Eisernes Haus
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Audio-Podcast: 6:32 min - Kennen Sie… das eiserne Haus? Als
eines der wenigen Wohn- und Geschäftsbauten des frühen 20.
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Beschreibung
vor 2 Jahren
http://www.architektur-podcast.de/wp-content/uploads/2014/07/Eisernes-Haus.mp3
Audio-Podcast: 6:32 min Kennen Sie… das eiserne Haus? Als
eines der wenigen Wohn- und Geschäftsbauten des frühen 20.
Jahrhunderts ist das Haus mit der grünen Stahlfassade in der
Karl-Marx-Straße ein besonderes Beispiel damals moderner
Architektur. Erbaut wurde es nach den Plänen eines
Schlossermeisters, der so sein Arbeitsmaterial werbewirksam an
unüblicher Stelle darstellen konnte. Die Häuser der
Karl-Marx-Straße stehen fast allesamt auf mittelalterlichen
Kellern, die zwei- und dreigeschossigen Häuser selbst sind in dem
Zeitfenster vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert gebaut worden.
Klassizistische Fassaden wechseln sich mit denen des
Späthistorismus ab, dazwischen ist sogar auch ein schmuckes
Giebelhaus aus der Renaissance zu finden. Insgesamt ergibt sich
eine Straße mit kleinstädtischem und homogenem Charakter. Als
Durchgangsstraße zur Römerbrücke war sie schon immer Ort für ein
gemischtes Gebiet mit Gewerbe- und Wohnbauten. Aus dem
beschaulichen Straßenzug ragt die Nummer 43 nicht nur wegen ihrer
alle Nachbargebäude überragenden Höhe hervor, auch die grüne
Stahlfassade steht in direktem Kontrast zu den verputzen Häusern
mit steinsichtigen Fenstergewänden, barocken und historistischen
Schmuckelementen und klassizistisch-strenger Gestaltung. Man kann
sich gut vorstellen, dass diese Straße im Jahre 1887 ganz ähnlich
aussah. Zehn Jahre zuvor war die Stadtmauer zusammen mit vier
Stadttoren abgerissen worden. Trier wuchs über seine
mittelalterlichen Grenzen hinaus und erweiterte sich vor allem nach
Norden und Süden mit geplanten gründerzeitlichen Straßenzügen.
Trier wuchs während des deutschen Kaiserreichs nicht ganz so
explosionsartig wie die großen Städte, die neuen Gebäude und
Straßenzüge sind praktisch, modern, aber nicht aufsehenerregend. In
dieser Zeit beschließt der Trierer Schlosser Johannes Wehlen, sich
ein Haus zu gestalten, und zwar in der gewachsenen Architektur der
damals noch Brückenstraße genannten Straße. Der mit dem Werkstoff
Eisen arbeitende Handwerker war womöglich von dem innovativen Bau
wie dem Kristallpalast von Joseph Paxton inspiriert, der 1851 für
die Londoner Weltausstellung ganz aus vorgefertigten Gittern aus
Gusseisen und Glassegmenten errichtet wurde. Gusseisen als
neoklassizistisches Dekorations- und Verkleidungsmaterial für
Fassaden wurde bereits seit Jahren in New York und vor allem in
Glasgow getestet – jedoch mit wenig Erfolg. Das Material rostete
und hielt aufgrund seiner Weichheit auch entfernte Brände nicht
aus. Der berühmte Kristallpalast wurde 1936 Opfer des Feuers. Mit
dem modernen Stahl konnten sich die Konstrukteure später viele der
Innovationen für das weitaus massivere Material zu Nutze machen.
Vor allem Brücken, Industriearchitektur und natürlich der
Stahlskelettbau wurden entwickelt, mit dem es möglich war, in die
Höhe zu bauen. Der Wolkenkratzer entstand 1885 in Chicago. Ab 1887
errichtete Gustave Eiffel den nach ihm benannten Pariser Turm,
nachdem er sich als Stahlkonstrukteur für Brücken, Viadukte und
Bahnhöfe international einen Namen gemacht hat. Und ganz in der
Nähe, im rheinland-pfälzischen Bendorf entstand, mit der Sayner
Hütte bereits 1830 eine Industrie halle aus vorgefertigten
Eisengussteilen, die bis heute ein Meisterwerk des Industriebaus
darstellt. 1890 baute sich Johannes Wehlen also in Trier ein
bestehendes Haus so um, dass er eine gusseiserne Fassade aus
vorgefertigten Teilen zur Straßenfront anbringen konnte. Das
dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus ist durch drei Achsen
gegliedert. Zwei hochrechteckige Schaufenster im recht hohen
Ladenparterre wurden von dem Eingang in der rechten Achse
flankiert. Heute ist das Fenster zu einem düsteren Lokal zentriert
und von zwei Eingängen rechts umfasst. Der linke führt in
ehemaliges Lokal, der rechte in die zwei Obergeschosse.
Ursprünglich muss man sich das Haus von Wehlen wohl eher schlicht,
nur durch die riesigen Fensterflächen und Oberlichter gegliedert
vorstellen. Imposante Krönung war auch schon zur Entstehungszeit
die Dachterrasse, die mit einem auffälligen Ziergitter abschließt.
Die beiden Balkone der ersten und zweiten Etage sind laut
Denkmaltopographie der Stadt Trier wahrscheinlich erst um 1900
unter der Mithilfe des Bauunternehmers August Herresthal
hinzugefügt worden. Mit der mutigen Gestaltung seines Hauses
ergänzte der Schlosser Wehlen die Karl-Marx-Straße um eine
Architektur, bei der die Leute noch heute verwundert stehen bleiben
und fasziniert an der dunkelgrünen Fassade hochblicken. Sogar bis
nach Wien wurde von den Haus berichtet, nicht gerade lobend: “Es
ist nach einem eisernen Cassenschrank und ganz mit dem Stoff und
nach dem Geschmack eines Schlossers ausgeführt. […] Sehr nützlich
aber kann solcher Eisenbau für Brauer als Darre, für
Feigenkaffefabrikanten oder gar als Krematorium benutzt werden.”
Die zeitgenössische Einschätzung des Trierer Hauses in der Wiener
Bauindustrie-Zeitung 8/1890 wirkt heute kaum nachvollziehbar. In
den frühen 1990er Jahren wurde das Haus unter Denkmalschutz
gestellt und umfassend renoviert. Im Bereich hinter dem Ladenlokal
hatte Wehlen seine Werkstatt eingerichtet, die nicht mehr erhalten
ist. Das Haus erstreckt sich heute mit der Gaststätte bis zur
Bollwerkstraße, wo im Parterre des Neubaus ein zeitgenössisches
Eisentor mit den bis auf die Farbe entsprechenden Blüten- und
Rankenmotiven eingebaut wurde, die auch die Dachterrasse schmücken.
Einst könnte dies die Begrenzung des Hinterhofs hinter der
Werkstatt gewesen sein. Die Ästhetik des Metalls als neuem Baustoff
für ein Haus macht eine ganz neue Gestaltung nicht nur der Optik
sondern auch des Wohnens möglich. Die immens großen Glasflächen und
Oberlichter sind in der Bauzeit noch eher ungewöhnlich. Und es sind
in Trier eher diejenigen, die in einem eisernen Haus leben wollen,
die eng mit dem Werkstoff verbunden sind. Erst 1904 entsteht in
Trier ein zweites Haus mit Stahlfassade – errichtet für einen
Eisenwarenhändler in der Neustraße.
Audio-Podcast: 6:32 min Kennen Sie… das eiserne Haus? Als
eines der wenigen Wohn- und Geschäftsbauten des frühen 20.
Jahrhunderts ist das Haus mit der grünen Stahlfassade in der
Karl-Marx-Straße ein besonderes Beispiel damals moderner
Architektur. Erbaut wurde es nach den Plänen eines
Schlossermeisters, der so sein Arbeitsmaterial werbewirksam an
unüblicher Stelle darstellen konnte. Die Häuser der
Karl-Marx-Straße stehen fast allesamt auf mittelalterlichen
Kellern, die zwei- und dreigeschossigen Häuser selbst sind in dem
Zeitfenster vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert gebaut worden.
Klassizistische Fassaden wechseln sich mit denen des
Späthistorismus ab, dazwischen ist sogar auch ein schmuckes
Giebelhaus aus der Renaissance zu finden. Insgesamt ergibt sich
eine Straße mit kleinstädtischem und homogenem Charakter. Als
Durchgangsstraße zur Römerbrücke war sie schon immer Ort für ein
gemischtes Gebiet mit Gewerbe- und Wohnbauten. Aus dem
beschaulichen Straßenzug ragt die Nummer 43 nicht nur wegen ihrer
alle Nachbargebäude überragenden Höhe hervor, auch die grüne
Stahlfassade steht in direktem Kontrast zu den verputzen Häusern
mit steinsichtigen Fenstergewänden, barocken und historistischen
Schmuckelementen und klassizistisch-strenger Gestaltung. Man kann
sich gut vorstellen, dass diese Straße im Jahre 1887 ganz ähnlich
aussah. Zehn Jahre zuvor war die Stadtmauer zusammen mit vier
Stadttoren abgerissen worden. Trier wuchs über seine
mittelalterlichen Grenzen hinaus und erweiterte sich vor allem nach
Norden und Süden mit geplanten gründerzeitlichen Straßenzügen.
Trier wuchs während des deutschen Kaiserreichs nicht ganz so
explosionsartig wie die großen Städte, die neuen Gebäude und
Straßenzüge sind praktisch, modern, aber nicht aufsehenerregend. In
dieser Zeit beschließt der Trierer Schlosser Johannes Wehlen, sich
ein Haus zu gestalten, und zwar in der gewachsenen Architektur der
damals noch Brückenstraße genannten Straße. Der mit dem Werkstoff
Eisen arbeitende Handwerker war womöglich von dem innovativen Bau
wie dem Kristallpalast von Joseph Paxton inspiriert, der 1851 für
die Londoner Weltausstellung ganz aus vorgefertigten Gittern aus
Gusseisen und Glassegmenten errichtet wurde. Gusseisen als
neoklassizistisches Dekorations- und Verkleidungsmaterial für
Fassaden wurde bereits seit Jahren in New York und vor allem in
Glasgow getestet – jedoch mit wenig Erfolg. Das Material rostete
und hielt aufgrund seiner Weichheit auch entfernte Brände nicht
aus. Der berühmte Kristallpalast wurde 1936 Opfer des Feuers. Mit
dem modernen Stahl konnten sich die Konstrukteure später viele der
Innovationen für das weitaus massivere Material zu Nutze machen.
Vor allem Brücken, Industriearchitektur und natürlich der
Stahlskelettbau wurden entwickelt, mit dem es möglich war, in die
Höhe zu bauen. Der Wolkenkratzer entstand 1885 in Chicago. Ab 1887
errichtete Gustave Eiffel den nach ihm benannten Pariser Turm,
nachdem er sich als Stahlkonstrukteur für Brücken, Viadukte und
Bahnhöfe international einen Namen gemacht hat. Und ganz in der
Nähe, im rheinland-pfälzischen Bendorf entstand, mit der Sayner
Hütte bereits 1830 eine Industrie halle aus vorgefertigten
Eisengussteilen, die bis heute ein Meisterwerk des Industriebaus
darstellt. 1890 baute sich Johannes Wehlen also in Trier ein
bestehendes Haus so um, dass er eine gusseiserne Fassade aus
vorgefertigten Teilen zur Straßenfront anbringen konnte. Das
dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus ist durch drei Achsen
gegliedert. Zwei hochrechteckige Schaufenster im recht hohen
Ladenparterre wurden von dem Eingang in der rechten Achse
flankiert. Heute ist das Fenster zu einem düsteren Lokal zentriert
und von zwei Eingängen rechts umfasst. Der linke führt in
ehemaliges Lokal, der rechte in die zwei Obergeschosse.
Ursprünglich muss man sich das Haus von Wehlen wohl eher schlicht,
nur durch die riesigen Fensterflächen und Oberlichter gegliedert
vorstellen. Imposante Krönung war auch schon zur Entstehungszeit
die Dachterrasse, die mit einem auffälligen Ziergitter abschließt.
Die beiden Balkone der ersten und zweiten Etage sind laut
Denkmaltopographie der Stadt Trier wahrscheinlich erst um 1900
unter der Mithilfe des Bauunternehmers August Herresthal
hinzugefügt worden. Mit der mutigen Gestaltung seines Hauses
ergänzte der Schlosser Wehlen die Karl-Marx-Straße um eine
Architektur, bei der die Leute noch heute verwundert stehen bleiben
und fasziniert an der dunkelgrünen Fassade hochblicken. Sogar bis
nach Wien wurde von den Haus berichtet, nicht gerade lobend: “Es
ist nach einem eisernen Cassenschrank und ganz mit dem Stoff und
nach dem Geschmack eines Schlossers ausgeführt. […] Sehr nützlich
aber kann solcher Eisenbau für Brauer als Darre, für
Feigenkaffefabrikanten oder gar als Krematorium benutzt werden.”
Die zeitgenössische Einschätzung des Trierer Hauses in der Wiener
Bauindustrie-Zeitung 8/1890 wirkt heute kaum nachvollziehbar. In
den frühen 1990er Jahren wurde das Haus unter Denkmalschutz
gestellt und umfassend renoviert. Im Bereich hinter dem Ladenlokal
hatte Wehlen seine Werkstatt eingerichtet, die nicht mehr erhalten
ist. Das Haus erstreckt sich heute mit der Gaststätte bis zur
Bollwerkstraße, wo im Parterre des Neubaus ein zeitgenössisches
Eisentor mit den bis auf die Farbe entsprechenden Blüten- und
Rankenmotiven eingebaut wurde, die auch die Dachterrasse schmücken.
Einst könnte dies die Begrenzung des Hinterhofs hinter der
Werkstatt gewesen sein. Die Ästhetik des Metalls als neuem Baustoff
für ein Haus macht eine ganz neue Gestaltung nicht nur der Optik
sondern auch des Wohnens möglich. Die immens großen Glasflächen und
Oberlichter sind in der Bauzeit noch eher ungewöhnlich. Und es sind
in Trier eher diejenigen, die in einem eisernen Haus leben wollen,
die eng mit dem Werkstoff verbunden sind. Erst 1904 entsteht in
Trier ein zweites Haus mit Stahlfassade – errichtet für einen
Eisenwarenhändler in der Neustraße.
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