Da viele Prüflinge großen Respekt vor dem Fachgespräch haben, gibt
es in der dreiundsechzigsten Episode des
Anwendungsentwickler-Podcasts einige Tipps zur Vorbereitung auf
diesen Teil der mündlichen Prüfung. Inhalt Nachdem die schriftliche
Prüfung geschafft ist, stehen viele Prüflinge vor der nächsten
großen Aufgabe: der Vorbereitung auf die mündliche Prüfung. Nach
der Projektpräsentation, die man komplett in der eigenen Hand hat,
steht das mit Spannung erwartete Fachgespräch an. Jedes Mal, wenn
es wieder auf die Prüfungszeit zugeht, häufen sich die Fragen in
den einschlägigen Foren: Was werden die Prüfer fragen? Welche
Themen kommen dran? Wie soll ich mich vorbereiten? Um nicht immer
wieder dasselbe erzählen zu müssen, schreibe ich im Folgenden mal
zusammen, wie man sich sinnvollerweise auf das Fachgespräch
vorbereiten sollte. Mögliche Themen im Fachgespräch Grundsätzlich
können die Prüfer im Fachgespräch alle möglichen Themengebiete der
Prüfung abfragen. Es gibt also nicht - wie häufig behauptet wird -
eine Einschränkung auf die Themen des eigenen Abschlussprojekts.
Man muss sich letztlich auf alle potentiellen Themen vorbereiten.
Aber das hat man als Prüfling ja auch schon für die schriftliche
Prüfung getan. Und zwar hoffentlich mit ausreichend Vorlauf, sodass
die Inhalte nicht am Tag nach der Prüfung wieder aus dem Kopf
verschwunden sind. Denn bis zur mündlichen Prüfung vergehen
durchaus mehrere Wochen. Und wenn dann alles Gelernte wieder weg
ist, darf man nochmal von vorne anfangen. Aber dazu mehr hier:
Vorbereitung auf die schriftliche Abschlussprüfung. Also gilt genau
wie für die schriftliche Prüfung meine Empfehlung: Fang früh an zu
lernen und wiederhole die Inhalte regelmäßig. Dadurch kannst du sie
nicht nur in der schriftlichen Prüfung abrufen, sondern auch in der
mündlichen. Und ganz nebenbei kannst du sie vielleicht sogar im
Arbeitsalltag anwenden, was ja letztlich das Ziel der Ausbildung
sein sollte. ;-) Alle Themengebiete der Prüfung sind möglich. Keine
Einschränkung auf die Themen des eigenen Abschlussprojekts.
Wahrscheinliche Themen im Fachgespräch Ich kann natürlich nicht für
alle Prüfungsausschüsse sprechen, aber es kristallisieren sich
meiner Meinung nach einige Standardthemen heraus, mit denen man als
Anwendungsentwickler/in im Fachgespräch rechnen sollte. Ich halte
es für unwahrscheinlich (und auch unsinnig), Anwendungsentwickler
über strukturierte Verkabelung oder Netzwerktopologien zu befragen.
Ich würde mich als Prüfer stattdessen auf die Kernkompetenzen
konzentieren. Und das sind meiner Meinung nach: Programmierung
(Datenstrukturen, Schleifen usw.) Objektorientierung (Vererbung,
Kapselung, Polymorphie usw.) Datenbankmodellierung (ERM,
Tabellenmodell, Normalisierung usw.) SQL Wirtschaftlichkeit
Projektmanagement Zu fast allen Bereichen habe ich in meiner
Podcast-Serie zu den häufigsten Fragen im Fachgespräch schon
Episoden aufgenommen. Es wäre fahrlässig, sich nicht auf diese
Themen vorzubereiten. Standardthemen Programmierung
(Datenstrukturen, Schleifen usw.) Objektorientierung (Vererbung,
Kapselung, Polymorphie usw.) Datenbankmodellierung (ERM,
Tabellenmodell, Normalisierung usw.) SQL Wirtschaftlichkeit
Projektmanagement Mögliche Themen sammeln Aber es gibt auch noch
einen großen anderen Bereich an potentiellen Themen, den man nicht
unterschätzen sollte: das eigene Abschlussprojekt. Obwohl die
Prüfer nicht auf Fragen aus dem Bereich des Projekts begrenzt sind,
werden viele sicherlich das Projekt als Aufhänger nehmen, um ins
Fachgespräch einzusteigen. Daher sollte man sein Projekt in- und
auswendig beherrschen und z.B. alle verwendeten Fachbegriffe
einwandfrei erklären können. Eigene Projektdokumentation und
-präsentation Eine einfache Aufgabe in Vorbereitung auf das
Fachgespräch ist es daher, die eigene Projektdokumentation und
insb. die -präsentation auf mögliche Prüfungsinhalte zu
durchforsten. Dazu zählen insb.: Verwendete Fachbegriffe (insb.
Definitionen für Abkürzungen) Verwendete Technologien (z.B. ORM,
MVC, ERM) Details zum Projektablauf (z.B. Zeitplanung,
Vorgehensmodell) Schnittstellen des Projekts (fachlich und
technisch) Datenschutz und -sicherheit bezogen auf das Projekt
(wird häufig vergessen) Alternativen zu eingesetzten Technologien
(z.B. AngularJS anstatt Ember.js, JSON anstatt XML, REST anstatt
SOAP) Pro-/Contra-Bewertung der verwendeten Technologien (z.B.
Performance, Kosten, Komplexität) Im Fachinformatiker-Forum habe
ich den Tipp gelesen, sich auf Basis der eigenen Artefakte eine
Mindmap aller potentiellen Themen zu erstellen, indem man zunächst
einfach nur die verwendeten Begriffe, Technologien usw. in einen
Zusammenhang stellt und im nächsten Schritt dann den Assoziationen
freien Lauf lässt: Was fällt dir noch zu den Begriffen ein? (z.B.
REST zu SOAP, JSON zu XML) Was sind mögliche Ergänzungen? (z.B.
AJAX bei Webprojekt, Rich Client) Was sind Gegensätze oder
Alternativen zu den Begriffen? (z.B. Java vs. .NET, Web vs. Fat
Client) Am besten führst du dieses Brainstorming nicht alleine
durch, sondern holst dir andere ITler zur Hilfe: Ausbilder/in,
Mitschüler/innen, Mitazubis, Kollegen/innen, Chef/in usw. Mehr
Köpfe kommen sicherlich auf mehr Ideen. Gerade auch scheinbar
Unbeteiligte bringen dich vielleicht auf Ideen: der Chef fragt nach
der Amortisation, die Kunden nach der Usability, die Kollegen nach
verwendeten Design Patterns usw. Häufige Themenbereiche Wenn du
trotzdem noch weitere Anregungen brauchst, dann schau mal in den
üblichen Foren nach: fachinformatiker.de Dort wirst du sicherlich
einige Beiträge finden, in denen mögliche Fragen zu verschiedenen
Projekten diskutiert werden. Und ich habe z.B. mal eine Liste mit
Fragen zu einem PHP-Projekt erstellt, die dir vielleicht auch
weiterhilft. Häufig vergessene Themen Wie bereits angedeutet, gibt
es auch immer wieder Themen, die die Prüflinge gerne man
"vergessen". Ob absichtlich oder aus Versehen, sei mal
dahingestellt. ;-) Hier kommt eine (unvollständige) Liste:
Wirtschaft (Stundensatz, Gehaltsabrechnung, Sozialversicherung
usw.) Datenschutz ("Das brauchen wir nicht!") Backup ("Machen die
Admins!") Sicherheit ("Ist nur ne interne Anwendung!") Usability
("Der OK-Button ist grün. Das reicht!") Die Prüfer steuern Man kann
als Prüfling auch ein wenig Einfluss auf die Fragen der Prüfer
nehmen. Wenn man z.B. bestimmte Sachverhalte in der
Projektpräsentation (die direkt vor dem Fachgespräch stattfindet)
besonders betont, kann das die Prüfer dazu anregen, mal
nachzufragen. Dann sollte man sich aber natürlich auch bestens in
diesem Bereich auskennen! Ich habe schon oft die Geschichte vom
Prüfling erzählt, der in der Präsentation den Satz brachte "Ich
habe als Architekturprinzip MVC verwendet. Vielleicht werde ich ja
gleich dazu befragt." und dann aber keine Ahnung vom Thema hatte.
Das war schon recht witzig. Auch nett war der Prüfling, der unter
Extreme Programming Programmieren ohne Regeln verstand. Gerade in
den Quelltext, der an der Dokumentation hängt, schaue ich als
Prüfer immer sehr gerne. Dort finde ich nämlich meist viele Sachen,
die der Prüfling zwar verwendet, aber gar nicht verstanden hat. Und
moderner Quelltext strotzt nur so vor Lamdas, LINQ-Abfragen,
generischen Klassen usw. Und all das sollte man - fachlich korrekt
- erklären können. Die mündliche Prüfung simulieren Zu guter Letzt
bleibt noch zu empfehlen, die mündliche Prüfung - am besten
mehrfach - zu simulieren. Dafür steht dir dein/e Ausbilder/in
sicherlich zur Seite. Allein die Präsentation solltest du ohnehin
mehrfach durchspielen und dann am besten direkt im Anschluss das
Fachgespräch üben. Lade auch ruhig Zuhörer ein, die dein Projekt
nicht kennen. Nur dadurch fallen nämlich noch Sachverhalte auf, die
du nicht verständlich erklärt hast. Gehe nicht davon aus, dass all
deine Prüfer deine Dokumentation gelesen haben. Das ist selten der
Fall. Du musst also in der Präsentation alles so erklären, dass die
Zuschauer es ohne Vorwissen (bezogen auf das Projekt, nicht auf die
IT allgemein) verstehen können. Und da du selbst sehr tief in der
Materie deines Projekts steckst, fallen dir offensichtliche
Fragestellungen ggfs. gar nicht mehr auf. Also nutze die - meist
wochenlange - Vorbereitungszeit auf die mündliche Prüfung und quäle
deine Kollegen mit Präsentationen und Fragerunden. So bekommst du
bestimmt noch viele Anregungen für mögliche Fragen der Prüfer.
Antworten trainieren Bei der Gelegenheit kannst du auch gleich
üben, die Fragen vernünftig zu beantworten. Wir wollen korrekte,
kurze, präzise und gut strukturierte Antworten hören und nicht
minutenlanges Rumgelaber ohne zum Punkt zu kommen. Beispiele dafür
findest du in meinen Podcast-Episoden. Aber es geht nichts über das
direkte Training mit deinem/r Ausbilder/in, der/die dir konkretes
Feedback zu deinen Formulierungen gibt. Es geht nicht darum,
Antworten auswendig zu lernen, sondern die Inhalte verständlich und
sauber definiert rüberzubringen. Auswendig gelernte Antworten
erkennen wir als Prüfer recht schnell und stellen dann direkt die
passenden Fragen, um zu prüfen, ob zusätzlich auch echtes
Verständnis da ist. Also bitte deine/n Ausbilder/in darum, das
Fachgespräch zu üben, wenn er/sie das nicht von sich aus
vorschlägt. Allgemeine Tipps Unterschätze nicht die Anforderungen.
Fange früh an zu lernen. Nutze Synergieeffekte durch die
Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung. Erstelle eine Mindmap
mit Themen des eigenen Projekts. Was fällt dir noch zu den
Begriffen ein? (z.B. REST zu SOAP, JSON zu XML) Was sind mögliche
Ergänzungen? (z.B. AJAX bei Webprojekt, Rich Client) Was sind
Gegensätze oder Alternativen zu den Begriffen? (z.B. Java vs. .NET,
Web vs. Fat Client) Sammle gemeinsam mit
Kollegen/Ausbilder/Chef/Mitschülern Fragen und simuliere das
Fachgespräch. Je mehr Hinweise du bekommst, desto besser. Übe am
besten die Projektpräsentation und direkt im Anschluss das
Fachgespräch. ...
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