Marie-Françoise ist Lehrerin aus Belgien. Sie hat mich gebeten,
über Ferienjobs zu sprechen. Also werde ich das heute machen. Viele
Schüler und Studenten arbeiten in ihren Ferien. So verdienen sie
Geld und machen neue Erfahrungen. Schüler unter 15 Jahren dürfen in
Deutschland nicht wie ein Erwachsener arbeiten. Es gibt ein Gesetz,
das Kinderarbeit verbietet. Eine Ausnahme gibt es aber: Wenn es die
Eltern erlauben, dürfen Kinder schon ab 13 Jahren arbeiten. Aber
nur zwei Stunden pro Tag und nur tagsüber. Und natürlich nicht
während der Schulzeit. Anders ist es in den Ferien. Hier dürfen
Schüler zwischen 15 und 18 Jahren maximal vier Wochen im Jahr
arbeiten, höchstens aber acht Stunden pro Tag. Beliebte Jobs für
Schüler sind zum Beispiel Babysitten, Zeitungen austragen oder
Nachhilfe geben. Babysitten ist klar – da passt der Schüler auf ein
kleineres Kind auf und bekommt von dessen Eltern Geld dafür.
Zeitungen austragen bedeutet, dass Schüler mit dem Fahrrad oder zu
Fuß von Haus zu Haus gehen, und kostenlose Blätter für einen Verlag
ausliefern. Sie stecken also in jeden Briefkasten ein Exemplar und
werden dafür bezahlt. Wenn ein Schüler Nachhilfe gibt bedeutet das,
dass er einem anderen Schüler hilft, der in einem Schulfach
schlechter ist. Sie lernen also zusammen, und die Eltern bezahlen
den Nachhilfelehrer dafür. In der Regel gibt ein älterer Schüler
einem jüngeren Schüler Nachhilfeunterricht in einem Fach, also zum
Beispiel in Mathematik oder Englisch. Wer nur in den Ferien
arbeitet, der macht meistens einfache Saison-Arbeit. Zum Beispiel
kann ein Schüler als Eisverkäufer arbeiten. Dann verkauft er Eis an
Kinder und Erwachsene. Er kann auch als Pizzabote arbeiten. Dann
liefert er Pizza an Menschen, die diese per Telefon bestellt haben.
Wer sportlich ist und gut schwimmen kann, kann nach einer
speziellen Ausbildung auch als Rettungsschwimmer arbeiten. Dann
sitzt er an einem See oder in einem Schwimmbad und passt auf, damit
niemand ertrinkt. Studenten arbeiten im Sommer gerne als Animateur
in einer Hotelanlage. Das heißt, sie leben selber im Ausland, in
Spanien oder Italien zum Beispiel, und arbeiten im Hotel. Sie
machen mit den Gästen spezielle Programme, meistens ist das Sport.
Sie arbeiten oft aber auch in Restaurants oder Cafés als Kellner
oder Kellnerin. Sie bringen also Getränke und Essen zu den Gästen.
Warum Schüler und Studenten arbeiten? Natürlich denkt man bei
dieser Frage sofort an Geld. Und das ist bestimmt für viele die
Hauptmotivation. Mit etwas mehr Taschengeld kann sich ein Schüler
vielleicht die Computerspiele, Bücher oder Musik kaufen, die er
sich sonst nicht leisten könnte. Ein Student kann mit dem
zusätzlichen Geld vielleicht hin und wieder einen Cocktail trinken
gehen oder mit Freunden ins Kino. Es gibt aber noch einen Grund,
warum Ferienarbeit sehr gut ist: Schüler lernen dadurch, was es
bedeutet, zu arbeiten. Sie müssen pünktlich am Arbeitsplatz sein,
sie müssen eine Aufgabe erfüllen und viele Stunden etwas tun, was
ihnen wahrscheinlich nicht so viel Spaß macht, wie mit den Freunden
Zeit zu verbringen. Und bei manchen Ferienjobs lernen die Schüler
und vor allem Studenten schon etwas für ihren späteren Beruf. Ich
selber habe in den Ferien und nach der Schule immer bei einem
Radiosender gearbeitet und dort viel gelernt. Vielleicht hätte ich
ohne diesen Ferienjob nie angefangen, zu podcasten! Text der
Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg64kurz.pdf
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