 Euro an den Makler. Der Vermieter verlangt dann
noch eine Kaution. Meistens sind das auch drei Mal die Kaltmiete –
also in unserem Fall auch rund 3000 Euro. Wenn dann noch eine Küche
bereits eingebaut ist, oder zum Beispiel ein Einbauschrank,
verlangt der Vormieter eine Ablöse. Man kauft ihm also die Küche
und den Schrank ab. Kein Wunder, dass die Deutschen nicht so gerne
umziehen, oder? Damit man versteht, was in Wohnungsanzeigen steht,
ist diese Liste aus der Wikipedia sehr nützlich, mit allen
Abkürzungen: Abkürzungen bei Wohnungsanzeigen Und wieder deutsche
Musik zum Schluss, diesmal von Störte Priester das Stück „Heiliges
Kind“, die neue CD der Band ist ab 1. August auf dem Markt. Text
der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg32kurz.pdf
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