Kastenhäuser
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Audio-Podcast: 7:22 min - Kennen Sie… die Kastenhäuser? Die
Siedlung Auf der Hill in Olewig ist alles andere als eine
langweilige Aneinanderreihung von Reihenhäus...
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Beschreibung
vor 2 Jahren
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Audio-Podcast: 7:22 min Kennen Sie… die Kastenhäuser? Die Siedlung
Auf der Hill in Olewig ist alles andere als eine langweilige
Aneinanderreihung von Reihenhäusern, bei denen sich die Bewohner
oftmals zu nahe kommen und Individualität bei der Ausführung keine
Rolle spielt. Jedes einzelne der 65 Häuser ist den topografischen
Gegebenheiten angepasst und bietet trotz der Nähe zu den Nachbarn
Intimität. Die Häuser der Siedlung „Auf der Hill“ stehen eng
beieinander und teilweise auch aneinander. Gemeinsam ist den
Bewohnern der freie und weite Blick in die Natur, vor allem von den
Terrassen aus. Diese sind genau wie die Wohnetagen nach Westen
gerichtet und profitieren damit von der Sonne bis in den späten
Abend hinein. Nachdem Mitte der sechziger Jahre der Trierer Hafen
errichtet, im Jahr 1970 die Trierer Universität neu gegründet wurde
und sich gleichzeitig vermehrt Industriegebiete in den 1969
eingemeindeten Orten ansiedeln konnten, erlebte Trier einen
regelrechten wirtschaftlichen Aufschwung. Und so wuchs auch der
Bedarf an neuen Wohnungen und Häusern. Es entstanden beispielsweise
das Wohngebiet Im Schammat mit dem sozialen Schammatdorf und das
Neubaugebiet Mariahof. Ein weiteres der neuen Wohngebiete entstand
in den frühen Siebziger Jahren in Olewig im Streifen zwischen der
St.-Anna-Straße und der Caspar-Olevian-Straße. Auftraggeber war das
1949 gegründete „Familienwerk des Bistums Trier“, welches sich
unter anderem den Neubau von Wohnraum und den Siedlungsbau zur
Aufgabe gemacht hat. Die Straße Auf der Hill führt direkt in die
gleichnamige Siedlung hinein, die der Trierer Architekt Günter
Kleinjohann plante. Olewig selbst gehört schon seit 1930 zur Stadt
Trier und wurde stetig über den Ortskern hinaus erweitert. Aus den
Dreißiger Jahren stammt die Siedlung Trier-Ost, aus den Fünfziger
und Sechziger Jahren die Bebauung am Trimmelter Weg. Von 1969 bis
1974 schließlich wurde das Gebiet Auf der Hill erschlossen und
bebaut. Städtebaulich ist Auf der Hill ein zusammenhängender
Komplex mit 65 Einfamilienreihenhäusern. Die längsgestreckte
Siedlung liegt auf einem Hang zwischen zwei Straßen, an denen sich
die Garagen und die Zugänge zu den Fußwegen befinden. Die aus
weißem Kalksandstein gemauerten Häuser sind entweder zwei- oder
zweieinhalbgeschossig. Etwa die Hälfte der Einfamilienhäuser sind
als Terrassenhäuser ausgestaltet. Die einzelnen Häuser bilden
Gruppen, die sich jeweils um eine Art öffentlichen Hof oder Platz
reihen. Der hier entstehende Raum ist der Kommunikation, dem
Zusammenleben und der Nachbarschaft gewidmet. Jedes einzelne Haus
variiert in seiner räumlichen Ausweitung, so dass individuelle
Bedürfnisse der Bauherren berücksichtigt werden konnten. Auch wenn
die Häuser teilweise aneinandergebaut und eng gestaffelt platziert
sind, haben die Bewohner dennoch eine Privatsphäre, die sich aus
der ausgeklügelten Bauform der Häuser ergibt. „Die Häuser sollten
nicht zu teuer sein, also war die Wirtschaftlichkeit zugleich
Forderung und ein wesentliches Kriterium“, berichtet Günter
Kleinjohann, der seit den frühen Siebziger Jahren selbst eines der
Häuser bewohnt. „Das beginnt bei der zweibündigen Erschließung der
Siedlung, was bedeutet, dass durch weniger Wege auch billiger
gebaut werden konnte.“ Die Häuser selbst sind aus unverputztem
Kalksandstein, Sichtbeton und rotbraunen Hölzern an den Fenstern
und den Haustüren gestaltet. Sie sind Ost-Westseitig ausgerichtet,
wodurch der Wohnbereich jeweils auf der sonnigen Westseite liegt.
An den Fußwegen mit den Niveautreppen stehen auf einer Seite immer
Terrassenhäuser, wodurch sich automatisch ein Sichtschutz zu den
gegenüberliegenden normalen Häusern ergibt. Durch die gestaffelte
Ausrichtung, die versetzt liegenden Wege, Niveautreppen, Rampen und
unterschiedlich große Plätze sowie das viele bereits von Anfang an
mitgeplante Grün wirkt die Siedlung Auf der Hill nicht langweilig.
„Das sieht hier nicht aus wie Kaninchenställe. Geistlose
Reihenhaussiedlungen kann ich überhaupt nicht leiden“, so
Kleinjohann über seine einzige Siedlung, die er neben 13 Kirchen,
zahlreichen öffentlichen Gebäuden und Privathäusern realisiert hat.
Der aus Dortmund stammende Kleinjohann studierte in Stuttgart und
Aachen Architektur und arbeitete sechs Jahre in Köln, bis ihn ein
Ruf an die damalige Fachhochschule nach Trier brachte, wo er sich
niederließ. Dass er selbst in einem seiner eigenen Häuser innerhalb
der Siedlung lebt, sei nicht gewöhnlich. „Viele Nachbarn haben
während der Bauzeit auch immer wieder in meine Baustelle geschaut,
um sich zu versichern, dass der Architekt sich selbst das Gleiche
baut. Denn es gab ja durchaus Vorurteile gegen die Flachdächer mit
Erde obendrauf!“ Und auch die großen Glasflächen in den
Wohnbereichen sind wesentliches Gestaltungselement der Siedlung.
„Licht ist ein wichtiger Baustoff – man muss es nur hereinlassen“,
so das Credo von Kleinjohann. Durch die Staffelung der Häuser und
der wechselnden Anordnung der Typen sind alle großen Grasflächen so
gelegen, dass man nicht in die Wohnräume hineinsehen kann. Der
Blick nach draußen ist der wichtige: die Fensterflächen und
Terrassen öffnen sich zu einem phänomenalen Blick auf das Olewiger
Tal, die Weinberge und den Petrisberg. Und auch die Kombination aus
den hellen Baustoffen mit den Pflanzen sind besonders in der
Trierer Siedlung. Auf den im Obergeschoss liegenden Terrassen ist
nicht nur Platz für einen Rasen, sondern die Betonelemente an den
Häusern sind gleichzeitig Blumenkästen. In idealer Weise lebt man
Auf der Hill sowohl im Grünen als auch in der Stadt, ohne dass man
sich um zu große arbeitsaufwändige (Nutz-) Gärten kümmern müsste.
Auch wenn die Bewohner der Siedlung ihren Architekten mit der
Benennung eines Platzes zur „Place de Petit Jean“ ehrten, so ist
Kleinjohann nicht immer froh mit der einsetzenden
Individualisierung der Häuser. Das individuelle Geschmacksniveau
sei über die Jahre gesunken, so der Architekt, dessen eigenes Haus
noch immer so aussieht wie nach der Fertigstellung. Statt
Baumarkttüre ist bei ihm noch die massiv gearbeitete
Redwood-Holztür zu finden und die original Wagenbach-Außenleuchte
dürfte die letzte Ihrer Art Auf der Hill sein. Das Haus des
Architekten ist das einzige der Siedlung, welches sich bis heute in
der Originalfassung präsentiert: heller Sichtbeton als bündiger
Abschluss des Flachdaches, der Fenster und Terrassen, mit
Originaltüre und Hausbeleuchtung sowie freiem unverbautem Zugang.
Bei den Nachbarhäusern später hinzugekommene Verkleidungen, Farben,
gusseiserne Handläufe und Zäune oder Fensterläden verfälschen das
gewollte schlichte Design.
Audio-Podcast: 7:22 min Kennen Sie… die Kastenhäuser? Die Siedlung
Auf der Hill in Olewig ist alles andere als eine langweilige
Aneinanderreihung von Reihenhäusern, bei denen sich die Bewohner
oftmals zu nahe kommen und Individualität bei der Ausführung keine
Rolle spielt. Jedes einzelne der 65 Häuser ist den topografischen
Gegebenheiten angepasst und bietet trotz der Nähe zu den Nachbarn
Intimität. Die Häuser der Siedlung „Auf der Hill“ stehen eng
beieinander und teilweise auch aneinander. Gemeinsam ist den
Bewohnern der freie und weite Blick in die Natur, vor allem von den
Terrassen aus. Diese sind genau wie die Wohnetagen nach Westen
gerichtet und profitieren damit von der Sonne bis in den späten
Abend hinein. Nachdem Mitte der sechziger Jahre der Trierer Hafen
errichtet, im Jahr 1970 die Trierer Universität neu gegründet wurde
und sich gleichzeitig vermehrt Industriegebiete in den 1969
eingemeindeten Orten ansiedeln konnten, erlebte Trier einen
regelrechten wirtschaftlichen Aufschwung. Und so wuchs auch der
Bedarf an neuen Wohnungen und Häusern. Es entstanden beispielsweise
das Wohngebiet Im Schammat mit dem sozialen Schammatdorf und das
Neubaugebiet Mariahof. Ein weiteres der neuen Wohngebiete entstand
in den frühen Siebziger Jahren in Olewig im Streifen zwischen der
St.-Anna-Straße und der Caspar-Olevian-Straße. Auftraggeber war das
1949 gegründete „Familienwerk des Bistums Trier“, welches sich
unter anderem den Neubau von Wohnraum und den Siedlungsbau zur
Aufgabe gemacht hat. Die Straße Auf der Hill führt direkt in die
gleichnamige Siedlung hinein, die der Trierer Architekt Günter
Kleinjohann plante. Olewig selbst gehört schon seit 1930 zur Stadt
Trier und wurde stetig über den Ortskern hinaus erweitert. Aus den
Dreißiger Jahren stammt die Siedlung Trier-Ost, aus den Fünfziger
und Sechziger Jahren die Bebauung am Trimmelter Weg. Von 1969 bis
1974 schließlich wurde das Gebiet Auf der Hill erschlossen und
bebaut. Städtebaulich ist Auf der Hill ein zusammenhängender
Komplex mit 65 Einfamilienreihenhäusern. Die längsgestreckte
Siedlung liegt auf einem Hang zwischen zwei Straßen, an denen sich
die Garagen und die Zugänge zu den Fußwegen befinden. Die aus
weißem Kalksandstein gemauerten Häuser sind entweder zwei- oder
zweieinhalbgeschossig. Etwa die Hälfte der Einfamilienhäuser sind
als Terrassenhäuser ausgestaltet. Die einzelnen Häuser bilden
Gruppen, die sich jeweils um eine Art öffentlichen Hof oder Platz
reihen. Der hier entstehende Raum ist der Kommunikation, dem
Zusammenleben und der Nachbarschaft gewidmet. Jedes einzelne Haus
variiert in seiner räumlichen Ausweitung, so dass individuelle
Bedürfnisse der Bauherren berücksichtigt werden konnten. Auch wenn
die Häuser teilweise aneinandergebaut und eng gestaffelt platziert
sind, haben die Bewohner dennoch eine Privatsphäre, die sich aus
der ausgeklügelten Bauform der Häuser ergibt. „Die Häuser sollten
nicht zu teuer sein, also war die Wirtschaftlichkeit zugleich
Forderung und ein wesentliches Kriterium“, berichtet Günter
Kleinjohann, der seit den frühen Siebziger Jahren selbst eines der
Häuser bewohnt. „Das beginnt bei der zweibündigen Erschließung der
Siedlung, was bedeutet, dass durch weniger Wege auch billiger
gebaut werden konnte.“ Die Häuser selbst sind aus unverputztem
Kalksandstein, Sichtbeton und rotbraunen Hölzern an den Fenstern
und den Haustüren gestaltet. Sie sind Ost-Westseitig ausgerichtet,
wodurch der Wohnbereich jeweils auf der sonnigen Westseite liegt.
An den Fußwegen mit den Niveautreppen stehen auf einer Seite immer
Terrassenhäuser, wodurch sich automatisch ein Sichtschutz zu den
gegenüberliegenden normalen Häusern ergibt. Durch die gestaffelte
Ausrichtung, die versetzt liegenden Wege, Niveautreppen, Rampen und
unterschiedlich große Plätze sowie das viele bereits von Anfang an
mitgeplante Grün wirkt die Siedlung Auf der Hill nicht langweilig.
„Das sieht hier nicht aus wie Kaninchenställe. Geistlose
Reihenhaussiedlungen kann ich überhaupt nicht leiden“, so
Kleinjohann über seine einzige Siedlung, die er neben 13 Kirchen,
zahlreichen öffentlichen Gebäuden und Privathäusern realisiert hat.
Der aus Dortmund stammende Kleinjohann studierte in Stuttgart und
Aachen Architektur und arbeitete sechs Jahre in Köln, bis ihn ein
Ruf an die damalige Fachhochschule nach Trier brachte, wo er sich
niederließ. Dass er selbst in einem seiner eigenen Häuser innerhalb
der Siedlung lebt, sei nicht gewöhnlich. „Viele Nachbarn haben
während der Bauzeit auch immer wieder in meine Baustelle geschaut,
um sich zu versichern, dass der Architekt sich selbst das Gleiche
baut. Denn es gab ja durchaus Vorurteile gegen die Flachdächer mit
Erde obendrauf!“ Und auch die großen Glasflächen in den
Wohnbereichen sind wesentliches Gestaltungselement der Siedlung.
„Licht ist ein wichtiger Baustoff – man muss es nur hereinlassen“,
so das Credo von Kleinjohann. Durch die Staffelung der Häuser und
der wechselnden Anordnung der Typen sind alle großen Grasflächen so
gelegen, dass man nicht in die Wohnräume hineinsehen kann. Der
Blick nach draußen ist der wichtige: die Fensterflächen und
Terrassen öffnen sich zu einem phänomenalen Blick auf das Olewiger
Tal, die Weinberge und den Petrisberg. Und auch die Kombination aus
den hellen Baustoffen mit den Pflanzen sind besonders in der
Trierer Siedlung. Auf den im Obergeschoss liegenden Terrassen ist
nicht nur Platz für einen Rasen, sondern die Betonelemente an den
Häusern sind gleichzeitig Blumenkästen. In idealer Weise lebt man
Auf der Hill sowohl im Grünen als auch in der Stadt, ohne dass man
sich um zu große arbeitsaufwändige (Nutz-) Gärten kümmern müsste.
Auch wenn die Bewohner der Siedlung ihren Architekten mit der
Benennung eines Platzes zur „Place de Petit Jean“ ehrten, so ist
Kleinjohann nicht immer froh mit der einsetzenden
Individualisierung der Häuser. Das individuelle Geschmacksniveau
sei über die Jahre gesunken, so der Architekt, dessen eigenes Haus
noch immer so aussieht wie nach der Fertigstellung. Statt
Baumarkttüre ist bei ihm noch die massiv gearbeitete
Redwood-Holztür zu finden und die original Wagenbach-Außenleuchte
dürfte die letzte Ihrer Art Auf der Hill sein. Das Haus des
Architekten ist das einzige der Siedlung, welches sich bis heute in
der Originalfassung präsentiert: heller Sichtbeton als bündiger
Abschluss des Flachdaches, der Fenster und Terrassen, mit
Originaltüre und Hausbeleuchtung sowie freiem unverbautem Zugang.
Bei den Nachbarhäusern später hinzugekommene Verkleidungen, Farben,
gusseiserne Handläufe und Zäune oder Fensterläden verfälschen das
gewollte schlichte Design.
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