Kennt Ihr eigentlich die Geschichte von Adidas und Puma? Heute sind
das zwei der größten Sportartikelmarken der ganzen Welt. Aber alles
fing ganz, ganz klein an. Und zwar 1924.Damals lebten die Brüder
Adolf und Rudolf Dassler in Herzogenaurach, einer kleinen Stadt mit
20.000 Einwohnern in Franken, also in Bayern. Sie hatten gute
Ideen. Zum Beispiel machten sie Schuhe aus Leinen. Ihr Vater war
Weber, also kannte er sich mit Stoffen aus. Und die jungen Männer,
beide Anfang 20, experimentierten mit dem Stoff – sie fertigten
sehr leichte Laufschuhe an und gründeten die Sportschuhfabrik
„Gebrüder Dassler“. Die Arbeit war klar aufgeteilt: Der
introvertierte Adolf, kurz „Adi“ genannt, verbrachte seine Zeit in
der Werkstatt, entwarf und fertigte die Schuhe. Sein Bruder Rudolf
war für's Marketing zuständig, er ging mit den Schuhen auf
Sportplätze oder in Gasthäuser und verkaufte sie dort. Das Geschäft
ging gut – sie entwickelten Sportschuhe für viele verschiedene
Sportarten. Lediglich ihre Frauen verstanden sich nicht so gut – es
gab immer öfter Spannungen. Dann beginnt die Zeit der
Nationalsozialisten. Die Brüder treten der NSDAP bei. Doch dann
gibt es Ärger: Adi macht einen Schuh für Jesse Owens, einen
Afroamerikaner. Das gefällt den Nazis überhaupt nicht – und Rudolf
auch nicht. Aber Adi macht es trotzdem, und Owens holt bei den
Olympischen Spielen in Berlin vier Goldmedaillen. Im Krieg wird die
Fabrik geschlossen, kein Mensch braucht im Krieg Sportschuhe.
Wichtiger sind Waffen. Also produzieren die Brüder eine
Panzerabwehrwaffe. Rudolf muss in den Krieg ziehen – Adi nicht, er
wird als zu wichtig eingestuft. Nicht gut für die Brüder. Er
desertiert und wird gefangen – zum Glück kommt er nur ins
Gefängnis, andere wurden sofort erschossen. Dann ist der Krieg
endlich vorbei – und die Amerikaner sind da. Sie wollen die Fabrik
sprengen, immerhin wurden hier Waffen produziert – als sie aber von
den Schuhen für Jesse Owens erfahren, lassen sie es sein. Glück
gehabt. Die Brüder müssen dennoch in Gefangenschaft. Rudolf wird
Spionage vorgeworfen. Warum? Rudolf ist sicher, dass ihn jemand
denunziert hat: Sein Bruder und dessen Frau. Das Verhältnis ist
endgültig zerstört. 1948 ist die Trennung nicht mehr aufzuhalten:
Die Brüder teilen die Firma auf. Adi bleibt in der Fabrik, er nennt
die Firma nun „Adidas“, eine Abkürzung von Adi Dassler. Rudolf
„Rudi“ Dassler zieht mit 14 Mitarbeitern in eine alte Schreinerei
auf der anderen Seite des Flusses Aurach. Dort gründet er seine
eigene Firma, er nennt sie Puma.Beide sind zunächst sehr
erfolgreich. Denn während andere Sportler noch mit Stiefeln mit
schweren Schutzkappen unterwegs sind, stellen die Dassler-Brüder
leichte und flexible Schuhe her, mit denen man sich viel besser
bewegen kann.Jetzt kämpfen die Brüder gegeneinander – und zwar mit
den Waffen des Marketings. Rudolf klaut seinem Bruder eine Idee:
Die der Schraubstollen für Fußballschuhe. Das bedeutet, dass man
unten an die Schuhe Stollen anschrauben kann, und zwar
unterschiedlicher Länge. Damit man beim Laufen nicht rutscht.
Dennoch bleibt Adi erfolgreicher: Er erfindet das noch heute
berühmte Adidas-Logo mit den drei Streifen. Und 1954 bei der
Fußball-Weltmeisterschaft wird die Mannschaft mit seinen Schuhen
Weltmeister. Wie es weiterging? Beide Brüder Dassler starben in den
70er-Jahren. Sie haben sich nie versöhnt. Ihre Kinder waren
ebenfalls zerstritten und kämpften gegeneinander. Heute hat die
Adidas-Group über 55.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von fast 17
Milliarden Euro pro Jahr. Puma hat 11.000 Mitarbeiter und einen
Umsatz von 3 Milliarden Euro pro Jahr. Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg132kurz.pdf
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