Ich weiß nicht warum, aber im Winter höre ich gerne klassische
Musik. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass mein Vater mir
als Kind oft zur Weihnachtszeit den „Nussknacker“ vorgespielt hat
und andere Werke von Tschaikowsky. Seitdem jedenfalls gehören Kälte
und Schnee für mich zu Geige, Kontrabass und Klavier. Und nachdem
ich vor kurzem über den Deutschen Schlager gesprochen habe, dachte
ich mir, es wird Zeit über klassische Musik zu sprechen. Denn es
gibt natürlich viele Begriffe, die mit diesem Thema zusammenhängen
und die für Euch interessant sein könnten!Zunächst mal ist es
natürlich am schönsten, wenn man klassische Musik in einem Konzert
erlebt. Also vor Ort. Dort sieht man dann die einzelnen Musiker des
Orchesters, man sieht die Instrumente und den Dirigenten, die
Notenblätter und natürlich auch das Publikum, das immer in den
unpassendsten Momenten hustet. Aber auch zu Hause kann man
klassische Musik genießen – bei einer schönen Tasse Tee zum
Beispiel. Die Deutschen können sich freuen, dass sie so viele gute
klassische Komponisten hervorgebracht haben, oder? Da ist zum
Beispiel Johann Sebastian Bach. Der Mann mit der Lockenperücke, der
1685 geboren wurde. Wenn ich an Bach denke, denke ich an schwere,
düstere Orgelmusik. Natürlich schrieb er auch viele andere Werke,
aber er lebte nunmal in der Zeit des Barock. Sehr festlich und auch
sehr barock ist die Musik von Georg Friedrich Händel. Mich nervt
das leider eher, aber hin und wieder höre ich gerne seine
Feuerwerksmusik. Ich mag Ludwig van Beethoven viel lieber als seine
barocken Vorgänger. Sein Name klingt zwar niederländisch, aber er
wurde in Bonn geboren und hatte deutsche Eltern – lediglich seine
Vorfahren waren Flamen. Weltweit bekannt ist natürlich Beethovens
9. Sinfonie, 1824 vollendet und berühmt durch das furiose Ende –
ein Chor singt die Worte von Friedrich Schiller: Freude, schöner
Götterfunken. Diese Stelle wurde sogar zur Europahymne gemacht.
Ebenfalls bekannt ist, dass Beethoven in den letzten Jahren seines
Lebens taub war – er konnte nichts mehr hören. Dennoch komponierte
er weiter. Kennt Ihr Johannes Brahms? Er wurde 1833 in Hamburg
geboren. Hört Euch mal seine ungarischen Tänze an, sie sind
richtige Ohrwürmer! Als er sie schrieb, gab es aber mächtigen
Ärger. Denn die Grundlage dieser Musik sind so genannte
Zigeunerweisen, also Volksmelodien. Der politisch korrektere
Begriff für Zigeuner wäre heute wahrscheinlich Sinti oder Roma –
aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls behaupteten damals
andere Komponisten auch, diese Stücke geschrieben zu haben. Also
ein Urheberrechtsstreit, wie es ihn auch heute noch oft gibt. Zwei
Richards darf ich nicht vergessen: Richard Wagner und Richard
Strauss. Richard Strauss wurde hier in München geboren, und zwar
1864. Hier wurde daher eine Straße nach ihm benannt. Die Nazis
suchten sich die drei wichtigsten Musiker des Dritten Reiches aus:
Hans Pfitzner, Wilhelm Furtwängler und – Richard Strauss. Dieser
wird aber als apolitisch bezeichnet und wurde später nach dem
Entnazifizierungsgesetz freigesprochen. Der andere Richard ist
Richard Wagner, und der wird auch immer mit den Nazis in Verbindung
gebracht. Der Komponist lebte zwar nur bis 1883, äußerte sich aber
explizit gegen die Juden und kann als Antisemit bezeichnet werden.
Hitler jedenfalls wurde zum Wagner-Fan. Die Wagner-Festspiele in
Bayreuth existieren heute noch und ziehen alljährlich viele
wichtige Politiker an, auch Kanzlerin Angela Merkel. Einer noch,
oder? Wie wäre es mit Felix Mendelssohn Bartholdy? Er starb 1847
mit nur 38 Jahren in Leipzig. Was, Ihr kennt ihn nicht? Natürlich,
sein Name ist nicht so berühmt wie der von Bach oder Beethoven,
aber seine Musik kennt Ihr, da bin ich sicher. Zum Beispiel seinen
Hochzeitsmarsch, der immer gespielt wird, wenn eine Braut die
Kirche betritt. Auch in Hollywoodfilmen. Also: Hört Euch doch mal
wieder ein paar klassische Stücke an, eine Sinfonie, einen Marsch,
ein Adagio – macht die Augen zu und entspannt Euch. Das werde ich
jetzt auch machen, und wir hören uns dann hoffentlich bald wieder.
Wenn Ihr Lust habt, geht auf slowgerman.com – dort werde ich einige
klassische Stücke bei YouTube verlinken und auch iTunes-Links
setzen, mit denen Ihr mich unterstützen könnt. Ich würde mich auch
über weitere Abonnenten freuen beim neuen Premium Podcast – dort
bekommt Ihr zu dieser Folge Lernmaterial und eine schneller
gesprochene Variante. Und es kostet nur 2 Dollar pro Monat. Bis
bald! Eure Annik. Hier sind die iTunes-Links der Komponisten:
Tschaikowsky, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich
Händel, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Richard
Wagner, Richard Strauss, Felix Mendelssohnund der Musikstücke des
Beitrags: Beethovens 9. Sinfonie, Brahms, ungarische Tänze,
Mendelsohns Hochzeitsmarsch Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg90kurz.pdf
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