SG #118: Die Gebrüder Grimm

SG #118: Die Gebrüder Grimm

Eigentlich muss diese Episode so anfangen: Es waren einmal zwei Brüder. Sie hießen Jacob und Wilhelm. Doch das Volk nannte sie die Gebrüder Grimm... Mit den Worten „Es war einmal“ beginnen in der deutschen Sprache viele Märchen.
6 Minuten

Beschreibung

vor 9 Jahren

Eigentlich muss diese Episode so anfangen: Es waren einmal zwei
Brüder. Sie hießen Jacob und Wilhelm. Doch das Volk nannte sie
die Gebrüder Grimm…


Mit den Worten „Es war einmal“ beginnen in der deutschen Sprache
viele Märchen. Und Märchen bringen wir in Zusammenhang mit den
Gebrüdern Grimm. Aber wer waren diese beiden Männer?
Sie wurden 1785 und 1786 in Hanau in Hessen geboren. Sie
studierten Jura. Aber ihre wahre Leidenschaft galt den
Geschichten. Sie sprachen mit vielen so genannten
Märchenbeiträgern, also Menschen, die alte Geschichten kannten.
Aus vielen Fragmenten und aus alten literarischen Quellen machten
die Brüder dann fertige Märchen. So entstanden die noch heute
berühmten Märchen-Sammlungen. Es waren Märchen, die die Menschen
sich von Generation zu Generation erzählt hatten. Nachdem die
Brüder Grimm sechs Jahre lang eifrig gesammelt hatten, erschien
zu Weihnachten 1812 der erste Sammelband mit Märchen. Er hieß
„Kinder- und Hausmärchen“ und wurde gleich ein Erfolg.


Die Grimms wollten aber nicht nur die Geschichten aufschreiben,
sie wollten sie wissenschaftlich dokumentieren, damit das
deutsche Kulturgut nicht verloren geht. 1816 erschien der zweite
Sammelband. Insgesamt sammelten die Brüder 200 Märchen.


Ihr Leben war aber nicht einfach: Als Jacob 23 Jahre alt war,
starb die Mutter. Weil Jacob das älteste der 9 Kinder war, musste
er sich von nun an um die Familie kümmern – der Vater war bereits
früher gestorben.


Die Brüder arbeiteten als Sekretär und Bibliothekar des Königs.
Als Professoren lebten und arbeiteten sie später in Kassel, dann
nahmen sie aber am Protest der „Göttinger Sieben“ teil. Der König
hatte das erst vier Jahre alte Grundgesetz des Staates außer
Kraft gesetzt und wollte sich nicht daran halten. Dagegen
protestierten viele Akademiker – einige von ihnen wurden des
Landes verwiesen, unter anderem auch Jacob Grimm. Daraufhin zogen
er und sein Bruder nach Berlin.


Übrigens waren die Brüder Grimm nicht nur wichtig, weil sie den
Märchenschatz bewahrten. Die Märchensammlung gehört zu den
erfolgreichsten Büchern der Weltliteratur. Jacob schrieb eine
deutsche Grammatik und beide Brüder erforschten ihr Leben lang
die deutsche Sprache. Diese deutsche Grammatik war übrigens
mehrere tausend Seiten dick. Und nicht nur das: Die Brüder
begannen auch mit einem deutschen Wörterbuch, das bei ihrem Tod
aber nur bis zum Buchstaben F reichte. 1960 wurde es
fertiggestellt und umfasste 16 Bände. Die Grimms gelten also als
Mitbegründer der Germanistik. Jacob Grimm schrieb einmal: „unsere
sprache ist auch unsere geschichte“. Übrigens verwendete er nur
Kleinbuchstaben, den ständigen Wechsel in der deutschen Schrift
fand er pedantisch und wollte ihn am liebsten abschaffen. Das ist
Euch jetzt sicher sympathisch, liebe Deutschlernende, oder?


Zum Schluss noch einige der Märchen, die die Gebrüder Grimm
aufschrieben – einige davon gibt es bereits im Premium-Bereich
von Slow German langsam von mir gesprochen: Hans im Glück,
Rumpelstilzchen, Rotkäppchen, Rapunzel, Dornröschen, Hänsel und
Gretel, Aschenputtel, Frau Holle, Schneewittchen, Der
Froschkönig, Die Bremer Stadtmusikanten und Die Prinzessin auf
der Erbse…


„Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute“. So
enden viele Märchen.


Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg118kurz.pdf

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