Momentan ist eines der größten Themen die Finanz- und
Wirtschaftkrise. Fan hat mich nun gebeten, über das deutsche
Bankwesen zu sprechen, und das werde ich gerne tun. Es gibt viele
sehr bekannte deutsche Banken, zum Beispiel die Deutsche Bank oder
die Commerzbank. In Deutschland gibt es sehr wenige Privatbanken,
dafür aber viele öffentlich-rechtliche oder genossenschaftliche
Banken. Das ist alles etwas kompliziert, im Grunde kann man sagen,
es gibt drei verschiedene Arten von Banken in Deutschland. Zum
einen gibt es die Genossenschaftsbank – eine Genossenschaft ist
eine bestimmte Rechtsform. Die bekannteste Genossenschaftsbank in
Deutschland ist wohl die Volks- und Raiffeisenbank. Die zweite Art
ist eine öffentlich-rechtliche Bank, zum Beispiel eine Sparkasse.
Das Hauptziel der Sparkassen ist nicht, Gewinne zu erzielen.
Vereinfacht gesagt geht es ihnen mehr um den Bürger als um das
Geld. So sollte es zumindest sein. Die dritte Bankenart ist die
Privatbank. Was kann man bei einer Bank alles machen? Zunächst mal
hat man oft schon als Kind die Möglichkeit, das ersparte Geld zur
Bank zu bringen. Ich erinnere mich, dass ich ein Sparschwein hatte
– das war ein Schwein aus Porzellan, das oben einen Schlitz hatte.
Dort konnte man Münzen hineinwerfen. Wenn das Schwein voll war,
wurde es zur Bank gebracht und das Geld auf ein Sparkonto
eingezahlt. So haben viele deutsche Kinder gelernt, zu sparen.
Später eröffnet man bei der Bank ein Girokonto. Das passiert meist
dann, wenn man anfängt zu arbeiten und regelmäßige Einnahmen hat.
Ein Girokonto ist sehr praktisch. Man kann viele Zahlungen
automatisieren, das nennt man dann einen Dauerauftrag. Ich habe es
zum Beispiel so eingerichtet, dass an jedem ersten Tag im Monat das
Geld für die Miete automatisch von meinem Konto auf das Konto
meiner Vermieterin überwiesen wird. Schecks werden in Deutschland
nur noch sehr selten von Privatpersonen verwendet. Stattdessen gibt
es so genannte Einzugsermächtigungen. Ich habe zum Beispiel einen
Vertrag unterschrieben, und dieser Vertrag erlaubt meinem
Stromanbieter, dass er jeden Monat oder jedes Quartal Geld von
meinem Konto abbuchen darf. Er holt sich also das Geld selber, das
der Strom kostet. Das gleiche gilt für die Heizung, das Wasser,
Versicherungen und ähnliches. Daher muss ich mich um nichts mehr
kümmern, alles ist automatisiert. Wenn ich einer anderen Person
Geld schicken möchte, weil ich zum Beispiel bei eBay etwas gekauft
habe, dann kann ich das Geld überweisen. Eine Überweisung ist ein
Blatt Papier, ein Formular. Dort trage ich meinen Namen ein und
meine Kontonummer, und den Namen und die Kontonummer des Menschen,
bei dem ich etwas gekauft habe. Dann noch den Geldbetrag, und einen
so genannten Verwendungszweck, also ein Stichwort, damit der
Verkäufer weiß, wofür das Geld gedacht ist. Diese Überweisung gebe
ich dann bei der Bank ab, und das Geld wird überwiesen. Noch
einfacher ist es online – die meisten Banken bieten mittlerweile in
Deutschland Online-Banking an. Hier kann ich online ausfüllen, wem
ich Geld schicken möchte, und alles geht ganz schnell. Damit die
Bank weiß, dass nur ich Zugriff auf das Konto habe, hat sie mir
einen Online-Zugang eingerichtet, der mit einem Passwort geschützt
ist. Dieses Passwort habe ich per Post zugeschickt bekommen.
Außerdem muss ich jede Transaktion, also zum Beispiel jede
Überweisung, mit einer TAN-Nummer bestätigen. Diese TAN-Nummern
bekommt man ebenfalls per Post geschickt. Natürlich kann man auch
in Deutschland längst mit Plastik bezahlen. Das bedeutet, man kann
Plastikkarten benutzen, um zu bezahlen. Am weitesten verbreitet
sind ec-Karten. EC steht dabei für Electronic Cash. Mit so einer
Karte kann ich auf mein Girokonto zugreifen. Zum Beispiel kann ich
an einem Bankautomaten Geld abheben. Dafür muss ich die ec-Karte in
den Automaten einführen, dann meine PIN-Nummer eingeben, das sind
vier Zahlen, und dann kann ich Bargeld abheben. Ich kann mit der
ec-Karte auch einkaufen. Im Supermarkt fragt mich die Kassiererin
dann entweder nach meiner PIN-Nummer, die man dann selber eintippen
muss, oder man muss einen Bon unterschreiben, also einen
Kassenzettel. Das geht einfach und schnell. Praktisch ist auch,
dass man mit der ec-Karte oft auch in ganz Europa bezahlen kann,
und zwar immer dann, wenn auf der Karte auch das „Maestro“-Zeichen
abgedruckt ist. Kreditkarten sind in Deutschland auch verbreitet,
aber es ist noch nicht üblich, dass man kleine Beträge mit der
Kreditkarte bezahlt. Vor allem amerikanische Ketten wie Starbucks
akzeptieren zwar Kreditkarten auch für einen Kaffee, oft aber ist
es nicht so. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die
Kreditkartengesellschaften wie VISA oder Mastercard Gebühren vom
Verkäufer verlangen. Sein Gewinn ist also geringer, wenn der Kunde
mit Karte bezahlt. Vor allem in Tankstellen oder Restaurants und in
Kaufhäusern kann man aber ohne Probleme mit der Kreditkarte
bezahlen. Natürlich gibt es noch viele weitere Funktionen einer
Bank. Man kann Geld auf so genannte Festgeldkontos legen, bei denen
man dann höhere Zinsen bekommt. Man kann Aktien kaufen oder in
Fonds investieren, man kann Kredite aufnehmen und vieles mehr –
aber das führt jetzt zu weit. Wir hören lieber Musik – und zwar
diesmal von Trashure „Die Frau die mich nicht sieht“. Text der
Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg54kurz.pdf
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