Die Sommerpause ist vorbei – jetzt geht es endlich weiter! Danke
für Eure Geduld.Das kann doch gar nicht wahr sein, dass ich noch
keine Episode über meine Heimatstadt München gemacht habe! Ich lebe
hier schon fast mein ganzes Leben lang und ich liebe diese Stadt.
Es ist nicht einfach, eine Stadt in fünf Minuten zu beschreiben,
aber ich werde es versuchen. Ich möchte Euch jetzt einfach alles
erzählen, was mir spontan dazu einfällt, ok?München ist bekannt als
„großes Dorf“. Es fühlt sich nicht an wie eine Stadt, sondern alles
ist eher klein und gemütlich. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist
München wirklich eine eher kleine Stadt – 1,4 Millionen Menschen
leben hier. Zum anderen gibt es eine Regel, nach der in München
keine Hochhäuser gebaut werden dürfen – nichts darf in der
Innenstadt höher sein als die Frauenkirche, das Wahrzeichen
Münchens. Die Frauenkirche ist eine große Kirche in der Nähe des
Marienplatzes, mitten im Zentrum von München. Sie hat zwei Türme.
Wenn ich an München denke, denke ich an die Isar. Die Isar ist ein
recht kleiner Fluss, der durch die Stadt fließt. Hier fahren keine
Schiffe, aber es gibt ein breites, steiniges Ufer. Hier gehen viele
Menschen im Sommer gerne spazieren oder sie legen sich ans Wasser –
oder sie grillen.An einer Stelle kann man in München übrigens sogar
surfen – es gibt einen kleinen Bach, den Eisbach in der Nähe des
Haus der Kunst, der eine künstliche Welle hat. Und hier sieht man
bei jedem Wetter Männer und Frauen in Neoprenanzügen surfen. Ich
denke an den riesigen Englischen Garten, den Park mitten in
München, Münchens „grüne Lunge“. Ich denke an das Olympiazentrum,
in dem 1972 die olympischen Spiele stattfanden – und leider auch
das Olympia-Attentat einer palästinensischen Terrorgruppe. Zurück
zu den schönen Seiten: München wird gerne „die nördlichste Stadt
Italiens“ genannt, weil die Lebensart eher südländisch ist.
Natürlich gehört das Oktoberfest zu München – jedes Jahr kommen
sechs Millionen Besucher auf das größte Volksfest der Welt. Die
Einheimischen tragen dann gerne Dirndl und Lederhosen, also Tracht.
Das tun sie auch gerne, wenn sie in den Biergarten gehen. In
München gibt es noch viele alte, traditionelle Brauereien, wie
beispielsweise Augustiner. Was noch? BMW natürlich. München ist die
Stadt der BMWs, nirgendwo auf der Welt fahren so viele BMWs durch
die Gegend wie hier. Politisch gesehen ist München rot. Während der
Rest Bayerns größtenteils von der CSU regiert wird, also von den so
genannten „Christsozialen“, den „Schwarzen“, ist München schon seit
vielen, vielen Jahren in der Hand der SPD, der Sozialdemokraten,
deren Farbe Rot ist. Das heißt, es gibt hier einen
SPD-Bürgermeister. Und auch sonst ist München zwar die
Landeshauptstadt von Bayern, aber auch irgendwie eine Insel. Vieles
ist hier anders. Die Menschen sprechen zum Beispiel ein eher
sanftes Bayerisch, wenn überhaupt. Wenn ich an München denke, denke
ich an die vielen Kunstmuseen, an das Deutsche Museum, das größte
Technikmuseum der Welt. Aber ich denke auch an die düsteren Kapitel
der Stadt. Adolf Hitler liebte München, und er lebte hier. Er
nannte München die „Hauptstadt der Bewegung“. Im zweiten Weltkrieg
wurden 90 Prozent der Altstadt zerstört. Noch heute gibt es viele
Zeichen dafür, was der Krieg hier angerichtet hat. Und viele
Denkmäler und Mahnmale. Das ist richtig und wichtig. Es gehört zur
Stadt dazu. Ich lebe gerne in München. München ist gemütlich und
sicher, sauber und bequem. Und ich bin stolz darauf, wie die
Münchner die vielen Flüchtlinge aus Syrien und anderen Ländern in
den vergangenen Wochen und Monaten aufgenommen haben. Sie waren
hilfsbereit und warmherzig. Wart Ihr schon einmal in München? Was
fällt Euch ein, wenn Ihr an meine Stadt denkt? Ich freue mich auf
Eure Kommentare!Die schneller gesprochene Version dieser Folge
findet Ihr übrigens wie immer im Premium Podcast. Ebenso
Lernmaterial. Näheres dazu auf slowgerman.com. Text der Episode als
PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg108kurz.pdf
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