Endlich ist der Frühling da. Und das bedeutet für mich: Ich hole
mein Fahrrad aus dem Keller. Viele Deutsche fahren zwar auch im
Winter mit ihrem Rad, aber ich nicht. Mir macht das nur Spaß, wenn
es warm ist. Im Frühling muss ich das Fahrrad erst einmal putzen
und die Kette neu ölen. Dann muss ich die Reifen aufpumpen, weil
sie sonst zu wenig Luft haben. Noch ein kurzer Bremsen-Check – und
schon kann es losgehen. Ein Fahrrad besteht aus zwei Reifen, die
mit Speichen bestückt sind. Man setzt sich auf den Sattel und tritt
in die Pedale. Mit dem Lenker kann man die Richtung bestimmen, und
eine Klingel haben die meisten Fahrräder auch, um zu warnen. Damit
man auch nachts gesehen wird, hat das Rad vorne und hinten ein
Licht und zwischen den Speichen orangefarbene Reflektoren,
Katzenaugen genannt. Man kann entweder mit einer Bremse am Lenker
bremsen oder mit einer Rücktrittbremse durch die Pedale. Viele
Räder haben eine Gangschaltung, damit man mal schneller und mal
langsamer treten kann und so leichter vorwärtskommt. Wenn man
jemanden mitnehmen möchte, kann sich dieser entweder auf die
Lenkerstange setzen oder hinten auf den Gepäckträger. Viele
Deutsche fahren Fahrrad. Manche von ihnen sehen das Radfahren als
Sport, sie tragen enge Trikots und einen Helm und brausen so
schnell es geht durch das Land. Andere fahren lieber gemütlich
herum und sehen sich die Landschaft an. Zu denen gehöre ich auch.
München ist ein wahres Radfahr-Paradies. Radfahrer haben ihre
eigenen Radwege, die von den Autostraßen getrennt sind. An manchen
Kreuzungen gibt es sogar kleine Ampeln nur für Radfahrer. Und
eigene Straßenschilder, die die Entfernung zu bestimmten Orten
anzeigen. So kann man schöne Radtouren machen. Für mich ist das
Fahrrad eine Möglichkeit, mich sehr schnell in der Stadt zu
bewegen. Wenn ich von meiner Wohnung aus zu meinem Arbeitsplatz
fahren möchte, brauche ich mit dem Auto 20 Minuten – und muss dann
einen Parkplatz suchen. Mit der Straßenbahn brauche ich zwar nur 11
Minuten, aber oft muss ich lange warten, bis eine Bahn kommt. Mit
dem Fahrrad bin ich in 15 Minuten dort – und habe gleichzeitig ein
wenig Sport gemacht. Letztes Jahr habe ich von meinen Eltern einen
Fahrradhelm geschenkt bekommen. Kinder sind es in Deutschland
gewöhnt, einen solchen Helm zu tragen. Ich bin es noch nicht – aber
ich versuche ihn so oft wie möglich aufzusetzen. So ist die
Verletzungsgefahr bei einem Unfall viel kleiner. Übrigens lernen
die Kinder in Deutschland sehr früh, Fahrrad zu fahren. Manche
benützen dafür so genannte Stützräder. Das sind kleine Räder, die
man rechts und links an das Fahrrad montiert. So wird aus dem
Fahrrad ein Rad mit vier Rädern, das nicht umfallen kann. In der
Grundschule gibt es dann einen speziellen Unterricht bei der
Polizei. Sie zeigen auf einem Verkehrsübungsplatz, welche Regeln
man als Fahrradfahrer beachten muss. Bis zum achten Lebensjahr
dürfen Kinder mit ihrem Fahrrad auf dem Gehweg fahren. Danach
müssen sie auf der Straße bei den Autos fahren. Normalerweise
nehmen Autofahrer Rücksicht auf die Fahrradfahrer – aber leider
nicht immer. In großen Städten gibt es meistens auch Sightseeing
mit dem Fahrrad. Da kann man sich dann ein Fahrrad ausleihen und
mit einer Gruppe von Touristen durch die Stadt fahren und sich
alles zeigen lassen. Wer kein eigenes Fahrrad hat und trotzdem
gerne radeln möchte, der kann sich ein Fahrrad mieten. Die Deutsche
Bahn bietet diesen Service an, er heißt „Call a Bike“. Diese
silbern-orangefarbenen Fahrräder stehen überall herum, und man kann
sie mit einem Telefonanruf freischalten. Nach der Benutzung sperrt
man das Fahrrad wieder ab und gibt Bescheid, wo es steht. Dieser
Service ist aber leider nicht kostenlos. Begeisterte Radfahrer
radeln übrigens auch gerne mehrere Tage lang in ihrem Urlaub. Zum
Beispiel kann man einmal um den Bodensee fahren, oder bis nach
Venedig. Dafür braucht man aber ordentlich Kondition, um so lange
in die Pedale zu treten! So, genug geradelt! Jetzt erstmal Musik,
und zwar „Kleine Geschichten“ von Phil und Pete. Text der Episode
als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg49kurz.pdf
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