SG #054: Banken

SG #054: Banken

Momentan ist eines der größten Themen die Finanz- und Wirtschaftkrise. Fan hat mich nun gebeten, über das deutsche Bankwesen zu sprechen, und das werde ich gerne tun. Es gibt viele sehr bekannte deutsche Banken,
14 Minuten

Beschreibung

vor 16 Jahren

Momentan ist eines der größten Themen die Finanz- und
Wirtschaftkrise. Fan hat mich nun gebeten, über das deutsche
Bankwesen zu sprechen, und das werde ich gerne tun.


Es gibt viele sehr bekannte deutsche Banken, zum Beispiel die
Deutsche Bank oder die Commerzbank. In Deutschland gibt es sehr
wenige Privatbanken, dafür aber viele öffentlich-rechtliche oder
genossenschaftliche Banken. Das ist alles etwas kompliziert, im
Grunde kann man sagen, es gibt drei verschiedene Arten von Banken
in Deutschland. Zum einen gibt es die Genossenschaftsbank – eine
Genossenschaft ist eine bestimmte Rechtsform. Die bekannteste
Genossenschaftsbank in Deutschland ist wohl die Volks- und
Raiffeisenbank. Die zweite Art ist eine öffentlich-rechtliche
Bank, zum Beispiel eine Sparkasse. Das Hauptziel der Sparkassen
ist nicht, Gewinne zu erzielen. Vereinfacht gesagt geht es ihnen
mehr um den Bürger als um das Geld. So sollte es zumindest sein.
Die dritte Bankenart ist die Privatbank.


Was kann man bei einer Bank alles machen? Zunächst mal hat man
oft schon als Kind die Möglichkeit, das ersparte Geld zur Bank zu
bringen. Ich erinnere mich, dass ich ein Sparschwein hatte – das
war ein Schwein aus Porzellan, das oben einen Schlitz hatte. Dort
konnte man Münzen hineinwerfen. Wenn das Schwein voll war, wurde
es zur Bank gebracht und das Geld auf ein Sparkonto eingezahlt.
So haben viele deutsche Kinder gelernt, zu sparen.


Später eröffnet man bei der Bank ein Girokonto. Das passiert
meist dann, wenn man anfängt zu arbeiten und regelmäßige
Einnahmen hat. Ein Girokonto ist sehr praktisch. Man kann viele
Zahlungen automatisieren, das nennt man dann einen Dauerauftrag.
Ich habe es zum Beispiel so eingerichtet, dass an jedem ersten
Tag im Monat das Geld für die Miete automatisch von meinem Konto
auf das Konto meiner Vermieterin überwiesen wird.


Schecks werden in Deutschland nur noch sehr selten von
Privatpersonen verwendet. Stattdessen gibt es so genannte
Einzugsermächtigungen. Ich habe zum Beispiel einen Vertrag
unterschrieben, und dieser Vertrag erlaubt meinem Stromanbieter,
dass er jeden Monat oder jedes Quartal Geld von meinem Konto
abbuchen darf. Er holt sich also das Geld selber, das der Strom
kostet. Das gleiche gilt für die Heizung, das Wasser,
Versicherungen und ähnliches. Daher muss ich mich um nichts mehr
kümmern, alles ist automatisiert.


Wenn ich einer anderen Person Geld schicken möchte, weil ich zum
Beispiel bei eBay etwas gekauft habe, dann kann ich das Geld
überweisen. Eine Überweisung ist ein Blatt Papier, ein Formular.
Dort trage ich meinen Namen ein und meine Kontonummer, und den
Namen und die Kontonummer des Menschen, bei dem ich etwas gekauft
habe. Dann noch den Geldbetrag, und einen so genannten
Verwendungszweck, also ein Stichwort, damit der Verkäufer weiß,
wofür das Geld gedacht ist. Diese Überweisung gebe ich dann bei
der Bank ab, und das Geld wird überwiesen. Noch einfacher ist es
online – die meisten Banken bieten mittlerweile in Deutschland
Online-Banking an. Hier kann ich online ausfüllen, wem ich Geld
schicken möchte, und alles geht ganz schnell. Damit die Bank
weiß, dass nur ich Zugriff auf das Konto habe, hat sie mir einen
Online-Zugang eingerichtet, der mit einem Passwort geschützt ist.
Dieses Passwort habe ich per Post zugeschickt bekommen. Außerdem
muss ich jede Transaktion, also zum Beispiel jede Überweisung,
mit einer TAN-Nummer bestätigen. Diese TAN-Nummern bekommt man
ebenfalls per Post geschickt.


Natürlich kann man auch in Deutschland längst mit Plastik
bezahlen. Das bedeutet, man kann Plastikkarten benutzen, um zu
bezahlen. Am weitesten verbreitet sind ec-Karten. EC steht dabei
für Electronic Cash. Mit so einer Karte kann ich auf mein
Girokonto zugreifen. Zum Beispiel kann ich an einem Bankautomaten
Geld abheben. Dafür muss ich die ec-Karte in den Automaten
einführen, dann meine PIN-Nummer eingeben, das sind vier Zahlen,
und dann kann ich Bargeld abheben. Ich kann mit der ec-Karte auch
einkaufen. Im Supermarkt fragt mich die Kassiererin dann entweder
nach meiner PIN-Nummer, die man dann selber eintippen muss, oder
man muss einen Bon unterschreiben, also einen Kassenzettel. Das
geht einfach und schnell. Praktisch ist auch, dass man mit der
ec-Karte oft auch in ganz Europa bezahlen kann, und zwar immer
dann, wenn auf der Karte auch das „Maestro“-Zeichen abgedruckt
ist.


Kreditkarten sind in Deutschland auch verbreitet, aber es ist
noch nicht üblich, dass man kleine Beträge mit der Kreditkarte
bezahlt. Vor allem amerikanische Ketten wie Starbucks akzeptieren
zwar Kreditkarten auch für einen Kaffee, oft aber ist es nicht
so. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die
Kreditkartengesellschaften wie VISA oder Mastercard Gebühren vom
Verkäufer verlangen. Sein Gewinn ist also geringer, wenn der
Kunde mit Karte bezahlt. Vor allem in Tankstellen oder
Restaurants und in Kaufhäusern kann man aber ohne Probleme mit
der Kreditkarte bezahlen.


Natürlich gibt es noch viele weitere Funktionen einer Bank. Man
kann Geld auf so genannte Festgeldkontos legen, bei denen man
dann höhere Zinsen bekommt. Man kann Aktien kaufen oder in Fonds
investieren, man kann Kredite aufnehmen und vieles mehr – aber
das führt jetzt zu weit. Wir hören lieber Musik – und zwar
diesmal von Trashure „Die Frau die mich nicht sieht“.


Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg54kurz.pdf

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