Neue Brücke
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Audio-Podcast: 6:47 min - Kennen Sie… die neue Brücke? Wenn
alteingesessene Trierer von der “neu Brück” sprechen, ist von einem
schon in die Jahre gekommenen Bauwerk ...
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Beschreibung
vor 2 Jahren
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Audio-Podcast: 6:47 min Kennen Sie… die neue Brücke? Wenn
alteingesessene Trierer von der “neu Brück” sprechen, ist von einem
schon in die Jahre gekommenen Bauwerk die Rede. Gemessen an der
über Jahrhunderte einzigen Moselquerung der Stadt, der Römerbrücke,
ist sie in der Tat noch jung, und auch im dreistelligen Alter zeigt
sich die steinerne Dame als durchaus zeitgemäß, überspannt sie
neben dem Wasserweg auch Bahnlinien, Straßen und Fahrradwege. Ihren
Namen hat sie vom letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. erhalten,
der die Brücke vor über 100 Jahren höchstpersönlich einweihte.
Schon vor der Gründung Triers führt eine Brücke über die Mosel,
welche auf einer Pfahlkonstruktion errichtet ist. Diese erste
Holzkonstruktion wird um 150 nach Christus durch die noch heute
existierende steinerne Römerbrücke ersetzt und ist für Jahrhunderte
der einzige Moselübergang in Trier. Nachdem die Stadt im
Mittelalter nur noch knapp halb so groß ist wie zu spätrömischer
Zeit, wächst die selbsternannte Moselmetropole im 19. und 20
Jahrhundert über ihre römischen Stadtgrenzen hinaus. Spätestens mit
dem Anschluss an das Eisenbahnnetz und den Stadterweiterungen vor
allem im Norden und Süden der Stadt ist die Römerbrücke als
einziger Flussübergang dem Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen.
Ein neuer Brückenbau wird 1910 ausgeschrieben und bei dem
Wettbewerb unter dem Stadtbaumeister Balduin Schilling erhält der
Darmstädter Architekt Paul Meißner den Auftrag zur Konstruktion.
Der Professor der dortigen Technischen Hochschule hat sich bereits
mit dem Neubau der Darmstädter Hypothekenbank sowie der Opelwerke
in Rüsselsheim, die 1911 begannen, einen Namen gemacht – jedoch
nicht unbedingt als Pionier moderner Bauformen. Vor allem das
Bankgebäude ist im Vergleich zu den Bauten der Darmstädter
Mathildenhöhe recht traditionell, und das mag wohl ein
ausschlaggebender Grund für die Wahl des Baumeisters für die
Trierer Brücke gewesen sein. Im Wettbewerb abgelehnt werden moderne
Eisenkonstruktionen oder Hängebrücken, da das Landschaftsbild nicht
gestört werden sollte. Im Frühling 1912 beginnen die Bauarbeiten an
der Brücke, die vom nördlichen Teil der Altstadt auf die westliche
Moselseite und nach Pallien führen soll. Die sichtbaren Sandsteine,
die sich optisch fast schon unmerklich in die natürliche Farbgebung
der Moselkulisse richten, sind nur Verkleidung für eine
Eisenbetonkonstruktion, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts im
Industriebau gängig ist. Ausgeführt wird der Bau von der Firma
Dyckerhoff und Widmann, eine Firma, die auch heute noch in diversen
Tochterfirmen international aktiv ist. Als Beton- und
Zementpioniere in der Gründerzeit lieferten die Unternehmer aus
Wiesbaden-Biebrich ihr Produkt zum Beispiel an die Baustellen der
Metropolitan Opera, des Waldorf Astoria Hotels oder auch der
Freiheitsstatue nach New York. Die neue Brücke verbindet seit 1913
nicht ganz rechtwinklig zur Mosel schon bestehende Straßen – im
Osten den Georg-Schmitt-Platz mit Anbindung an den Alleenring mit
der steilen in den Fels gehauenen Bitburger Straße im Westen.
Hierbei mussten Höhenunterschiede ausgeglichen werden, so dass die
Brücke nach Westen hin rund zehn Meter ansteigt. In insgesamt neun
Bögen überspannt sie nicht nur den Fluss, sondern altstadtseitig
auch einen Fahrradweg und im Westen zwei Bahngleise, die
Bundesstraße 53 sowie die dörfliche Palliener Straße. Einer der
Brückenpfeiler steht auf der Moselinsel, welche so bewachsen ist,
dass die Brücke am besten von der nördlichen Seite aus in ihrer
vollen Länge von 307 Metern betrachtet werden kann. Gottfried
Kentenich schreibt in der „Geschichte der Stadt Trier“ aus dem Jahr
1915, wie dringend notwendig der Bau gewesen sei: “Seit alter Zeit
bewerkstelligte den Verkehr zwischen Zurlauben und dem Palliener
Ufer eine Fähre, bei deren erstem Anblick den Fremden, wie Hermann
Ritter treffend sagt, das eigenartige Bewußtsein befiel, langsam um
ein ganzes Jahrhundert rückwärts zu rutschen und eine zunehmende
Geistesverwandtschaft mit den Menschen aus der letzten
kurfürstlichen Zeit in sich zu verspüren. Schon 1871 hatte man aus
Bürgerkreisen heraus den Bau einer festen Brücke an dieser Stelle
angeregt.” Umgesetzt wird diese Idee erst Jahrzehnte später. Als
wichtigstes Verkehrsprojekt Triers im frühen 20. Jahrhundert
entlastet sie ab 1913 die zum Nadelöhr gewordene Römerbrücke und
wertet den westlichen Teil der Stadt auf. Die Brücke verbindet
seither die Innenstadt mit den beliebten Ausflugszielen
Weißhauswald, dem Weißhaus mit den öffentlichen Gartenanlagen, dem
Waldstadion und dem Gillenbachtal. Im selben Jahr wird das Dorf
Pallien eingemeindet. Jahre später ergänzt der Rosengarten am
Drachenhaus die Liste der zahlreichen Freizeitangebote im Westen
der Stadt. Obwohl Kaiser Wilhelm II. zur Einweihung persönlich
anwesend ist und der Brücke ihren bis heute gültigen Namen
Kaiser-Wilhelm-Brücke gibt, bleibt sie mindestens 60 Jahre lang
tatsächlich die “Neue Brücke”. Diesen Status macht ihr erst die
1973 im Süden Triers gebaute Konrad-Adenauer-Brücke streitig. Eine
Fotografie, die den Kaiser bei dem Festakt auf der Brücke zeigt,
macht deutlich, wie unauffällig sich die Brücke zur Bauzeit ins
Landschaftsbild einfügte. Auch die Balustrade sowie die vier
auskragenden Aussichtsplattformen in der Nähe der Brückenköpfe sind
mit dem ortsüblichen Sandstein verkleidet. Erst nach Zerstörungen
im Zweiten Weltkrieg wird die Fahrbahn verbreitert und die
Balustrade mit einer Metallkonstruktion ersetzt, welche heute grün
gestrichen ist und den Blick auf den Fluss und die Felsenhänge
freilässt. Schon Jahre früher entstanden in Dresden mit dem “Blauen
Wunder” sowie den beiden Kaiser-Wilhelm Brücken in Wilhelmshaven
oder Müngsten hochmoderne Stahlkonstruktionen, die bereits zur
Bauzeit für Furore sorgten, zum Briefmarkenmotiv wurden oder auch
Vasen und Geschirr schmückten. Hier bekannten sich die Auftraggeber
zu einem klaren Statement zur technischen Moderne und Innovation,
die in Trier ausdrücklich nicht erwünscht waren – zu Gunsten einer
Brückenarchitektur, die eher zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem
Domfreihof passte, welches den Großvater des Namensgebers der
Brücke zeigte.
Audio-Podcast: 6:47 min Kennen Sie… die neue Brücke? Wenn
alteingesessene Trierer von der “neu Brück” sprechen, ist von einem
schon in die Jahre gekommenen Bauwerk die Rede. Gemessen an der
über Jahrhunderte einzigen Moselquerung der Stadt, der Römerbrücke,
ist sie in der Tat noch jung, und auch im dreistelligen Alter zeigt
sich die steinerne Dame als durchaus zeitgemäß, überspannt sie
neben dem Wasserweg auch Bahnlinien, Straßen und Fahrradwege. Ihren
Namen hat sie vom letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. erhalten,
der die Brücke vor über 100 Jahren höchstpersönlich einweihte.
Schon vor der Gründung Triers führt eine Brücke über die Mosel,
welche auf einer Pfahlkonstruktion errichtet ist. Diese erste
Holzkonstruktion wird um 150 nach Christus durch die noch heute
existierende steinerne Römerbrücke ersetzt und ist für Jahrhunderte
der einzige Moselübergang in Trier. Nachdem die Stadt im
Mittelalter nur noch knapp halb so groß ist wie zu spätrömischer
Zeit, wächst die selbsternannte Moselmetropole im 19. und 20
Jahrhundert über ihre römischen Stadtgrenzen hinaus. Spätestens mit
dem Anschluss an das Eisenbahnnetz und den Stadterweiterungen vor
allem im Norden und Süden der Stadt ist die Römerbrücke als
einziger Flussübergang dem Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen.
Ein neuer Brückenbau wird 1910 ausgeschrieben und bei dem
Wettbewerb unter dem Stadtbaumeister Balduin Schilling erhält der
Darmstädter Architekt Paul Meißner den Auftrag zur Konstruktion.
Der Professor der dortigen Technischen Hochschule hat sich bereits
mit dem Neubau der Darmstädter Hypothekenbank sowie der Opelwerke
in Rüsselsheim, die 1911 begannen, einen Namen gemacht – jedoch
nicht unbedingt als Pionier moderner Bauformen. Vor allem das
Bankgebäude ist im Vergleich zu den Bauten der Darmstädter
Mathildenhöhe recht traditionell, und das mag wohl ein
ausschlaggebender Grund für die Wahl des Baumeisters für die
Trierer Brücke gewesen sein. Im Wettbewerb abgelehnt werden moderne
Eisenkonstruktionen oder Hängebrücken, da das Landschaftsbild nicht
gestört werden sollte. Im Frühling 1912 beginnen die Bauarbeiten an
der Brücke, die vom nördlichen Teil der Altstadt auf die westliche
Moselseite und nach Pallien führen soll. Die sichtbaren Sandsteine,
die sich optisch fast schon unmerklich in die natürliche Farbgebung
der Moselkulisse richten, sind nur Verkleidung für eine
Eisenbetonkonstruktion, wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts im
Industriebau gängig ist. Ausgeführt wird der Bau von der Firma
Dyckerhoff und Widmann, eine Firma, die auch heute noch in diversen
Tochterfirmen international aktiv ist. Als Beton- und
Zementpioniere in der Gründerzeit lieferten die Unternehmer aus
Wiesbaden-Biebrich ihr Produkt zum Beispiel an die Baustellen der
Metropolitan Opera, des Waldorf Astoria Hotels oder auch der
Freiheitsstatue nach New York. Die neue Brücke verbindet seit 1913
nicht ganz rechtwinklig zur Mosel schon bestehende Straßen – im
Osten den Georg-Schmitt-Platz mit Anbindung an den Alleenring mit
der steilen in den Fels gehauenen Bitburger Straße im Westen.
Hierbei mussten Höhenunterschiede ausgeglichen werden, so dass die
Brücke nach Westen hin rund zehn Meter ansteigt. In insgesamt neun
Bögen überspannt sie nicht nur den Fluss, sondern altstadtseitig
auch einen Fahrradweg und im Westen zwei Bahngleise, die
Bundesstraße 53 sowie die dörfliche Palliener Straße. Einer der
Brückenpfeiler steht auf der Moselinsel, welche so bewachsen ist,
dass die Brücke am besten von der nördlichen Seite aus in ihrer
vollen Länge von 307 Metern betrachtet werden kann. Gottfried
Kentenich schreibt in der „Geschichte der Stadt Trier“ aus dem Jahr
1915, wie dringend notwendig der Bau gewesen sei: “Seit alter Zeit
bewerkstelligte den Verkehr zwischen Zurlauben und dem Palliener
Ufer eine Fähre, bei deren erstem Anblick den Fremden, wie Hermann
Ritter treffend sagt, das eigenartige Bewußtsein befiel, langsam um
ein ganzes Jahrhundert rückwärts zu rutschen und eine zunehmende
Geistesverwandtschaft mit den Menschen aus der letzten
kurfürstlichen Zeit in sich zu verspüren. Schon 1871 hatte man aus
Bürgerkreisen heraus den Bau einer festen Brücke an dieser Stelle
angeregt.” Umgesetzt wird diese Idee erst Jahrzehnte später. Als
wichtigstes Verkehrsprojekt Triers im frühen 20. Jahrhundert
entlastet sie ab 1913 die zum Nadelöhr gewordene Römerbrücke und
wertet den westlichen Teil der Stadt auf. Die Brücke verbindet
seither die Innenstadt mit den beliebten Ausflugszielen
Weißhauswald, dem Weißhaus mit den öffentlichen Gartenanlagen, dem
Waldstadion und dem Gillenbachtal. Im selben Jahr wird das Dorf
Pallien eingemeindet. Jahre später ergänzt der Rosengarten am
Drachenhaus die Liste der zahlreichen Freizeitangebote im Westen
der Stadt. Obwohl Kaiser Wilhelm II. zur Einweihung persönlich
anwesend ist und der Brücke ihren bis heute gültigen Namen
Kaiser-Wilhelm-Brücke gibt, bleibt sie mindestens 60 Jahre lang
tatsächlich die “Neue Brücke”. Diesen Status macht ihr erst die
1973 im Süden Triers gebaute Konrad-Adenauer-Brücke streitig. Eine
Fotografie, die den Kaiser bei dem Festakt auf der Brücke zeigt,
macht deutlich, wie unauffällig sich die Brücke zur Bauzeit ins
Landschaftsbild einfügte. Auch die Balustrade sowie die vier
auskragenden Aussichtsplattformen in der Nähe der Brückenköpfe sind
mit dem ortsüblichen Sandstein verkleidet. Erst nach Zerstörungen
im Zweiten Weltkrieg wird die Fahrbahn verbreitert und die
Balustrade mit einer Metallkonstruktion ersetzt, welche heute grün
gestrichen ist und den Blick auf den Fluss und die Felsenhänge
freilässt. Schon Jahre früher entstanden in Dresden mit dem “Blauen
Wunder” sowie den beiden Kaiser-Wilhelm Brücken in Wilhelmshaven
oder Müngsten hochmoderne Stahlkonstruktionen, die bereits zur
Bauzeit für Furore sorgten, zum Briefmarkenmotiv wurden oder auch
Vasen und Geschirr schmückten. Hier bekannten sich die Auftraggeber
zu einem klaren Statement zur technischen Moderne und Innovation,
die in Trier ausdrücklich nicht erwünscht waren – zu Gunsten einer
Brückenarchitektur, die eher zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem
Domfreihof passte, welches den Großvater des Namensgebers der
Brücke zeigte.
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