Es gab einmal einen Herzog in Bayern, er hieß Wilhelm V. Ein Herzog
ist ein hohes Mitglied des Adels, in England wäre das ein Duke.
Dieser Herzog jedenfalls wollte am Wittelsbacher Hof, also dem Sitz
seiner Familie, immer genügend Bier zur Verfügung haben. Das Bier
musste er von kleinen privaten Brauereien kaufen – oder sogar aus
anderen Bundesländern importieren. Das wollte er nicht mehr, weil
es zu teuer war. Er wollte lieber, dass in München selber Bier
gebraut wurde. Also gab er den Auftrag, ein Hofbräuhaus zu bauen.
Das war 1589. Und diese Geschichte ist kein Märchen, sondern
wahr.Jetzt wisst Ihr also schon einmal, woher das Hofbräuhaus
seinen Namen hat: Hof, weil es den Hof beliefern sollte, also die
Adeligen. Bräu weil hier Bier gebraut wurde – und Haus ist klar,
oder?Im Hofbräuhaus wurde Braunbier gebraut. Etwas anderes durfte
man hier nicht brauen, denn Weißbier durfte nur eine Familie im
Bayerischen Wald brauen. Als der letzte Nachkomme dieser Familie
starb, sicherte sich der Sohn des Herzogs dieses Recht. Somit
durfte im Hofbräuhaus auch Weißbier gebraut werden. Schnell wurde
das Bier beliebt und das Hofbräuhaus wurde zu klein, also musste
ein Neubau her – am heutigen „Platzl“. Ab 1608 wurden hier
Braunbier und Weißbier gebraut. Ab 1610 durften auch Wirte und
normale Bürger das Bier kaufen.1828 erlaubte dann König Ludwig I.,
dass im Hofbräuhaus auch gleich getrunken werden durfte – vorher
war es sozusagen nur die Fabrik für Bier. Bald kamen die ersten
Touristen. Das Hofbräuhaus wurde dann verlegt, und zwar in die
Innere Wiener Straße – dort ist auch heute noch der Hofbräukeller
ein beliebter Gasthof mit großem Biergarten. Hier wurde von nun an
das Bier gebraut. Nach einigen Umbau- und Neubauarbeiten wurde das
Hofbräuhaus am Platzl 1897 zum Gasthof ohne Brauerei – so wie wir
es heute kennen.Im Hofbräuhaus wurde nicht nur Bier gemacht,
sondern auch Politik: Hier wurde 1919 die Münchner Räterepublik
ausgerufen und die Brauerei gehörte von nun an dem Staat. Noch
etwas passierte hier – leider mit weitreichenden Folgen: 1920 wurde
im Hofbräuhaus die NSDAP gegründet. 1945, also gegen Ende des
Zweiten Weltkrieges, wurde das Hofbräuhaus zerstört – danach wieder
aufgebaut. Das Hofbräuhaus heute Bierkrüge der Stammgäste im
Hofbräuhaus / (c) Christian Eickmann,
https://travelchrismunich.wordpress.com/munchen-i/ Täglich kommen
nun bis zu 35.000 Besucher hierher. Heute ist das Hofbräuhaus eine
große Gaststätte, die natürlich für Touristen weiterhin interessant
ist. Aber auch viele Einheimische kommen regelmäßig hierher, es
gibt Stammtische für die Stammgäste, sie haben hier sogar ihre
eigenen Bierkrüge „geparkt“. Meistens gibt es zum Essen und dem
Bier traditionelle bayerische Blasmusik. Und im Sommer kann man
wunderbar im Innenhof im Biergarten sitzen. Insgesamt haben 3500
Menschen Platz im Münchner Hofbräuhaus.Auf dem Oktoberfest gibt es
ein Hofbräu-Festzelt – es gehört zu den größten Zelten auf der
Wiesn. Hier können 10.000 Menschen gleichzeitig feiern! Seit 1987
wird nicht mehr in der Innenstadt das Bier gebraut, sondern am
Stadtrand, in München-Riem. Hier im Osten der Stadt ist auch die
Messe München angesiedelt.Wenn Ihr in den USA lebt, könnt Ihr
übrigens auch in ein echtes Hofbräuhaus gehen: Es wurde 2004 in Las
Vegas eröffnet. Auch in Tokio steht eines, in Dubai und in Seoul.
Hofbräu ist zum Franchise-System geworden. In diesem Sinne: Prost!
Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg110kurz.pdf
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